Der Brutto-Zubau von Windenergieanlagen an Land ist im Gesamtjahr 2018 regelrecht eingebrochen. Mit lediglich 2.402 MW bzw. 743 Anlagen fällt der Neubau nach den von der Deutschen WindGuard ermittelten Zahlen noch hinter das Niveau von 2013 zurück. Der Zubau entspricht einem Rückgang von 55 Prozent im Vergleich zum Gesamtjahr 2017 und liegt damit deutlich unter der von Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems zur Jahresmitte 2018 geschätzten Zahl von 3.300 MW.

Grund für den geringen Zubau ist laut BWE und VDMA der hohe Anteil der Zuschläge für Projekte ohne Genehmigung, die die Ausschreibungen in 2017 dominiert haben und bislang nicht realisiert wurden. Darüber hinaus hätten über 900 MW-Übergangsanlagen nicht fristgerecht ans Netz gehen können.

Jährliche Entwicklung der Windenergieleistung an Land in Deutschland (Quelle: Deutsche WindGuard)

Die Verbände benennen hierzu drei wesentliche Ursachen: Eine erteilte Genehmigung schafft inzwischen keine Rechtssicherheit mehr, weil fast jede Genehmigung beklagt wird. Diese Verfahren nehmen immer mehr Zeit in Anspruch und verzögern damit die Umsetzung. Zum anderen gab es Projekte, die unter dem Eindruck der stark degressiven EEG-Vergütung in eine Umgenehmigung gegangen sind, um sich für eine Beteiligung an Ausschreibungen vorzubereiten. Darüber hinaus haben sich Projektträger erst nach dem Stichtag 28.02.2017 entschieden, nach dem Auslaufen der Übergangsfrist am 31.12.2018 doch an Ausschreibungen teilzunehmen.

Quelle: Deutsche WindGuard

„Besonders wenige Genehmigungen erfolgten in Bayern, Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Schleswig-Holstein. Um den steigenden Bedarf der modernen Energiewirtschaft zu erfüllen, müssen alle Bundesländer am Zubau teilnehmen“, so Wolfram Axthelm, Geschäftsführer Bundesverband Windenergie und ergänzt: „Damit ausreichend Wettbewerb sichergestellt wird, muss der Genehmigungsstau in den Ländern abgebaut werden. Dafür müssen alle Beteiligten die Bedingungen für mehr Genehmigungen schaffen.“

Schwache Prognose für 2019 –
Sonderausschreibungen geben Zuversicht auf Erholung ab 2021

Für das Jahr 2019 erwarten die Verbände nur einen Zubau von knapp 2.000 MW. Die im Energiesammelgesetz festgelegten Sonderausschreibungen seien enorm wichtig. Sie gäben zwar Zuversicht auf eine Erholung ab 2021 – im internationalen Vergleich verliere der deutsche Markt jedoch an Dynamik und Bedeutung.

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Dabei bewerten die Verbände das Erreichen des 65 Prozent-Ziels bis 2030 als eine große Chance, die aber einen klaren politischen Willen und Rahmen erfordert. So müsse die Bestimmung, nur mit genehmigten Projekten an den Ausschreibungen teilnehmen zu können, unbedingt dauerhaft festgeschrieben werden. Zudem sollten die Genehmigungsverfahren erleichtert und beschleunigt werden.

Die Akzeptanz-Arbeitsgruppe der Koalition sollte eng mit den Bundesländern zusammenarbeiten und auf die Arbeit der „Plattform Genehmigungssituation“ der Fachagentur Wind an Land aufbauen, so BWE und VDMA. „Die Arbeitsgruppe sollte sich nicht im Klein-Klein verlieren, sondern sich auf die großen Linien wie Zeit- und Mengengerüst bis 2030, Flächenkulisse und Straffung von Genehmigung und gerichtliche Verfahren konzentrieren“, erklärte Axthelm. Zur weiteren Unterstützung der Energiewende seien – wie im Aktionsplan Stromnetze vorgesehen – der zuverlässige Ausbau sowie die Optimierung der Bestandsnetze erforderlich. Auch der Abbau regulatorischer Hürden für das Voranbringen der Sektorkopplung sei hierbei entscheidend.

Entwicklung Weltmärkte – Asien ist Vorreiter

Gemäß der Prognose des Global Wind Energy Council wird der weltweit größte Zubau von Windenergieanlagen in den Jahren 2019 – 2022 in Asien (118 GW) erwartet, gefolgt von Europa (62 GW) und Nordamerika (44 GW). „Um die Exportstärke der deutschen Hersteller zu wahren, muss sich die Politik für die Aufrechterhaltung der offenen Märkte einsetzen. Dies gilt auch für die Sicherstellung der Exportfinanzierung“, sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

„Während ein nachhaltig höherer Ausbau der Erneuerbaren Energien – begründet durch die erreichten Kostensenkungen und den nunmehr angekündigten Einstieg in den Verzicht auf die Verstromung von Braun- und Steinkohle – logisch wäre, ergibt sich stattdessen ein massiver Rückgang für die Jahre 2018 und 2019“, so Zelinger weiter. Hierdurch werde die führende Position der deutschen Windindustrie im internationalen Wettbewerb gefährdet, und die Branche werde vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Darüber könne auch nicht hinwegtäuschen, dass Deutschland in Europa der größte Markt für Windenergie an Land bleibe.

Hier geht es zum Vorbericht:

Zubau der Windenergie an Land bricht nach Rekordausbaujahr 2017 deutlich ein

Titelbildnachweis: Mahey – Fotolia

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