Beim Zubau der Windenergie an Land ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Die von der Deutschen WindGuard erhobenen Zahlen ergeben einen Bruttozubau im ersten Halbjahr 2018 von 1.626 MW bzw. 497 Anlagen an Land, der Nettozubau betrug 1.505 MW. Dies entspricht einem Rückgang des Bruttozubaus um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 2.281 MW. Damit fällt die Bilanz im Gegensatz zur deutschen Offshore-Windenergieleistung um einiges düsterer aus.

Laut dem Bundesverband WindEnergie (BWE) ist der aktuelle Ausbau im Wesentlichen auf die Übergangsregelung des alten EEG zurückzuführen. In den Auftragsbeständen und der nahen Zubauperspektive würden die Auswirkungen des Fehlers sichtbar, nicht genehmigte Projekte in den Ausschreibungen zuzulassen.

 „Natürlich ist ein ambitionierter und dynamischer Heimatmarkt die Voraussetzung für Exporterfolge im wachsenden Weltmarkt. Die Ziele des Koalitionsvertrags und der neue Rahmen aus der EU-Energiepolitik sind richtig, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Was die Industrie nun benötige, sei eine stringente Umsetzung in Ausschreibungsmengen und Ausbauzahlen, so Zelinger.

Status Onshore-Ausbau
Status des Windenergieausbaus an Land (30.06.2018), Quelle: Deutsche WindGuard
Stockende Genehmigungsvergabe in Deutschland bremst Energiewende

Für das Gesamtjahr 2018 rechnet die Branche weiterhin mit einem Zubau von 3.300 – 3.500 MW, während im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2017 rund 4.600 MW zugebaut wurden. Der Markteinbruch war im Ausschreibungssystem angelegt, passt nun aber nicht mehr zu dem im Koalitionsvertrag fixierten 65-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien an der Stromerzeugung bis 2030.

Onshore-Ausbau regional
Windenergiezubau (brutto) im ersten Halbjahr 2018 in den Bundesländern (Status 30.06.2018), Quelle: Deutsche WindGuard

„Die Energiewende scheitert nicht an den Kosten, sondern wird durch fehlende Genehmigungen ausgebremst“, sagt Hermann Albers, Präsident des BWE. Teilweise seien Verfahren nicht mit Nachdruck geführt worden, weil zu lange offenblieb, ob die Genehmigung als Grundlage für die Teilnahme an Ausschreibungen bestehen bleibt. Gleichzeitig zögen sich die Verfahren immer mehr in die Länge. Gut 10 GW Windleistung steckten aktuell mehr oder weniger im Verfahren fest, so Albers.

Heterogene Entwicklungen in Europa

Die von WindEurope ermittelten europäischen Zahlen zeigen, dass Europa hinsichtlich der Installation von Windparks auf Kurs für ein solides Jahr ist. Der Zubau im ersten Halbjahr 2018 beträgt europaweit 3.200 MW, wobei dieser nur von wenigen Märkten getrieben wird, insbesondere Deutschland, Frankreich und Dänemark.

Die soliden Zahlen für die Entwicklung der Windenergie in Europa verschleiern nach Ansicht des BWE jedoch einige beunruhigende Trends. Frankreich etwa habe in diesem Jahr viele neue Onshore-Windkraftanlagen installiert, aber in den letzten acht Monaten aus administrativen Gründen keine neue Genehmigung für Onshore-Windkraftanlagen erteilt. Dies habe auch zu einer Unterzeichnung in der letzten Auktion geführt. In Deutschland sei noch nicht klar, wann die im Koalitionsvertrag für 2019-20 genannten Sonderausschreibungen von 4 GW für Windenergie an Land stattfinden werden.

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