Zahl der Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien 2012 erstmals gesunken

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Die Zahl der Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien ist im vergangenen Jahr erstmals gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich ein Rückgang der Beschäftigung um rund ein Prozent auf 377.800 Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste Abschätzung durch mehrere Institute, die das Bundesumweltministerium (BMU) in Auftrag gegeben hat. Die Dominanz des Stromsektors beim Ausbau der erneuerbaren Energien spiegelt sich auch in den Beschäftigtenzahlen wider. Etwa 73 Prozent der ermittelten Personen entfallen auf diesen Bereich. 21 Prozent sind dem Wärmesektor zuzuordnen und sechs Prozent der Biokraftstofferzeugung. 71 Prozent der Tätigkeiten im Jahr 2012 können auf die Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zurückgeführt werden. Der Titelbericht von EUWID Neue Energien 16/2013 analysiert die aktuelle Beschäftigungsentwicklung in der Erneuerbare-Energien-Branche. Die Publikation ist am 17. April erschienen und umfasst insgesamt 75 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 28 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der aktuellen Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier: https://www.euwid-energie.de/aktuelle-printausgabe/).

Übergreifende Themen

Derzeit befinden sich in Deutschland 76 Kraftwerke mit einer Leistung von mehr als 20 MW zwischen Planung und Probebetrieb. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aus seiner aktuellen Kraftwerksliste zitiert, summiert sich die Gesamtleistung der Anlagen auf 38.000 MW. Allein 50 Projekte seien Erdgaskraftwerke oder Offshore-Windanlagen. Allerdings befänden sich nur 24 der 76 geplanten Kraftwerke konkret in der Umsetzung. Drei Kraftwerke befinden sich bereits im Probebetrieb, 21 Anlagen sind im Bau. Für 22 weitere Projekte wurden die erforderlichen Genehmigungen erteilt. 16 Kraftwerke sind im Genehmigungsverfahren und 13 weitere Projekte sind in der Planung. In Baden-Württemberg sieht man sich auf einem guten Weg, das Ziel von 38 Prozent Anteil Erneuerbarer an der Bruttostromerzeugung im Jahr 2020 zu erreichen. Nach einer vorläufigen Analyse hat das Land im vergangenen Jahr bereits einen Anteil von 23 Prozent erreicht. Den größten Beitrag an der Endenergiebereitstellung leistete die Wasserkraft mit rund 4,7 TWh, den größten Sprung machte die Photovoltaik mit einem Anstieg der Stromerzeugung um 30 Prozent auf 4,3 TWh. Platz drei belegte 2012 die Stromerzeugung aus Biomasse, die um 0,3 TWh auf rund 3,1 TWh angestiegen ist. Dazu trugen Biogas mit rund 1,85 TWh, flüssige biogene Brennstoffe mit rund 0,15 TWh und feste biogene Brennstoffe mit rund 1,1 TWh bei. Mit der Frage der Speicherung der fluktuierenden Strommengen aus Wind und Solarenergie befassen sich die Initiativen „Strategieplattform Power to Gas“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) und die Initiative „performing energy – Bündnis für Windwasserstoff“, die jetzt zusammenarbeiten wollen. Beide Initiative zielen darauf ab, perspektivisch Power-to-Gas großtechnisch nutzbar zu machen. Bereits im zweiten Quartal 2013 will E.ON Hanse in Hamburg-Reitbrook mit dem Bau einer Power-to-Gas-Anlage starten, die Wasserstoff im Großmaßstab ins Erdgasnetz einspeisen soll. Zum Einsatz soll dabei ein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickeltes Verfahren kommen, mit dem Wasserstoff sehr viel flexibler und effizienter als bisher hergestellt werden kann. EUWID Neue Energien 16/2013 umfasst darüber hinaus eine große Zahl von weiteren Nachrichten und Analysen im Bereich der übergreifend relevanten Fragen der Energiewende. Hierzu zählt unter anderem eine Studie, die sich mit unterschätzten Risiken von intelligenten Stromzählern befasst. Auch die aktuellen Entwicklungen bei den Stadtwerken München (SWM) und bei der badenova werden beleuchtet. Der Renixx World, der IWR-Geschäftsklimaindex sowie Preisdaten zu Rohstoffen und Heizöl ergänzen die Berichterstattung.

Bioenergie

An den Beschäftigungszahlen im Bioenergiebereich zeigt sich, wie sich die einzelnen Sektoren im vergangenen Jahr entwickelt haben. Insbesondere bei der Energieerzeugung aus fester Biomasse stieg die Beschäftigung, in der Biogas- und Biokraftstoffbranche blieb die Beschäftigung hingegen relativ konstant. Im Bereich der stationären Nutzung flüssiger Biomasse spiegeln die Beschäftigungszahlen die wirtschaftlichen Probleme der Marktakteure wider. Die 1.500 Beschäftigten dieses Bereiches beziehen sich ausschließlich auf den Betrieb und die Wartung der Bestandsanlagen. Insgesamt hat allerdings auch diese Beschäftigung mit knapp 35 Prozent weiter deutlich abgenommen, da ein wirtschaftlicher Betrieb von Pflanzenöl-BHKW nur noch schwer möglich ist. Insgesamt blieb die Bioenergiebranche mit 128.900 Beschäftigten auch 2012 der größte Arbeitgeber im Bereich der erneuerbaren Energien. Im Biogassektor sank zwar der Anlagenzubau in Deutschland in Folge der EEG-Novelle deutlich, allerdings wirkte sich das kaum auf die Beschäftigtenzahl aus. Ein Grund dafür ist die steigende Internationalisierung der deutschen Biogasunternehmen. Ein Beispiel dafür ist MT-Energie: Das Zevener Biogasunternehmen hat aktuell einen 12-Mio.-€-Auftrag aus Frankreich erhalten. Der bereits unterzeichnete Rahmenvertrag umfasst den Bau von acht Biogasanlagen für Landwirte aus der Champagne, zudem seien langfristige Verträge hinsichtlich Service und Wartung inbegriffen. Auch Archea Bioenergie setzt nicht nur auf den Anlagenbau in Deutschland. Aktuell hat Archea Bioenergie neun Biogasanlagen aus dem insolventen Biogasfonds „BiGaIII“ erworben, die das Unternehmen gemeinsam mit Landwirten weiter betreiben will. Unabhängiger von Einspeisevergütungen für Strom könnte die Biogasbranche auch ein neuer Absatzweg machen, den ein Forschungspapier der eco Naturgas Consulting aufzeigt. Dieser könnte darin bestehen, Biomethan und Kohlendioxid in der organischen Basischemie stofflich zu nutzen. Unternehmensmeldungen über Urbas, Spanner Re2, Ökobit, Metsä und weitere Marktakteure runden die Berichterstattung zum Bioenergiebereich ab. Im Marktbereich der NE-Ausgabe 15/2013 finden sich zudem Angaben zu Getreidepreisen, Verkaufspreisen für Biodiesel und die jüngsten Großhandelspreise für Getreide und Ölsaaten.

Solarenergie

Der US-Konzern First Solar hat in der vergangenen Woche gleich doppelt von sich reden gemacht. Zunächst veröffentlichte der Konzern eine überraschend gute Prognose für 2013, dann meldete First Solar die Übernahme von TetraSun. Wie First Solar berichtet, erreicht die von TetraSun entwickelte hocheffiziente Zellarchitektur Wirkungsgrade von rund 21 Prozent bei Herstellungskosten, die mit denjenigen von konventionellen multikristallinen Silizium-Solarzellen vergleichbar seien. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die Transaktion soll noch im laufenden Quartal über die Bühne gehen. Aufgrund saisonaler Effekte und Förderkürzungen ist die weltweite Photovoltaiknachfrage im ersten Quartal 2013 gegenüber dem letzten Quartal 2012 um 23 Prozent auf 6,2 GW zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommen die Analysten von Solarbuzz. Im weiteren Verlauf des Jahres gehen Marktexperten aber von einem positiven Ausblick aus. Die Marktforscher von IHS iSuppli rechnen für das gesamte Jahr 2013 sogar mit einer weltweiten Nachfrage in Höhe von 35 GW. Eine zentrale Rolle wird in den kommenden Quartalen die Entwicklung in China spielen. Laut Solarbuzz ist damit zu rechnen, dass im laufenden Jahr mehr als ein Fünftel der weltweiten Photovoltaik-Nachfrage auf China entfallen wird. Dabei werde es aber starke Schwankungen geben,
die Solarbuzz auf 0,9 bis 3,6 GW auf Quartalsebene beziffert. Dies werde für die führenden PV-Unternehmen eine weitere Herausforderung darstellen. Derweil haben sich der Insolvenzverwalter des früheren Solarkraftwerk-Herstellers Solar Millennium, Volker Böhm, und der frühere Vorstandschef des Unternehmens, Utz Claassen, überraschend geeinigt und damit eine drohende Prozesslawine gestoppt. Beide Seiten hätten in einem umfassenden Vergleich ihre wechselseitigen Forderungen für erledigt erklärt, teilten Böhm und Claassen übereinstimmend mit. Ein vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth geführtes und zur Zeit ruhendes Verfahren gilt damit als erledigt. Die Berichterstattung im Solarbereich von EUWID Neue Energien 16/2013 widmet sich auch den Darlegungen der Clearingstelle EEG zum Marktintegrationsmodell, der Forschung an n-Typ-Silizium und den Problemen, die Abweichungen zwischen Solarprognosen und tatsächlicher Stromerzeugung bei den Netzbetreibern verursachen. Unternehmensnachrichten beschäftigen sich mit Centrosolar, der M+W Gruppe, Conergy, Refusol, Capital Stage, Wattner und Asola Solarpower. Die aktuelle Preisentwicklung am Markt für Solarmodule und die jüngsten Daten zur Einspeisung von Solarstrom in die Netze der Übertragungsnetzbetreiber ergänzen die Berichterstattung im Solarbereich.

Windenergie

Die Windenergie-Berichterstattung steht in dieser Woche im Zeichen der weltgrößten Industriemesse in Hannover, wo die führenden Unternehmen der Windenergiebranche ihre aktuellen Modelle präsentierten. Der Trend bei den Windradbauern geht in Richtung größerer Rotoren und einer deutlich gesteigerten Effizienz. Neben den großen Herstellern wie Enercon und Vestas standen in Hannover aber auch kleine und spezialisierte Mittelständler im Fokus. Die Windbranche geht trotz des „ergebnislosen Energiegipfels“ im Bundeskanzleramt Ende März von einem Anstieg des Windkraftzubaus im laufenden Jahr aus. Wie der Bundesverband Windenergie (BWE) auf der Hannover Messe bekannt gab, rechnet die Branche für 2013 mit einem Zubau der Onshore-Windenergieanlagen in einer Größenordnung von etwa 2.900 MW. Das entspreche Investitionen von mehr als 3,5 Mrd. €. Rund 250 km nördlich von Hannover, in Kiel, ging in der letzten Woche die 8. Maritime Konferenz mit deutlichen Forderungen der Branche an die Politik zu Ende. Die maritime Wirtschaft brauche dringend verlässliche finanzielle und planerische Rahmenbedingungen, heißt es aus den Reihen der Branchenvertreter. Die Firmenmeldungen dieser Woche umfassen die Inbetriebnahme des Trianel-Windparks Eisleben sowie die Auslieferung der ersten N117-Turbine des Hamburger Windradbauers Nordex nach Irland.


Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:

Ausgabe 15/2013 (10. April): Diskussion um Kosten der Offshore-Windkraft wird immer kontroverser geführt Ausgabe 14/2013 (4. April): Fortschrittsbericht der EU-Kommission zu Erneuerbaren: Es besteht Anlass zur Sorge" Ausgabe 13/2013 (27. März): „Fatales Signal“ und „Gipfel der Planlosigkeit“: Energiewirtschaft kritisiert Bund und Länder Ausgabe 12/2013 (20. März): „Strompreisbremse bewirkt seit einem Monat Investitionsstopp bei allen Erneuerbare-Energien-Projekten“
Ausgabe 11/2013 (13. März): Kosteneffizienter Ausbau Erneuerbarer: Studie spricht sich für mehr Onshore- statt Offshore-Windkraft aus

EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt

Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet. Den EUWID-Wochenbericht zur Energiewende findet ihr auch bei openpr: http://www.openpr.de/news/713230.html.

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