Windenergie onshore: Talsohle durchschritten, die Herausforderungen bleiben aber immens

Deutsche WindGuard beziffert Zubau im Jahr 2020 auf 1.431 Megawatt

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Errichtung Windenergieturm mit Kran
Bildnachweis: Tom - stock.adobe.com

Im Jahr 2020 sind in Deutschland 1.431 MW verteilt auf 420 Onshore-Windenergieanlagen errichtet worden. Dies ergibt sich aus der aktuellen Erhebung der Deutschen WindGuard im Auftrag von BWE und VDMA Power Systems. Zwar habe damit der Zubau im Vergleich zum Jahr 2019 um 46 Prozent zugelegt, „allerdings reicht die Menge weder für die Klimaziele noch für den steigenden Bedarf der Industrie nach klimaneutraler Energie“, heißt es von Seiten der Verbände. Das EEG 2021 sieht bis 2030 ein Ausbauziel der Onshore-Windenergie von 71 GW vor. Mit Bezug auf das erhöhte EU-Treibhausgas-Minderungsziel strebt das Bundesumweltministerium die Erhöhung des Ausbauziels auf 95 GW an. „Umso mehr ist eine zügige Umsetzung von Maßnahmen für mehr Flächen und Genehmigungen notwendig.“

„Wir haben mit dem Marktwachstum im Jahr 2020 zwar den ersten Schritt aus der Talsohle erreicht, dennoch klaffen Anspruch und Wirklichkeit beim Zubau zu weit auseinander“, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Der langfristige Ausblick auf Basis des EEG sei „positiv“, kurzfristig bleibe jedoch eine „schwerwiegende Diskrepanz zwischen Ausschreibungsvolumen und Genehmigungen“. Das müsse sich im laufenden Jahr „unbedingt ändern, denn mit der geplanten Anhebung der EU-Klimaziele muss auch der Ausbau der erneuerbaren Stromversorgung noch weiter steigen“. Die Dekarbonisierung der Industrie und die Sicherung der Versorgung könne nur mit weiterem Zubau gewährleistet werden. „Zum Erreichen der Ziele brauchen wir jährlich Genehmigungen für 5.000 bis 6.000 MW“, so Zelinger weiter.

Hohe Erwartungen an den Kooperationsausschuss aus Bund und Ländern

Dreh- und Angelpunkt für Wettbewerb in den Ausschreibungen sowie für den notwendigen deutlichen Anstieg beim Zubau blieben die Bereitstellung von Flächen und die Genehmigung von Projekten. „Die Erwartungen in den Bund-Länder-Kooperationsausschuss sind groß“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Die Länder müssten „ihrer Verantwortung gerecht werden“. Vor allem im Süden beobachte man mit Sorge den stockenden Ausbau der Windenergie. Daneben sei die vollständige Umsetzung der Aufgabenliste des Bundeswirtschaftsministeriums erforderlich, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Flächen zu öffnen. „Wir müssen künftig den Blick noch deutlicher auf ausreichend Flächen und Genehmigungen für den Nettozubau fokussieren, denn für das Erreichen der Energiewendeziele braucht es den kontinuierlichen Anstieg der installierten Leistung“, sagt Albers.

Für das Jahr 2021 prognostizieren die Verbände auf Basis der bezuschlagten Projekte einen Ausbau von 2.000 bis 2.500 MW – Voraussetzung für die Erreichung des oberen Prognosewertes seien „störungsfreie Abläufe in den Lieferketten und auf den Baustellen“. Insbesondere offene Grenzen seien für die Branche elementar. Mit dem Ausbau müssten auch „Transportgenehmigungen und -infrastrukturen bereitstehen“. 

„EEG-Entschließungsantrag muss zeitnah umgesetzt werden“

Das EEG 2021 bietet aus Sich der Windindustrie „gute Ansatzpunkte“, die stellenweise nachgebessert werden müssten. Es liefere Planungssicherheit für im Schnitt fast 4.000 MW Ausschreibungsvolumen pro Jahr bis 2028. „Wie im Entschließungsantrag der Fraktionen CDU/CSU und SPD gefordert, muss die Anpassung der Ausbauziele schnellstmöglich im Frühjahr 2021 umgesetzt werden“, fordern die Verbände. Das EU-Klimaschutzziel und der erhöhte Strombedarf für elektrische Anwendungen und Power-to-X Anwendungen müssten dabei in den Ausbaupfaden berücksichtigt werden. „Alle Maßnahmen, die zu mehr Projekten führen, müssen Priorität bekommen.“

„Es gilt unbedingt zu vermeiden, dass das Superwahljahr 2021 zu einem kurzfristigen regulatorischen Stillstand führt“, betont Albers. Besondere Aufmerksamkeit gelte es auf das Repowering zu legen. „Es braucht eine durchgehende Repowering-Strategie, die die Bestandsflächen berücksichtigt und für die Zukunft sichert. Deutschland kann der europäische Leitmarkt für die Erneuerung des Anlagenparks werden und hier starke Impulse setzen.“

Während sich der BWE noch vergleichsweise diplomatisch äußert, wird der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Sachen Windenergieausbau deutlich. Die 1.400 MW Zubau des vergangenen Jahres entsprächen einem Einbruch von 75 Prozent innerhalb von drei Jahren. „In diesem Schneckentempo erreichen wir die Klimaziele nicht“, sagt die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae. „Notwendig wäre mindestens die dreifache Zubaumenge pro Jahr.“

BDEW übt massive Kritik an Verunsicherung durch endogene Mengensteuerung

Anstatt Genehmigungsverfahren zu vereinfachen, mehr Flächen für Windräder zur Verfügung zu stellen und in der Bevölkerung für die Windenergie zu werben, lege die Bundesregierung dem Ausbau der Windenergie weitere Steine in den Weg. Andreae verweist auf die „völlig unerwartet“ in das EEG 2021 aufgenommene Regelung der endogenen Mengensteuerung bei den Ausschreibungen. Wenn eine Unterzeichnung droht, soll die ausgeschriebene Menge auf die zu erwartende Gebotsmenge reduziert werden. „Das kann fatale Folgen haben: Indem die Ausschreibungsmenge verknappt werden kann, ist die bezuschlagte Menge nicht mehr vorhersehbar“, sagt Andreae.

Gerade Bieter, die aufgrund spezifischer Standortbedingungen höhere Kosten haben, müssten damit rechnen, keinen Zuschlag und keine Förderung für ihre Projekte zu erhalten. „Aufgrund dieser Unsicherheit wird sich voraussichtlich die ohnehin zu niedrige Anzahl von Geboten künftig weiter reduzieren.“ Der Zubau könnte damit weiter an Fahrt verlieren. Diese Regelung sei auch beihilferechtlich nicht geboten, hält Andreae fest. Die Bundesregierung müsse sich bei der anstehenden Überarbeitung der EU-Beihilferechtsrahmen dringend dafür einsetzen, dass die Erreichung der Klimaziele des European Green Deal und der daraus abgeleiteten nationalen Ziele tatsächlich ermöglicht wird.

Rekordzubau von Windenergie an Land weltweit trotz Pandemie

International stehen die Zeichen für den Ausbau der Onshore-Windenergie durchaus günstig. Für das Jahr 2020 geht der Global Wind Energy Council nach ersten Berechnungen trotz Pandemie von einem Anstieg der weltweiten Installationen um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Mit rund 82 GW neuer Windenergiekapazität stellt der Zuwachs im Jahr 2020 einen neuen Rekord dar. Dieser wurde ganz wesentlich getrieben von einem Zubau von über 45 GW in China.

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