Energiewende_mit_Windkraft
Symbolbild (Quelle: Wolfilser - stock.adobe.com)

Der Klimawandel könnte in den nördlichen Breitengraden eine ungünstige Entwicklung für den Ertrag von Windenergieanlagen nach sich ziehen. Diese These vertritt eine US-Forschergruppe in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Geoscience.

Die Wissenschaftler stützen sich auf Berechnungen von zehn Klimamodellen. Diese haben sie durchrechnen lassen, wie sich die Windströmungen in den kommenden Jahrzehnten ändern, wenn die mittlere Temperatur der Erde entweder um rund 2,6 oder um rund 4,8 Grad Celsius steigt. Das Ergebnis zeige, so die Forscher, dass bei jedem der beiden Szenarien der zu erwartende Windenergieertrag auf der Nordhalbkugel schon in den kommenden beiden Jahrzehnten sinken wird. Die Entwicklung werde sich danach fortsetzen, so die Forscher. Zwar weisen sie darauf hin, dass ihr Modell nicht ausreiche, um die Leistung einzelner Windparks zu berechnen, regen jedoch trotzdem an, bei Entscheidungen über Windenergie künftig auch mit zu berücksichtigen, wie sich der Klimawandel auf den Ertrag der Windräder langfristig auswirken wird.

Andere Studie zeigen nur geringfügige Änderung der möglichen Windstromproduktion 

Klimaforscher des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) haben dazu Stellung genommen und merken an, dass das Ergebnis der US-Forscher nur teilweise mit anderen Studien übereinstimmt, die zeitlich und räumlich deutlich höher aufgelöste Daten verwenden und sich auf Europa fokussieren. Diese zeigten, dass aufgrund des Klimawandels in Europa mit einem leichten Rückgang oder nur einer geringfügigen Änderung der möglichen Windstromproduktion von ca. +/-5 Prozent bezogen auf den gesamten Kontinent, bzw. +/-15 bis 20 Prozent bezogen auf einzelne europäische Länder zu rechnen sei. Dabei ergeben sich außerdem saisonale und regionale Unterschiede.

Solche Veränderungen wären durch geeignete Gegenmaßnahmen auf der europäischen Skala verkraftbar, schreiben die KIT-Wissenschaftler. Weiter zeigten diese auf Europa bezogenen Studien aber auch, dass der Klimawandel vor allem eine erhöhte Variabilität der möglichen Windstromproduktion auf Zeitskalen von wenigen Stunden bis Tagen verursachen könnte. „Die Unterschiede zu der nun in Nature Geoscience veröffentlichten Studie sind teilweise auf die niedrige räumliche und zeitliche Auflösung der dort genutzten Daten zurückzuführen“, erklären Christian Grams und Professor Joaquim Pinto vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) in ihrer Stellungnahme.

Rückgang der Windstromproduktion auch andere Gründe

In Deutschland sorgt man sich um sogenannten „Dunkelflauten“ – andauernde wind- und sonnenarme Hochdrucklagen im Winter, in denen weder Wind- noch Solarstromproduktion rentabel sind. Die KIT-Wissenschaftler verweisen auf eine weitere Studie die zeige, dass solche mehrtägigen Schwankungen der Windstromproduktion in Europa nicht allein durch das Wetter bedingt seien, sondern vielmehr durch nationale Ausbaustrategien, die eine Konzentration von Windparks im Nordseeraum verursachen und die Variabilität des Wetters zu wenig berücksichtigten.

Mit einer gesamteuropäischen Strategie zum dezentralen Ausbau der Windenergie in den verschiedenen Klimaregionen Europas sowie dem Ausbau der europäischen Verteilnetze könnte man solche mehrtägigen Schwankungen ausgleichen und eine verlässlichere Windstromproduktion in Europa erreichen, meinen die Forscher Grams und Pinto.

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