Wie können Unternehmen Energie einsparen? – Ein Überblick

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Wie groß sind die Potenziale im Bereich der Energieeffizienz?

Die Energieeffizienz wird oft als „schlafender Riese“ bei der Energiewende bezeichnet. Bislang sind die Fortschritte in diesem Bereich dennoch überschaubar. Die größten Energieeinsparpotenziale in Deutschland liegen im Gebäudebestand – und da ist der Nachholbedarf besonders groß. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) wird etwa zur Beheizung von Bestandsgebäuden dreimal so viel Energie benötigt wie bei Neubauten. In Privathaushalten schlummern im Wärmebereich ohnehin die größten Einsparpotenziale, da etwa 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser verbraucht wird. In der Industrie sowie in den Segmenten Handel und Gewerbe gibt es ebenfalls erhebliche Einsparpotenziale, hier spielt neben dem Wärmebereich aber auch der Stromverbrauch eine wichtige Rolle.

Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) verbrauchen die Sektoren Gewerbe, Handel und Dienstleistungen zusammen rund 70 Prozent des gesamten Stroms in Deutschland, 45 Prozent des Gesamtverbrauchs entfallen allein auf den Sektor Industrie. Elektrische Antriebe in Industrie und Gewerbe sind dabei der Schlüssel: Auf sie entfallen fast 40 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland und 80 Prozent des Stromverbrauchs in diesen Sektoren. Aber auch die Wärmeversorgungssysteme in Industrie und produzierendem Gewerbe bieten Ansatzpunkte für eine Steigerung der Energieeffizienz.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind die Einsparpotenziale immens. Nach früheren Studien könnten bis 2020 allein in den Sektoren Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen rund 44 Terawattstunden (TWh) Strom eingespart werden. Größte Einsparpotenziale liegen dabei im Einsatz energieeffizienter Pumpen (5 TWh), effizienter Beleuchtung (9 TWh) und effizienter Lüftungs- (7 TWh) und Druckluftsysteme (5 TWh)

Lohnen sich Investitionen in Energieeffizienz auch betriebswirtschaftlich?

Es existieren auch auf der einzelwirtschaftlichen Ebene erhebliche Einsparpotenziale. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat typische Einsparpotenziale bei industriell genutzten Querschnittstechnologien berechnet. Demnach sind im Bereich der Beleuchtung Einsparung von bis zu 70 Prozent erreichbar, beim Drucklufteinsatz sind es immerhin noch 50 Prozent.

Aber auch in den Bereichen Pumpensysteme, Kälte- und Kühlanlagen sowie Wärmeversorgung und Lüftungsanlagen sind Kostensenkungen um ein Viertel oder mehr realistisch. Große Einsparpotenziale finden sich auch im aktiven und passiven Wärmemanagement der Gebäude selbst. Gerade für Unternehmen im Wettbewerb ist die Steigerung der Energieeffizienz kein Selbstzweck: Durch die dauerhafte Senkung der Energiekosten sichern sich die aktiven Unternehmen an dieser Stelle einen Wettbewerbsvorteil.

Welche Hemmnisse beeinträchtigen den Fortschritt im Bereich Energieeffizienz?

Warum die Energieeffizienz dennoch bislang noch nicht den Stellenwert besitzt, der ihr aus Gründen des Klimaschutzes zukommen müsste, hat eine Reihe von Gründen. Zunächst hat die Politik den Fokus in Sachen Energiewende lange Zeit sehr stark auf den Ausbau der erneuerbaren Energien gelegt. Hier scheint inzwischen allerdings ein Umdenken stattgefunden, wie das „Grünbuch Energieeffizienz“ des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) oder die medienwirksame Initiative „Deutschland macht’s effizient“ nahelegt.

Es gibt aber noch sehr viel zu tun, auch ein Grund, warum die Unternehmen selbst Druck machen. “Energieeffizienz ist der ökonomische, ökologische und soziale Imperativ des 21. Jahrhunderts”, heißt es bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). Es gibt aber auch heute noch eine Reihe von Hemmnissen, die Unternehmen zögern lassen, in die Energieeffizienz zu investieren. Im Wesentlichen sind dies Informationsdefizite und die Sorge, dass sich die Investitionen nicht bzw. nicht schnell genug amortisieren. Industrie- und Gewerbeunternehmen verwendeten die verfügbaren Investitionsmittel vorrangig für das Kerngeschäft und stellten hohe Anforderungen an die Amortisationszeit von Energieeffizienzmaßnahmen, beschreibt das Umweltbundesamt das Dilemma.

Vielfach würden Soll-Amortisationszeit von weniger als eineinhalb Jahren erwartet. Gerade die Amortisationsfragen hängen auch mit der Preisentwicklung an den Energiemärkten zusammen. Ist Strom teuer, dann lohnt es sich umso mehr, die Stromkosten systematisch zu senken. Im Wärmebereich üben niedrige Preise für fossile Energieträger in der Tendenz einen Bremseffekt auf Investitionen in die Energieeffizienz aus.

Wie kann ich im Unternehmen schnell Energie einsparen (gering-investive Sofortmaßnahmen)?

Kleinere Maßnahmen im Bereich der Energieeffizienz können sich bereits bei kleinen und mittelgroßen Betrieben schnell zu einer nicht unbeträchtlichen Einsparung aufsummieren. Schon in Büroräumen gibt es eine Reihe von Ansatzpunkten. Eine Übersicht über gering-investive Maßnahmen bietet die dena. Bereits durch Verhaltensänderungen beim Heizen und Lüften lassen sich Kosten reduzieren. Auch die optimierte Regelung der Heiz- und Kühlsysteme kann dazu beitragen, kurzfristig Kosten senken. Der hydraulische Abgleich gilt als wichtiges Instrument zur Optimierung der Energieeffizienz in Heizsystemen.

Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online hat eine umfassende Übersicht zum hydraulischen Abgleich erstellt. Um die Energieeffizienz systematisch zu erschließen, bietet es sich an, zunächst einen Energieberater einzubinden, der mögliche Maßnahmen nach ihren Investitionskosten und dem möglichen Ertrag ordnet. Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) können eine staatlich geförderte Energieberatung in Anspruch nehmen. Die Zuschüsse betragen bis zu 1.200 € und maximal 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten. Das BMWi, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die KfW Bankengruppe (KfW) führen eine bundeseinheitliche Liste von Energieberatern für Sanierungen und Neubauten.

Gerade größere Unternehmen profitieren sehr schnell von der Einführung eines Energiemanagementsystems. Nach Angaben der dena lassen sich allein aus den daraus abgeleiteten nicht-investiven Maßnahmen in der Regel Einsparungen beim Energieverbrauch von bis zu zehn Prozent erzielen. Seit 2012 greift die DIN EN ISO 50001, deren Umsetzung es Unternehmen ermöglicht, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Ein Leitfaden des Umweltbundesamtes und des Bundesumweltministeriums gibt einen Überblick.

Für große Unternehmen schreibt das Energiedienstleistungsgesetz ein Energieaudit vor. Der Gesetzgeber geht von rund 50.000 betroffenen Unternehmen in Deutschland aus. Mit dem Energieauditbericht kann das Unternehmen seinen Energieverbrauch erfassen und entsprechende Einsparmaßnahmen angehen. Langfristig kann es so die Energiesparmaßahmen verstätigen. Allerdings prüft das BAFA lediglich stichprobenartig das Vorliegen eines Energieaudit-Berichts. Inwiefern die Maßnahmen dann auch ergriffen werden, bleibt den Unternehmen überlassen.

„Das Energieaudit ist im Grunde nur die Minimallösung – aufwendiger, aber auch besser sind die genannten Managementsysteme“, bewertet co2online den Nutzen der Audits. Ein Einstieg in die Erhöhung der Energieeffizienz kann auch die Eröffnung eines „Energiespar-Kontos“ sein. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Angebot von Senercon und co2online, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Die Unternehmen können ihren Verbrauch im Energiesparkonto dokumentieren und anhand von individuellen Kennziffern ermitteln, wie gut man in Sachen Energieeffizienz bereits da steht.

Welche umfassenderen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz können ergriffen werden?

Keine Investition in Energieeffizienz ist „kostenlos“, auch nicht die Schulung von Mitarbeitern. Wenn die „niedrig hängenden Früchte“ geerntet sind, müssen allerdings größere Investitionen umgesetzt werden, um weitere Fortschritte zu erreichen. Unternehmen können an den verschiedensten Stellen ansetzen. Ein systematischer Blick auf die genutzten Gebäude ist dabei ein wichtiger Schritt. Allein in diesem Bereich sieht die dena Einsparpotenziale von bis zu 60 Prozent, wenn eine integrierte Herangehensweise gewählt wird, die mögliche Synergien voll ausschöpft. Mögliche Maßnahmen umfassen die Wärmeversorgung, die Außenwand, Fenster und Verglasungen sowie Rolltore (vgl. Graphik).

In Industrie und Gewerbe gibt es darüber hinaus ein umfangreiches Innenleben, das über die Wärmeerzeugung hinausgeht. Eine Reihe von Querschnittstechnologien bietet Ansatzpunkte für Effizienzsteigerungen. Zu ihnen gehören Pumpen, Lüftungstechnik, Druckluft und Beleuchtung.

PUMPEN

Umfassende Informationen zur energetischen Optimierung von Pumpensystemen hat die Initiative Energieeffizienz der dena aufbereitet. Zu den Optimierungsmaßnahmen zählen das Anpassen der Förderhöhe und -menge sowie der Pumpenleistung an den tatsächlichen Bedarf. Das impliziert den Austausch von überdimensionierten Pumpen und das Entfernen von Pumpen-Bypässen. Gerade durch den Einsatz von hocheffizienten Pumpenantrieben lassen sich Kosten drücken.

LÜFTUNGSTECHNIK

Umfangreiche Informationen zu energieeffizienter Lüftungstechnik bietet die Energieagentur.NRW. Wie bei den Pumpensystemen geht es auch bei der Lüftung darum, den tatsächlichen Bedarf abzubilden. Der Volumenstrom kann durch motorische Volumenstromregler und drehzahlgeregelte Ventilatoren entsprechend angepasst werden. In beiden Fällen sollten Geräte mit einem hohen Wirkungsgrad zum Einsatz kommen. Der Einsatz von Technologien zur Wärmerückgewinnung kann die Effizienz der Lüftungstechnik deutlich steigern.

DRUCKLUFT

Eine Initiative des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) informiert über typische Probleme bei der Energieeffizienz von Druckluftanlagen. Häufige Quellen für Ineffizienzen in Druckluftnetzen sind demnach der Verzicht auf eine Nutzung der Abwärme, Leckagen, fehlende Kompressorsteuerung, minderwertige Technik sowie ungenutzte Substitutionspotenziale (z.B. durch eine Umstellung auf Elektroantriebe). Wie bei Pumpen und Lüftungsanlagen gilt es auch im Druckluftbereich, den Systemdruck an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

BELEUCHTUNG

Bei der Beleuchtung bringt schon der Schritt von den vom Markt verschwindenden Glühlampen zu LED-Lampen erhebliche Einsparungen. Eine LED, die eine 60 Watt Glühlampe ersetzt, spart rund 15 € Stromkosten im Jahr, rechnet co2online vor. Beispiele zeigen, dass Gewerbebetriebe mit 2.000 m² Verkaufsfläche und Büros auf Amortisationszeiten von teilweise nur wenig mehr als einem Jahr kommen.

Gerade bei umfassenden Investitionen kann es vorteilhaft sein, einen professionellen Energiedienstleister zu beauftragen. Mit Contracting-Modellen können die Investitionen aus den erzielten Einsparungen finanziert werden. Umfassende Informationen zu den verschiedenen Contracting-Modellen sowie Praxishilfen und Best-Practise-Beispiele können über die Homepage des Verbands für Wärmelieferung abgerufen werden.

Wo finde ich Informationen zu Fördermitteln für Energieeffizienz-Maßnahmen?

Viele Unternehmen gerade im Mittelstand sehen Energieeffizienzmaßnahmen noch nicht als klassische Investition ein und finanzieren die Projekte kurzfristig und oft aus eigenen Mitteln. Es gibt aber eine Vielzahl von Fördermitteln auf Bundes- und Landesebene, die genutzt werden können, um die Bindung von Eigenkapital zu verringern und die Amortisationszeiten der Investition zu verkürzen. Zudem unterstützen auch viele Versorger Investitionen in die Energieeffizienz. Sich durch die Vielzahl von Förderangeboten zu arbeiten, kostet viel Zeit. Eine Hilfestellung bieten Förderdatenbanken:

  • Das Bundeswirtschaftsministerium bietet eine Förderdatenbank, in der Förderprogramme und Finanzhilfen von Bund, Ländern und auf EU-Ebene abgerufen werden können. Der Förderbereich „Energieeffizienz & Erneuerbare Energien“ kann hier ausgewählt werden.
  • In Zusammenarbeit mit der dena bietet der BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe den kostenlosen Service energiefoerderung.info, der für Postleitzahlengebiete passende Förderprogramme ausweist. Auch über die Initiative Energieeffizienz kann ein gekürzter Auszug der umfassenderen Datenbank Förderkompass Energie des BINE-Informationsdienstes abgerufen werden.
  • Der kostenpflichtigen Förderkompass Energie des BINE-Informationsdienstes stellt neben aktuellen Fördermitteln auch Antragsformulare oder Merkblätter bereit und informiert unter anderem auch über die Kumulierbarkeit unterschiedlicher Förderprogramme informiert.
  • Eine umfassende Übersicht über Fördermittel im Bereich der Energieeffizienz bietet auch www.energynet.de. Der Energieblogger Andreas Kühl hat hier mehr als 20 für Unternehmen relevante Programme auf Bundes- und Länderebene zusammengetragen.

Das BMWi hat im Mai 2016 die Initiative “Deutschland macht’s effizient” gestartet. Sie beinhaltet den Start neuer Förderprogramme und bietet umfassende Informationen zu den Beratungs- und Förderprogrammen des Bundes und der Länder. Im Bereich der Energieberatung und -förderung für Unternehmen wurde das Programm „STEP up!“ zur Förderung von Stromeinsparungen im Rahmen wettbewerblicher Ausschreibungen gestartet.

Weitere Fördermaßnahmen umfassen die Energieberatung im Mittelstand, die Förderung von Betratungen zum Energieeinspar-Contracting, die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz und die Förderung hocheffizienter Querschnittstechnologien im Mittelstand. Auch die Förderung „Abwärmevermeidung und Abwärmenutzung“ ist im Mai gestartet worden. Die genannten Instrumente werden ebenso wie die Förderung von Energiemanagementsystemen und die Förderung energieeffizienter und klimaschonender Produktionsprozesse hier vorgestellt.

Welche Informationen bietet EUWID Neue Energie zur Energieeffizienz in Unternehmen?

Die Berichterstattung von EUWID Neue Energie stellt fortlaufend Beispiele für erfolgreiche Energieeffizienz-Maßnahmen vor und berichtet über politische Hintergründe, aber auch über neue Förderinstrumente. Im Folgenden finden sich Verweise auf die frei verfügbare Berichterstattung der vergangenen Wochen und Monate. Das Gros der Informationen zur Energieeffizienz findet sich im geschützten Bereich des Informationsangebots.

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