Wenn die 20-jährige Vergütungsphase nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2021 schrittweise für die Bestandsanlagen endet, beginnt eine neue Zeitrechnung für die Anlagenbetreiber. Es müssen dann grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden, wie mit den betroffenen Anlagen verfahren werden soll. Lohnt sich der Weiterbetrieb? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Und mit welchen Geschäftsmodellen? Oder ist es an der Zeit, die Anlage außer Betrieb zu nehmen?

Im Rahmen der Reihe zu „Post-EEG-Anlagen“ analysiert die EUWID-Redaktion Neue Energie die Optionen und Möglichkeiten für den Weiterbetrieb von EEG-Anlagen in der „Zeit danach“. Dabei handelt es sich um Work in Progress. Im nachstehenden fortlaufend aktualisierten Dossier finden EUWID-Kunden einen strukturierten Überblick über die Ergebnisse der Recherchen zur Post-EEG-Phase.

Letzte Aktualisierung des Dossiers am 11. Oktober 2018: Einarbeitung des BVES-Beitrags zur Rolle von Speichern in der Post-EEG-Phase.

Post-EEG-Phase: Bioenergie und Windenergie zunächst am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen von der Post-EEG-Phase sind zunächst die Anlagenbetreiber in den Technologiebereichen Bioenergie und Windenergie. Bei der Photovoltaik wurden zum Start des EEG zunächst nur vergleichsweise wenige PV-Anlagen errichtet. Der Schwerpunkt des Dossiers liegt aus diesem Grund zunächst bei Bioenergie und Windenergie.

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Gerade für die Bioenergiebranche wird die Post-EEG-Phase zur existenziellen Herausforderung (Bildquelle: EUWID)

Post-EEG-Phase im Bioenergiebereich:

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Steigen die Erlöse an den Strommärkten, wird der Weiterbetrieb für mehr Windenergieanlagen auch in der Post-EEG-Phase attraktiv (Bildquelle: EUWID)

Post-EEG-Phase im Windenergiebereich:

Konzepte für die Post-EEG-Phase:

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„BiberEnergie“: PV-Anlage auf dem Carl-Lämmle Gymnasium in Laupheim als Teil eines regionalen Strom-Vermarktungsmodells (Bildquelle: BEG Laupheim)

Unabhängig von der jeweiligen Technologie stellt sich die Frage nach alternativen Geschäftsmodellen für die Phase nach dem Auslaufen der Vergütungsphase. Fallen Anlagen aus der Förderung, dann bietet das auch neue Chancen – etwa wenn es möglich wird, die regionale kundennahe Eigenschaft von regenerativem Strom auszuspielen. Beispiele für Regionalstrommodelle gibt es immer mehr, teils mit, teils ohne Einbindung der Blockchain-Technologie. Ein paar Beispiele:

In entsprechenden regionalen Marktplätzen können Kunden sich ihren Strom aus ganz konkreten, ihnen möglicherweise persönlich bekannten Stromerzeugern zusammenstellen.

Cloud- und Community-Lösungen spielen gerade für Photovoltaikanlagenbetreiber eine wichtige Rolle, wenn eines Tages die EEG-Vergütung ausläuft. Das Thema ist auch Gegenstand des EUWID-Reports „Energiespeicher im Aufwind“.

Gerade für Solarstromanlagen bietet sich auch die Möglichkeit, von den wachsenden Angeboten im Bereich von Cloud- und Community-Modellen zu profitieren. In der Community ist es möglich, Strommengen zu tauschen und auf diesem Weg Stromüberschüsse bzw. -defizite zu kompensieren. Solche Ansätze können dazu beitragen, den Eigenverbrauch von Solarstrom zu steigern. Und das ist letztlich nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung der ganz entscheidende Hebel für PV-Anlagenbetreiber. Lesen Sie zum Thema Community-Lösungen:

Ein Energiespeicher kann auch unabhängig von einer Cloud-Lösungen dazu beitragen, den Eigenverbrauch deutlich zu erhöhen. Experten erwarten daher gerade im Bereich der Photovoltaik einen Nachfrageschub nach Heimspeichern, wenn mehr und mehr Solarstromanlagen ihren Förderanspruch verlieren. 

Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) kommt in einem Beitrag für EUWID Neue Energie zum Ergebnis, dass die Post-EEG-Phase das Wachstum insbesondere bei Heimspeichern, aber auch im gewerblichen Bereich nachhaltig stärken wird. Die Eigenverbrauchsoptimierung ist dabei ein wichtiger Hebel, unter geeigneten Rahmenbedingungen können Energiespeicher aber ihre Stärken durch Nutzung gemischter Betriebsmodelle auch zum Nutzen des Gesamtsystems ausspielen. Voraussetzung ist aber die Beseitigung einer Reihe regulatorischer Hemmnisse. Für die Energiebranche können hier interessante neue Geschäftsmodelle entstehen.

Präsentieren stolz den unterschriebenen Liefervertrag: Reinhard Christiansen vom Bürgerwindpark Ellhöft (links) und Nils Müller, Vorstand Greenpeace Energy.
Präsentieren den unterschriebenen PPA-Liefervertrag: Reinhard Christiansen vom Bürgerwindpark Ellhöft (links) und Nils Müller, Vorstand Greenpeace Energy. (Bildquelle: Levke Jannichsen)

Eine weitere Option für Anlagenbetreiber in der Post-EEG-Phase könnten langfristige Stromlieferverträge – englisch Power Purchase Agreements (PPA) – darstellen. PPAs gibt es in Deutschland bislang nur in ganz seltenen Fällen – anders als etwa in Skandinavien, wo es bereits breitere Erfahrungen mit PPA gibt. Auch in Großbritannien oder den USA ist das Modell schon lange etabliert.

Aber auch in Deutschland tut sich in Sachen PPA gerade einiges. So berichtete die Energiegenossenschaft Greenpeace Energy im September 2018 vom deutschlandweit ersten Vertrag zur direkten Belieferung mit Strom aus Windkraftanlagen, die aus der EEG-Förderung fallen. Auch Statkraft meldet ein PPA-Projekt in Deutschland.

Mitte September 2018 meldete der Windkonzern Enercon den Abschluss eines PPA mit dem VDKL-Strompool, der größten verbandsgetragenen Energieeinkaufsgemeinschaft Deutschlands mit einem Strombedarf von über 1,2 TWh an bundesweit über 200 Standorten. Enercon sieht das VDKL-Projekt als Einstieg in ein neues Geschäftsfeld, in dem „erhebliches Marktpotenzial“ steckt.

Lesen Sie zum Thema PPA:

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