Wenn die 20-jährige Vergütungsphase nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2021 schrittweise für die Bestandsanlagen endet, beginnt eine neue Zeitrechnung für die Anlagenbetreiber. Es müssen dann grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden, wie mit den betroffenen Anlagen verfahren werden soll. Lohnt sich der Weiterbetrieb? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Und mit welchen Geschäftsmodellen? Oder ist es an der Zeit, die Anlage außer Betrieb zu nehmen?

Letzte Aktualisierungen des Dossiers:
12. Dezember 2018: Die Unternehmen MVV Energie und Statkraft arbeiten daran, Power Purchase Agreements im Rahmen von Post-EEG-Services als Geschäftsmodell zu etablieren
7. Dezember 2018: Statement des BAV zur Post-EEG-Phase

Im Rahmen der Reihe zu „Post-EEG-Anlagen“ analysiert die EUWID-Redaktion Neue Energie die Optionen und Möglichkeiten für den Weiterbetrieb von EEG-Anlagen in der „Zeit danach“. Dabei handelt es sich um Work in Progress. Im nachstehenden fortlaufend aktualisierten Dossier finden EUWID-Kunden einen strukturierten Überblick über die Ergebnisse der Recherchen zur Post-EEG-Phase. Ein Grußwort zum „Post-EEG-Report“ hat die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter, für EUWID verfasst. Darin spricht sie eine Reihe grundlegender Fragestellungen mit Blick auf die Rahmenbedingungen in der Post-EEG-Phase an.

Post-EEG-Dossier im Einzelverkauf
Die Inhalte dieses Dossier können ohne Abo-Verpflichtung im Einzelverkauf erworben werden. Das entsprechende Paket besteht aus dem digitalen Vollzugriff auf alle Berichte (und spätere Aktualisierungen) im Dossier für einen Zeitraum von einem Jahr und der Printausgabe des EUWID-Reports: „Was mache ich mit meiner EEG-Anlage nach dem Ende der Förderung?“, der Ende November 2018 erschienen ist. Weitere Informationen zum Post-EEG-Paket finden Sie hier.

Am stärksten betroffen von der Post-EEG-Phase sind zunächst die Anlagenbetreiber in den Technologiebereichen Bioenergie und Windenergie. Bei der Photovoltaik wurden zum Start des EEG zunächst nur vergleichsweise wenige PV-Anlagen errichtet. Dennoch befassen sich immer mehr Akteure am Markt auch mit den Post-EEG-Perspektiven für Photovoltaik-Anlagenbetreiber.

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Gerade für die Bioenergiebranche wird die Post-EEG-Phase zur existenziellen Herausforderung (Bildquelle: EUWID)

Post-EEG-Phase im Bioenergiebereich:

Die Bioenergiebranche bietet für die Stromerzeugung unterschiedliche Technologien – entsprechend vielschichtig und komplex sind die Herausforderungen für die Post-EEG-Phase. Lesen Sie im Dossier:

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Steigen die Erlöse an den Strommärkten, wird der Weiterbetrieb für mehr Windenergieanlagen auch in der Post-EEG-Phase attraktiv (Bildquelle: EUWID)

Post-EEG-Phase im Windenergiebereich:

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Auch für Betreiber von PV-Anlagen stellen sich Fragen nach Post-EEG-Konzepten (Bildquelle: EUWID)

Post-EEG-Phase im Photovoltaikbereich:

Die Post-EEG-Phase im Bereich der Solarstromerzeugung wird – verglichen mit dem Wind- und Bioenergiebereich – zunächst nur einen kleinen Anlagenbestand betreffen. Bis Ende des Jahres 2003 wurde bei der Photovoltaik erst eine installierte Leistung von 435 MW erreicht. Gemessen an der heutigen PV-Leistung in Deutschland ist das gerade einmal ein Prozent.

Ein Überblick über die Möglichkeiten, die Photovoltaik-Anlagenbetreibern in der Post-EEG-Zeit zur Verfügung stehen, findet sich hier: Post-EEG-Phase für Photovoltaikanlagen: Der richtige Moment, sich vorzubereiten.

Gerade in der Optimierung des Eigenverbrauchs liegt ein wesentlicher Schlüssel für PV-Anlagenbetreiber, die in die Post-EEG-Phase gelangen. Wie ausgeprägt der wirtschaftliche Hebel von Eigenverbrauchslösungen in der Post-EEG-Zeit ist, zeigt eine Studie von PwC. In die Karten spielen könnte PV-Anlagenbetreiber in der Post-EEG-Phase auch die Novelle der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II). Sie spricht sich gegen unverhältnismäßig hohe Belastungen für Eigenstromnutzer aus – eine pauschale (anteilige) Belastung des Eigenverbrauchs für Anlagen zumindest bis 30 kW Leistung mit der EEG-Umlage scheint damit nur schwer vereinbar zu sein.

Für PV-Anlagenbetreiber sind im Rahmen von Eigenverbrauchslösungen Speicher eine zunehmend attraktive Option. Aber auch Community und Cloudlösungen sowie Regionalstrommodelle können eine zukünftige Vermarktungsmöglichkeit sein. Was es damit auf sich hat, lesen Sie im nächsten Abschnitt.

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„BiberEnergie“: PV-Anlage auf dem Carl-Lämmle Gymnasium in Laupheim als Teil eines regionalen Strom-Vermarktungsmodells (Bildquelle: BEG Laupheim)

Regionalstrommodelle:

Unabhängig von der jeweiligen Technologie stellt sich die Frage nach alternativen Geschäftsmodellen für die Phase nach dem Auslaufen der Vergütungsphase. Fallen Anlagen aus der Förderung, dann bietet das auch neue Chancen – etwa wenn es möglich wird, die regionale kundennahe Eigenschaft von regenerativem Strom auszuspielen. Beispiele für Regionalstrommodelle gibt es immer mehr, teils mit, teils ohne Einbindung der Blockchain-Technologie. Nach einer im November 2018 erschienenen Analyse könnte insbesondere der Peer-to-Peer-Handel im Bereich von Post-EEG-Anlagen ein wichtiger Anwendungsfall für die Blockchain in der Energiewirtschaft sein. Beispiele für Regionalstrommodelle mit und ohne Blockchain finden Sie hier:

In entsprechenden regionalen Marktplätzen können Kunden sich ihren Strom aus ganz konkreten, ihnen möglicherweise persönlich bekannten Stromerzeugern zusammenstellen.

Speichern von Erneuerbaren-Strom in der Cloud. Ein möglicher Ansatzpunkt für EEG-Anlagenbetreiber in der Post-EEG-Zeit (Bildquelle: metamorworks – stock.adobe.com)

Cloud- und Community-Ansätze:

Gerade für Solarstromanlagen bietet sich auch die Möglichkeit, von den wachsenden Angeboten im Bereich von Cloud- und Community-Modellen zu profitieren. In der Community ist es möglich, Strommengen zu tauschen und auf diesem Weg Stromüberschüsse bzw. -defizite zu kompensieren. Solche Ansätze können dazu beitragen, den Eigenverbrauch von Solarstrom zu steigern. Und das ist letztlich nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung der ganz entscheidende Hebel für PV-Anlagenbetreiber. Lesen Sie zum Thema Community-Lösungen:

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Heimspeicher können helfen, den Eigenverbrauch von PV-Anlagen in der Post-EEG-Phase deutlich zu erhöhen. (Quelle: bluedesign – stock.adobe.com)

Energiespeicher:

Ein Energiespeicher kann auch unabhängig von einer Cloud-Lösungen dazu beitragen, den Eigenverbrauch deutlich zu erhöhen. Experten erwarten daher gerade im Bereich der Photovoltaik einen Nachfrageschub nach Heimspeichern, wenn mehr und mehr Solarstromanlagen ihren Förderanspruch verlieren.

Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) kommt in einem Beitrag für EUWID Neue Energie zum Ergebnis, dass die Post-EEG-Phase das Wachstum insbesondere bei Heimspeichern, aber auch im gewerblichen Bereich nachhaltig stärken wird. Die Eigenverbrauchsoptimierung ist dabei ein wichtiger Hebel, unter geeigneten Rahmenbedingungen können Energiespeicher aber ihre Stärken durch Nutzung gemischter Betriebsmodelle auch zum Nutzen des Gesamtsystems ausspielen. Voraussetzung ist aber die Beseitigung einer Reihe regulatorischer Hemmnisse. Für die Energiebranche können hier interessante neue Geschäftsmodelle entstehen.

Präsentieren stolz den unterschriebenen Liefervertrag: Reinhard Christiansen vom Bürgerwindpark Ellhöft (links) und Nils Müller, Vorstand Greenpeace Energy.
Präsentieren den unterschriebenen PPA-Liefervertrag: Reinhard Christiansen vom Bürgerwindpark Ellhöft (links) und Nils Müller, Vorstand Greenpeace Energy. (Bildquelle: Levke Jannichsen)

Power Purchase Agreements (PPA):

Eine weitere Option für Anlagenbetreiber in der Post-EEG-Phase könnten langfristige Stromlieferverträge – englisch Power Purchase Agreements (PPA) – darstellen. PPAs gibt es in Deutschland bislang nur in ganz seltenen Fällen – anders als etwa in Skandinavien, wo es bereits breitere Erfahrungen mit PPA gibt. Auch in Großbritannien oder den USA ist das Modell schon lange etabliert.

Aber auch in Deutschland tut sich in Sachen PPA gerade einiges. So berichtete die Energiegenossenschaft Greenpeace Energy im September 2018 vom deutschlandweit ersten Vertrag zur direkten Belieferung mit Strom aus Windkraftanlagen, die aus der EEG-Förderung fallen. Auch Statkraft meldet ein PPA-Projekt in Deutschland, Kunde ist der Automobilkonzern Mercedes Benz – es geht um eine Windenergieleistung von 46 MW aus sechs Windparks.

Mitte September 2018 berichtete der Windkonzern Enercon über den Abschluss eines PPA mit dem VDKL-Strompool, der größten verbandsgetragenen Energieeinkaufsgemeinschaft Deutschlands mit einem Strombedarf von über 1,2 TWh an bundesweit über 200 Standorten. Enercon sieht das VDKL-Projekt als Einstieg in ein neues Geschäftsfeld, in dem „erhebliches Marktpotenzial“ steckt.

Im EUWID-Interview machen vier Experten der Kanzlei Ashurst und des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research deutlich, dass PPA schon heute ein Business Case für Erneuerbaren-Projekte sein können. Und sie erläutern im Detail, auf was die beteiligten Parteien zu achten haben, wenn sie PPA-Projekte umsetzen wollen. Das vollständige Interview finden Sie hier.

Lesen Sie zum Thema PPA:

(Beitragsbild: Alexander Limbach – stock.adobe.com)

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