“Wären alle EEG-Anlagen zu heutigen Kosten finanziert, wäre EEG-Umlage nur halb so hoch”

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Skaleneffekte beim Bau größerer deutscher Windparks haben beim Projektentwickler ABO Wind im vergangen Jahr unter anderem zum Erfolg beigetragen.
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Das Öko-Institut hat sich in einer Kurzanalyse mit den Kosten neuer Stromerzeugungsanlagen befasst und dabei deutlich gemacht, dass die erneuerbaren Energien Wind und Solar in einer Gesamtkostenbetrachtung inzwischen an den fossilen Alternativen vorbeigezogen sind.

Neue Windkraftanlagen an Land und auf See sowie größere Solaranlagen in Deutschland und Nordeuropa haben mit 50 bis 70 €/MWh in jedem Fall geringere oder kommen auf maximal gleiche Gesamtkosten wie jegliche fossile Kraftwerke, deren Gesamtkosten das Institut bei aktuellen CO2-Preisen auf 70 bis 100 €/MWh schätzt – bei höheren CO2-Preisen entsprechend mehr).

Öko-Institut-Chef Felix Matthes verschweigt in dem Papier nicht, dass es systemische Unterschiede zwischen unterschiedlichen Erzeugungsformen gibt. Und dass es natürlich einen Unterschied macht, ob ein Kraftwerk 7.000 oder nur 2.000 Stunden im Jahr seine Leistung abruft (und gerade für fossile Kraftwerke hängt die Wirtschaftlichkeit von einem hohen Jahresnutzungsgrad ab).

Fossile Kraftwerke halten nur bei niedrigen Brennstoff- und CO2-Preisen mit

Aber: Selbst, wenn die erforderlichen „System-Kosten“ für ein weitgehend auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem berücksichtigt werden, schneidet das regenerative Modell besser ab. „Auch wenn andere Kosten eines voll auf erneuerbaren Energien beruhenden Stromsystems (Stromnetze, Speicher, Nachfrageflexibilität) berücksichtigt werden, ergeben sich im Systemkostenvergleich auf der Basis des heutigen Daten- und Wissensstandes Vorteile für ein regeneratives Stromsystem, wenn von einer moderaten Steigerung fossiler Brennstoffpreise und/oder einer CO2-Bepreisung auf mittleren Niveaus (bzw. einer auch langfristig effektiven Klimaschutzpolitik) ausgegangen wird.“

Das Öko-Institut macht deutlich, dass die Kostenperspektive für eine regenerative Energiewende nicht wirklich viel zu tun hat mit der Höhe der EEG-Umlage. Unter anderem deshalb, weil die EEG-Umlage in ihrer Höhe in starkem Maße durch historische Kosten und Förderbedingungen geprägt ist. „Würden alle über das EEG finanzierten Erneuerbare-Energie-Anlagen mit den heutigen Neuanlagenkosten finanziert, wäre läge die EEG-Umlage bei nur etwa der Hälfte des aktuellen Wertes von 6,88 ct/kWh“, schreibt das Öko-Institut.

Die verbleibende Hälfte entspreche einer „Vorleistungsinvestition“, die den weiteren Ausbau der Erneuerbaren mit erheblichen Kostenvorteilen möglich macht, „in Deutschland, aber auch und besonders weltweit“. Allein für die Bioenergie, auf die rund ein Viertel der Vorleistungsinvestitionen entfalle, hätten keine „signifikanten Kostensenkungen“ erreicht werden können.

Finanzierungslücke für neue Erneuerbare „eher bei 2,5 ct/kWh“

Würden entsprechende Sonderfaktoren, zu denen auch die Begrenzung der EEG-Umlagezahlungen für stromintensive Verbraucher und Eigenverbraucher berücksichtigt, so ergebe sich im für das heutige Strommarktumfeld eine Refinanzierungslücke für neue Erneuerbare-Energien-Anlagen, die „eher bei 2,5 ct/kWh liegt“.

Dieser Wert und die Tatsache, dass für neue konventionelle Kraftwerke in den meisten Fällen eine größere Finanzierungslücke zu schließen wäre, verdeutlichten, dass es sich bei Solar- und Windkraftanlagen inzwischen um nicht nur aus der Perspektive des Klimaschutzes, sondern auch mit Blick auf ihre Gesamtkosten um „hoch attraktive Optionen für das zukünftige Stromsystem“ handele. „Nicht zuletzt gilt dieser Befund nicht nur für Deutschland, sondern auch in den meisten, wenn nicht bereits allen Ländern der Welt.“

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