VWs Truck-Tochter Traton investiert trotz Corona-Krise eine Mrd. € in alternative Antriebe

64
Elektro-Bus
Quelle: Traton SE

Die Traton SE setzt mit ihren Marken MAN, Scania und Volkswagen Caminhões e Ônibus (VWCO) trotz der Corona-Krise weiterhin auf alternative Antriebe. Das Unternehmen, das bis Ende August 2018 als Volkswagen Truck & Bus firmierte, will eigenen Angaben zufolge bis 2025 eine Milliarde Euro in alternative Antriebe investieren. Zwar zwinge der Wirtschaftseinbruch in Folge der Corona-Pandemie auch die Unternehmen zu Fokussierung und Priorisierung, Traton werde aber nicht von seinen Plänen abrücken. „Denn die Corona-Evolution kann und muss zur grünen Revolution werden“, betonte Traton-CEO Andreas Renschler bei einem Impulsvortrag beim „Summer of Purpose“.

Bereits im Oktober 2019 hatte Traton über seine Investitionspläne informiert. „Unser Ziel ist es, führender Hersteller von E-Lkw und E-Bussen zu werden“, sagte Renschler auf dem Innovation Day der Gruppe im schwedischen Södertälje. Darum fließen zunehmend höhere Anteile des Forschungs- und Entwicklungs-Budgets (F&E) in diese Technologie und gemeinsame Plattformen der Marken: „Bis 2025 wollen wir in Summe mehr als eine Milliarde Euro für F&E in Elektromobilität aufwenden“, so Renschler.

Aktuell bremsen zwar noch die mangelnde Ladeinfrastruktur sowie die Anschaffungs- und Betriebskosten für batterieelektrische Fahrzeuge eine stärkere Marktdurchdringung, denn diese Kosten sind für Speditionen entscheidend. „Aber das Interesse unserer Kunden an E-Mobilität wächst bereits deutlich“, so Renschler beim Innovation Day.

Mittelfristig erwartet Traton Kosten-Parität mit fossilen Antrieben

„Mittelfristig erwarten wir, dass batteriebetriebene Lkw im Verteilerverkehr und Stadtbusse über ihren Lebenszyklus hinweg TCO-Parität (Total Cost of Ownership) mit fossilen Antrieben erreichen werden.“ Der Grund: Batteriezellen werden günstiger und über eine noch längere Lebensdauer verfügen. Und weiter: „Wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, könnte in zehn bis 15 Jahren jeder dritte Lkw und Bus unserer Marken mit alternativen Antrieben fahren – die meisten davon voll elektrisch.“ Renschler ergänzte: „Eine der Voraussetzungen ist aber: Es muss die entsprechende Infrastruktur für alternative Kraftstoffe und Elektrizität vorhanden sein!“

Ein großer Vorteil der Traton Group sei, dass die Entwicklungskosten von den drei Marken zusammen geschultert werden können. „Wir entwickeln als Gruppe einen gemeinsamen modularen elektrischen Antriebsstrang, der 2020 in den ersten elektrischen Serien-Stadtbussen von Scania und MAN zum Einsatz kommen wird“, so Christian Levin, Chief Operating Officer sowie Forschungs- und Entwicklungschef der Traton SE. „Er kann je nach Marke und Anwendung individuell angepasst werden. So lässt sich mit einem Minimum an Bauteilen und Kosten ein Maximum an individuellen Lösungen generieren.“ Traton hat zudem erstmals ein markenübergreifendes Entwicklungsbudget für Elektromobilität implementiert und Teams aus der gesamten Gruppe vereint. Sie arbeiten an der nächsten gemeinsamen Generation der E-Antriebe, einer Software für das Batteriemanagement und einer entsprechenden Rahmenkonstruktion. Bereits heute halten die Traton-Marken in Summe mehr als 1.000 Patente für Elektromobilität – das sind rund 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2018.

In Brasilien erhält VWCO Auftrag über 1.600 Elektro-Lkw

Im vergangenen Jahr hat VWCO  eine Bestellung über 1.600 Elektro-Lkw von dem brasilianischen Bier- und Getränkehersteller Ambev erhalten, die ab 2020 ausgeliefert werden sollen. Um E-Mobilität noch schneller in den brasilianischen Markt einzuführen, hat VWCO zudem heute die Gründung eines Konsortiums mit weiteren Partnern an seinem brasilianischen Produktions- und Forschungsstandort bekanntgegeben: Erstmals baut ein Fahrzeughersteller eine komplettes Netzwerk für E-Lkw auf, das alles einbezieht – von der Fertigung über die Ladeinfrastruktur bis hin zum Lebenszyklus der Batterien. Dabei werden die Kompetenzen der vollintegrierten Lieferkette des Unternehmens genutzt.

Scania testet Brennstoffzellen-Lkw

Ende 2019 soll ein Scania-Bus für Nobina Fahrgäste im Großraum Stockholm elektrisch und autonom befördern. Zusammen mit Norwegens größtem Lebensmittelhändler Asko testet Scania Brennstoffzellen-Lkw mit elektrischem Antriebsstrang, wobei der Wasserstoff der Brennstoffzelle aus erneuerbaren Energien stammt. Asko plant zudem, einen elektrischen Fernverkehr-Lkw von Scania zu testen.

E-Lkw von MAN mit 26 Tonnen Gesamtgewicht laufen bereits im Test bei österreichischen Kunden – in diesem Jahr soll die Produktion weiterer eTGM für die Ausweitung von Kundentests starten. Der neue elektrische MAN-Transporter eTGE eilt seit seiner Serieneinführung von Auftrag zu Auftrag: Allein in den letzten zwölf Monaten wurden mehr als 150 Fahrzeuge verkauft.

MAN, Scania und VWCO haben lange Tradition bei alternativen Antrieben

Bei alternativen Antrieben haben die drei Marken eine lange Tradition – so bietet etwa MAN gasangetriebene Stadtbusse an. Scania hat ein breites Angebot für alternative Treibstoffe – von Bioethanol-Lkw und -Bussen bis hin zu mit Biogas angetriebenen Fahrzeugen. Traton rechnet allerdings damit, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen kurz- und mittelfristig weiter steigen wird, da elektrisch angetriebene Fahrzeuge zunehmend günstiger in Anschaffung und Unterhalt würden und so ihre Vorteile bei den Energiekosten voll ausspielen könnten.

„Wir haben die Produkte für heute und für morgen, und wir stehen in den Startlöchern”, bekräftigte Renschler beim Innovation Day. An die Politik appellierte er, jetzt in den jeweiligen europäischen Ländern „Förderprogramme zur Anschaffung elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge sowie einen europäischen Masterplan für Ladeinfrastrukturen“ ins Leben zu rufen, der Kunden den Umstieg auf Elektromobilität erleichtern kann. 

Lesen Sie dazu auch:

E-Highway ELISA nimmt Vollbetrieb auf

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein