Differenzverträge (Contracts for Differences) sind die beste Option für die Vergütung von erneuerbaren Energien. Ein Festhalten an der gleitenden Marktprämie würde zu steigenden Kosten führen. Bei Differenzverträgen hingegen profitieren Stromverbraucher voll von sinkenden Technologiekosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), in der Energieökonomen vier verschiedene Vergütungsmodelle für erneuerbare Energien miteinander verglichen haben.

Das DIW hat in seiner Studie anhand einer Simulation die Implikationen verschiedener Vergütungsoptionen untersucht. Demnach können mit der Einführung von Differenzverträgen bis zum Jahr 2030 etwa 800 Mio. € pro Jahr eingespart werden. Eine fixe Marktprämie würde hingegen die Kosten für Stromkunden um jährlich 2,7 Mrd. € steigern. Ohne Vergütungsinstrumente würden die Kosten für erneuerbare Energien um rund 3,4 Mrd. € pro Jahr zulegen.

Doch was genau ist ein Differenzvertrag? Das DIW definiert den Differenzvertrag als einen langfristigen Stromabnahmevertrag zu einem in einer wettwerblichen Ausschreibung ermittelten Wert. Er wird zwischen einem Wind- oder Solarprojektentwickler und einem dafür autorisierten Akteur (zum Beispiel einem Netzbetreiber) abgeschlossen. Liegt der künftige Marktwert des Stroms im Durchschnitt niedriger als der abgesicherte Wert, dann bekommt der Anlagebetreiber die Differenz ausgezahlt. Liegt der Strompreis aber höher, zahlt der Anlagenbetreiber die Differenz zurück. Die entstandenen Kosten oder Erlöse werden an alle Stromkunden weitergegeben.

Trotz sinkender Technologiekosten sind Vergütungsinstrumente für Erneuerbare in Zukunft sinnvoll

Laut DIW wird es in Zukunft immer weniger darum gehen, den produzierten Strom wie in den Anfängen finanziell zu bezuschussen – denn die Technologiekosten vor allem von Wind- und Solarenergie sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Vielmehr ermögliche ein Vergütungsinstrument die Absicherung des Erlösrisikos – also des Risikos, dass die Betreiber von Wind- oder Solaranlagen ihren Strom nicht zu einem ordentlichen Preis verkaufen können. Wird dieses Risiko als hoch eingestuft, verteuern sich die Finanzierungskosten von Investitionen. Ist dieses Risiko hingegen abgesichert, können die Finanzierungskosten dagegen gering gehalten werden können. So können Investitionen angeregt werden, die für das Erreichen der Klimaziele notwendig sind, und gleichzeitig die Kosten der Energiewende gesenkt werden.

Differenzverträge unter verschiedenen Politikoptionen überlegene Alternative

Im Gegensatz zum aktuell bestehenden Rahmen stelle der Differenzvertrag also nicht nur eine Absicherung für Projektentwickler und Anlagenbetreiber gegen niedrige Marktwerte ihrer Stromproduktion dar, sondern trage auch zur Absicherung für Stromverbraucher gegen hohe Strompreise bei, so das DIW.

„Unter den verschiedenen Politikoptionen sind Differenzverträge die überlegene Alternative, weil bei den anderen Instrumenten – der bestehenden gleitende Marktprämie, einer fixen Marktprämie oder sogar einer Abschaffung jeglicher Vergütung – die Kosten allesamt höher liegen“, fasst Karsten Neuhoff, Energieökonom am DIW Berlin, die Ergebnisse zusammen. Nur bei Differenzverträgen profitierten Stromverbraucher voll von den fallenden Technologiekosten der erneuerbaren Energien.  

Kostengünstige Stromversorgung durch Differenzverträge
Quelle: DIW Berlin

Entscheidend bei der Umsetzung ist laut DIW allerdings, dass Projektentwickler, die ein Projekt mit einem Differenzertrag absichern, verpflichtet sind, für die Laufzeit des Vertrages Endkunden gegen Preisanstiege abzusichern – also nicht frühzeitig aus dem Vertrag aussteigen können.

Differenzverträge unterstützen Akteursvielfalt und hohe Realisierungsraten

Zudem begünstigen Differenzverträge nach Ansicht der forschenden DIW-Ökonomen die Akteursvielfalt im Bereich der erneuerbaren Energien. So würden bei fallenden Technologiekosten unabhängige Projektentwickler zunehmend aus dem Markt gedrängt, weil die Unsicherheit über künftige Erlöse nur mit größeren Anteilen an Eigenkapital abgedeckt werden könne. Wird diese Unsicherheit beseitigt, werden die Anforderungen in Bezug auf den Eigenkapital gesenkt und es können mehr kleinere Akteure an den Ausschreibungen für Wind- und Solarprojekte teilnehmen. „Das kann die lokale Akzeptanz stärken und zu mehr Wettbewerb führen und unterstützt das Erreichen der Ausbauziele für erneuerbare Energien“, so Nils May vom DIW Berlin.

Den Übergang zu Differenzverträgen halten die DIW-Ökonomen für unproblematisch. Jetzt komme es darauf an, dass die Politik die Weichen stellt für einen Übergang zu diesem für alle kostengünstigeren System. Denn um seine energie- und klimapolitischen Ziele zu erreichen, sei ein weiterer starker Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland erforderlich.

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