Verbio: Biodieselimporte und 38. BImSchV sorgen für erschwerte Marktbedingungen

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Bioethanolanlage Zörbig von Verbio
Quelle: Verbio AG

Der Konzernumsatz des Biokraftstoffherstellers Verbio ist im Geschäftsjahr 2017/2018 (bis 30. Juni 2018) um 5,6 Prozent auf 685,9 Mio. € gesunken. Der Rückgang im Vergleich zum Geschäftsjahr 2016/2017 lässt sich dem Zörbiger Unternehmen zufolge auf die erschwerten Marktbedingungen für Absatz und Margengenerierung zurückführen. Als Gründe nennt die Verbio AG die Aufhebung der Importzölle auf Biodieselimporte aus Argentinien und Indonesien sowie das Inkrafttreten der 38. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV).

Die am 1. Januar 2018 in Kraft getretene 38. BImSchV ermöglicht die Anrechenbarkeit der geringeren Einsparung von Treibhausgasen (THG) von fossilem Erdgas gegenüber dem Referenzwert für Benzin und Diesel auf die Erfüllung der THG-Quote. Infolgedessen habe sich der Preisabstand zwischen Biomethan und fossilem Erdgas nochmals vergrößert und der Anteil an Biomethan am CNG-Kraftstoff ging weiter zurück. Aus diesem Grund hat Verbio eine zunehmende Menge Biomethan in andere Anwendungen außerhalb des Kraftstoffsegments vermarktet.

Trotzdem sei es Verbio gelungen, die Produktionsauslastung auf hohem Niveau zu halten und die Ergebnisprognose mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 44,8 Mio. € und einem Net-Cash in Höhe von 90,1 Mio. € zu erreichen. Die Eigenkapitalquote sei zudem im abgelaufenen Geschäftsjahr um 2,6 Prozent auf 82,0 Prozent gestiegen. Allerdings fiel das Ebitda im Vergleich zum Vorjahr mit 92,4 Mio. € um rund die Hälfte geringer aus. Das operative Ergebnis (Ebit) sank sogar um knapp 70 Prozent von 70,7 Mio. € auf 22,4 Mio. €. Die EBIT-Marge erreichte damit nur noch 3,3 Prozent.

Investitionen in die Sterolproduktion und die Optimierung der Stroh-Biomethan-Technologie

Im Geschäftsjahr 2017/2018 hat die Verbio AG mit 26,4 Mio. € noch einmal deutlich mehr in Wachstumsprojekte investiert als im Vorjahr mit 18,9 Mio. €. Dabei standen der weitere Ausbau der Sterolproduktion und die Optimierung der Stroh-Biomethan-Technologie im Fokus. Aufgrund wachsender Nachfrage wird im aktuellen Geschäftsjahr 2018/2019 die nunmehr dritte Ausbaustufe für die Sterolproduktion realisiert. Dieses Projekt umfasst Baumaßnahmen an den Standorten Bitterfeld und Schwedt. Mit der Inbetriebnahme dieser Kapazitätserweiterung im Sommer 2019 steigt Verbio eigenen Angaben zufolge zu einem der weltweit größten Sterolproduzenten auf.

Neben der Erweiterung der Sterolproduktion konzentriert sich das Bioenergieunternehmen auf den Ausbau und die Optimierung der Biomethan-Technologie. Die neue Bioraffinerie in Pinnow wurde kürzlich fertig gestellt und wird derzeit hochgefahren. Der Fokus auf die Stroh-Biomethan-Technologie dient der Erschließung neuer Märkte in Asien und den USA.

Errichtung weiterer Stroh-Biomethan-Anlagen in den USA und Indien geplant

Im November 2018 hatte Verbio den Kauf der Zellulose-Ethanol-Anlage von DuPont in Nevada/Iowa, USA, verkündet. Das Unternehmen wird bestehende Anlagenteile nutzen und um eine Stroh-Biomethan-Produktion nach dem Vorbild der Anlagen in Deutschland ergänzen. Der Bau der Anlage soll Mitte 2019 beginnen. Die Errichtung weiterer Stroh-Biomethan-Anlagen in den stark landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten Kansas und Michigan befindet sich derzeit in Prüfung.

Indien ist ein weiterer wichtiger Zielmarkt für Verbio. Auch dort soll Mitte 2019 der Bau einer ersten Stroh-Biomethan-Anlage starten – perspektivisch werden weitere folgen. Der indische Markt für CNG und Biomethan als Kraftstoff befindet sich in einem starken Wachstum. Zum einen setzt sich die indische Regierung für den Kraftstoff intensiv ein, weil er einen günstigen Weg bietet, um auf Erneuerbare Energien umzustellen. Darüber hinaus begünstigt der wesentliche Preisvorteil von CNG und Biomethan gegenüber Diesel und Benzin die hohe Akzeptanz bei der indischen Bevölkerung.

Trotz hoher Produktion sinkt Ergebnis in den Segmenten Biodiesel und Bioethanol deutlich

Im Segment Biodiesel sanken die Umsatzerlöse von 471,6 Mio. € im vorigen Geschäftsjahr auf 456,8 Mio. € im Geschäftsjahr 2017/2018. Mit 476.211 Tonnen Biodiesel wurde die Rekordproduktion des Vorjahres mit 473.382 Tonnen erneut übertroffen. Die Anlagenauslastung betrug 101 Prozent. Das Segment Biodiesel trägt mit einem Ebitda von 24,4 Mio. € beziehungsweise einem Ebit von 19,6 Mio. € zum Unternehmensergebnis bei. Damit fiel der Beitrag jedoch deutlich geringer aus als im vorigen Geschäftsjahr mit einem Ebitda von 39,3 Mio. € und einem Ebit von 34,6 Mio. €.

Im Segment Bioethanol/Biomethan sanken die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2017/2018 von 245,2 Mio. € auf 219,1 Mio. €. Mit 246.300 Tonnen Bioethanol konnte an den Produktionsrekord der Vorjahresperiode mit 248.755 Tonnen nicht angeknüpft werden. Am stärksten ist jedoch das Ergebnis gesunken. Das Ebitda verringerte sich von 52,4 Mio. € im Vorjahr auf nur noch 19,9 Mio. €. Das Ebit fiel von 36,0 Mio. € auf nur noch 2,8 Mio. €.

Biomethan-Produktion steigt auf 608 GWh

Die Produktion von Biomethan wurde um 8,8 Prozent auf 608 GWh gesteigert. Die Auslastung der Biomethan-Anlagen lag bei 101 Prozent.

Im Logistikbereich setzt Verbio weiter auf CNG und Biomethan für den Güterfernverkehr. Anfang 2018 wurden fünf Iveco Stralis CNG-LKW in den Fuhrpark aufgenommen. „Die Erfahrungen mit dem Betrieb, der Kostenstruktur, der Technik und der Akzeptanz bei den LKW-Fahrern sind äußerst positiv, so dass im Februar drei weitere CNG-LKW, diesmal von der Marke Scania, angeschafft werden. Außerdem planen wir im aktuellen Geschäftsjahr, aktiv auf Speditionen zuzugehen, um sie für eine Umstellung ihrer Fahrzeugflotten zu gewinnen“, kündigt Bernd Sauter, Vorstand Einkauf und Logistik, an.

Unerwartet hohe Margen sorgen für positiven Ausblick für 2018/2019

Unter Zugrundelegung des aktuellen Absatz- und Rohstoffpreisniveaus sowie der angestrebten Produktionsauslastung geht der Vorstand davon aus, im Geschäftsjahr 2018/2019 ein Ebitda in der Größenordnung von 80 Mio. € zu erzielen sowie das Net-Cash bis zum Ende des Geschäftsjahres auf eine Größenordnung von 90 Mio. € zu steigern. Ausschlaggebend für diese Prognose sind unerwartet hohe Margen im Biodiesel im Zeitraum Oktober bis Dezember 2018 und der aktuell gute Auftragsbestand bis zum Ende des Geschäftsjahres 2018/2019.

Seine Internationalisierungs- und Produktdiversifizierungs-Strategie will Verbio auch in Zukunft zielgerichtet voranzutreiben. Im vergangenen Jahr hat der Konzern in Einklang mit dieser Strategie die Ximo AG übernommen:

Verbio übernimmt Technologieunternehmen XIMO

 

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