Verbände befürchten wettbewerbsverzerrende Vorgaben für Energiespeicher in Deutschland

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Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) und der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) haben einen Antrag der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) kritisiert. In dem Antrag (Aktenzeichen BK6-17-234) fordern die ÜNB eine Verlängerung der Mindestaktivierungszeit für die Präqualifikation von Energiespeichern für die Teilnahme am Primärregelleistungsmarkt von derzeit 15 auf 30 Minuten.

Der BVES unterstützt in einer Stellungnahme die Position der EU-Kommission, dass eine Vorhaltung von 15 Minuten in allen Fällen des aktuellen Regelenergiesystems und für alle Technologien ausreicht und dass ein gemeinsamer europäischer Markt wie der Regelenergiemarkt zwingend einheitliche Zugangsregelungen benötigt. Auch der bne sieht in dem Antrag eine klare Wettbewerbsverzerrung für deutsche Speicherbetreiber und fordert in einer Mitteilung Änderungen.

In Nachbarländern beträgt Mindestaktivierungszeit 15 Minuten

Sollte es keine Änderungen geben, müssten die Anbieter von Primärregelleistung aus Speichern in Deutschland höhere Anforderungen erfüllen als in benachbarten EU-Mitgliedsstaaten, kritisiert der bne. Dort gelte, dass Energiespeicher über eine Mindestaktivierungszeit von 15 Minuten verfügen müssen, die Leistung also innerhalb von 30 Sekunden aktiviert und mindestens über einen Zeitraum von 15 Minuten abgegeben werden kann.

TenneT hatte die Verlängerung im Namen der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) in einem auf den 14. September datierten Schreiben bei der Bundesnetzagentur beantragt. Damit reagieren die ÜNB auf das Inkrafttreten der EU-Guideline for System Operation (GL SO), in der die ÜNB nach eigener Auffassung dazu verpflichtet werden, eigene Vorschläge und Methoden zu entwickeln. Diese müssten dann durch die mitgliedsstaatlichen Behörden genehmigt werden.

Finale Entscheidung nach Kosten-Nutzen-Analyse

Nach Auffassung der ÜNB wurde der notwendige Mindesterbringungszeitraum zur Erbringung von Primärregelleistung aus Anlagen mit begrenztem Speichervermögen noch nicht verbindlich festgelegt. Es werde lediglich im Artikel 156 der GL SO eine Zeitspanne zwischen 15 und 30 Minuten benannt. Eine finale Entscheidung werde im Rahmen einer noch durchzuführenden Kosten-Nutzen-Analyse der Entso-E erfolgen. Für den Übergangszeitraum, ab Inkrafttreten der SOGL bis zum Abschluss der Analyse, haben die ÜNB eigener Auffassung zufolge das Recht, einen Mindesterbringungszeitraum von bis zu 30 Minuten festzulegen.

Wenn die BNetzA den Antrag der ÜNB annimmt, würde das nach Angaben des bne bedeuten, dass deutsche Anbieter deutlich größere Speicher bauen müssten, was zu höheren Kosten führen würde. Deutsche Speicher wären damit nicht mehr wettbewerbsfähig. „Aus unserer Sicht ist diese Vorgabe inakzeptabel. Durch besonders hohe Präqualifikationsanforderungen untergraben die Übertragungsnetzbetreiber einen fairen Wettbewerb. Eine Mindestaktivierungszeit von 15 Minuten für Energiespeicher ist vollkommen ausreichend“, sagte bne-Geschäftsführer Robert Busch.

Der bne verweist in einer Stellungnahme für die Bundesnetzagentur darauf, dass die von den ÜNB dargelegten Sicherheitsbedenken, eine längere Mindestaktivierungszeit für Speicher zu verlangen als europäische Nachbarstaaten, nicht stichhaltig sind. „Wir setzen darauf, dass die Bundesnetzagentur den Vorschlag der Übertragungsnetzbetreiber ablehnt. Für das Energiesystem der Zukunft brauchen wir einen lebendigen Wettbewerb von Anbietern, die die Netzstabilität sicherstellen. Batteriespeicher werden dabei eine wesentliche Rolle spielen“, sagt bne-Geschäftsführer Busch.

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