Unternehmen fordern Entscheidung für 100 Prozent erneuerbare Energien

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Die Unternehmen der Erneuerbaren-Branche wollen der oft als reine „Kostendebatte“ geführten Auseinandersetzung über die Energiewende eine neue Richtung geben. Auf der Messe Intersolar Europe in München machten in der vergangenen Woche verschiedene Unternehmen konkrete Vorschläge, wie ein Umbau des Energiesystems zu 100 Prozent erneuerbaren Energien auch in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum zu bewerkstelligen sei. Dafür müssten jetzt die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen und die Erneuerbaren in den Mittelpunkt gestellt werden, hieß es beim Projektierer GP Joule. Drastischer äußerte sich der Chef der Wörrstädter juwi-Gruppe, Matthias Willenbacher: „Ich will eine Entscheidung für 100 Prozent erneuerbare Energien – und zwar sofort.“ Der Titelbericht von EUWID Neue Energien 26/2013 beschreibt einen Masterplan für 100 Prozent erneuerbare Energien, den Matthias Willenbacher in seinem zur Intersolar vorgestellten Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ ausarbeitet, und greift auch das Konzept eines Erneuerbare-Energien-Marktgesetzes (EEMG) auf, das von GP Joule ebenfalls bei der Intersolar vorgestellt wurde. Die Publikation ist am 26. Juni erschienen und umfasst 98 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 32 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der aktuellen Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):

Übergreifende Themen

Die offensive Reaktion der Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche kommt nicht von ungefähr. Ungeachtet der insbesondere in den Bereichen Solar und Wind in den vergangenen Jahren erzielten Kostensenkungen stellt die öffentliche Debatte über die Energiewende die vermeintlich hohen Kosten eines Umstiegs auf Erneuerbare ins Zentrum der Diskussion. Mit seiner erneuten Forderung nach einem Moratorium beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien hat FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle jetzt den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) auf den Plan gerufen. Weil fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nunmehr ein klares Bekenntnis zur Energiewende. „Die Äußerung von Herrn Brüderle ist eine energiepolitische Bankrotterklärung“, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Brüderle wolle die Energiewende „für alle erkennbar zum Absturz bringen“. „Für billige Schlagzeilen in Wahlkampfzeiten ist er bereit, massive Investitionsrücknahmen in Kauf zu nehmen. Das halte ich für ganz und gar unverantwortlich“, sagte Weil. Derweil schwenkt der Energiekonzern EnBW auf einen Energiewende-Kurs um. Man werde auf die „gravierenden Veränderungen im energiewirtschaftlichen Umfeld“ reagieren und mit einem klaren Bekenntnis zur Energiewende langfristige Wachstumsoptionen eröffnen, teilte der Karlsruher Versorger mit. Der Konzern identifiziert die Chancen „vor allem bei den erneuerbaren Energien im dezentralen Erzeugungsgeschäft, im Bereich Netzinfrastruktur sowie in innovativen Produkten für den Kunden.“ Wie wichtig die Energiewende ist, zeigt eine aktuelle Studie der staatlich australischen Klimakommission. Die Verbrennung sämtlicher weltweit verfügbarer fossiler Energieträger würde zu „unvorhersehbaren Veränderungen im Klima“ führen, die so gravierend seien, dass sie die gesellschaftliche Existenz in Frage stellten. Um den Temperaturanstieg unter der Marke von zwei Grad zu halten, „müssen wir einfach 80 Prozent der weltweit vorhandenen fossilen Energiereserven im Boden lassen“, sagte Studien-Mitautor Lesley Hughes dem öffentlichen Sender ABC. „Wir können uns nicht leisten, sie zu verbrennen.“ Ein stabiles Klima sei dann nicht möglich. EUWID Neue Energien informiert in Ausgabe 26/2013 im Bereich der übergreifend relevanten Berichterstattung auch über den Kompromiss im Umweltausschuss des Europaparlaments beim Emissionshandel, über Studien von Statoil und BP zur Rolle von Erdgas und zur Entwicklung des Energieverbrauchs und über eine Power-to-Gas-Plattform, die bis 2022 Kapazitäten von 1.000 MW zur Umwandlung von Strom zu Gas erreichen will. Rohstoffpreise, Heizölpreise, die Entwicklung des Renixx World und die jüngsten Daten zur Direktvermarktung von Erneuerbaren-Strom sind ebenfalls Gegenstand der Berichterstattung.

Bioenergie

Torrefizierte Biomasse eignet sich besonders gut für weite Transportentfernungen und die Mitverbrennung in bestehenden Kohlekraftwerken, bislang gibt es jedoch nur eine kommerzielle Produktionsanlage. Das berichteten Referenten auf der European Bioenergy Conference in Brüssel. Ein wesentliches Problem bestehe darin, dass es keine ausreichenden Mengen torrefiziertes Material für industrielle Verbrennungstests gebe. Dadurch sei es schwer, Kunden von der technischen und wirtschaftlichen Einsatzbarkeit des Materials zu überzeugen und somit den Weg für den Bau von Torrefizierungsanlagen frei zu machen. Technische Schwierigkeiten seien hingegen fast gelöst, sagte Doris Thamer von der Andritz AG, die bereits zwei Demonstrationsanlagen errichtet hat. An einer ebenfalls innovativen Technologie forschen Siemens Metals Technologies und LanzaTech. Gemeinsam wollen sie das von LanzaTech entwickelte Fermentierungsverfahren, mit dem kohlenstoffreiche Abgase in der Stahlindustrie zu Bioethanol und anderen Basis-Chemikalien konvertiert werden können, weiterentwickeln und vermarkten. Auf Biokraftstoffe aus Reststoffen zu setzen, könnte sich als erfolgversprechend erweisen. Denn laut einem Richtlinien-Entwurf der Kommission sollen diese zukünftig doppelt bzw. vierfach auf das EU-Biokraftstoffziel angerechnet werden können. Der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments (ITRE) bezweifelt jedoch, dass Biokraftstoffe der zweiten und dritten Generation 2020 in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen werden. Daher schlägt er eine Heraufsetzung des Ziels für herkömmliche Biokraftstoffe sowie eine gesonderte Quote für fortschrittliche Biokraftstoffe vor, die sukzessive ansteigen soll. Unternehmensmeldungen über Krieg & Fischer Ingenieure, greentec-service, EnviTec Biogas und weitere Marktakteure runden die Berichterstattung zum Bioenergiebereich ab. Im Marktbereich der NE-Ausgabe 23/2013 finden sich neben Angaben zu den Hackschnitzelmärkten in Österreich und der Schweiz auch Preise für Pellets, Getreide, Ölsaaten und Mühlenprodukte sowie Biodiesel.

Solarenergie

Die Solarbranche hat in der vergangenen Woche nach München geblickt, wo mit der Intersolar Europe die Leitmesse der Branche stattfand. Rund 50.000 Besucher aus über 150 Ländern und 1.330 Aussteller aus 47 Ländern kamen nach München. Den Abwärtstrend des vergangenen Jahrs konnten die Veranstalter nicht aufhalten. Seinerzeit besuchten noch 66.000 Besucher und 1.900 Aussteller die Intersolar. Viele Aussteller zeigten sich bei der diesjährigen Ausgabe dennoch zufrieden und verwiesen auf eine sehr hohe Qualität der Gespräche auf der Messe. Heißes Thema in München war der Handelsstreit zwischen der EU und China. Die bisherigen Vorschläge der chinesischen Seite zur Beilegung des Streits im Solarbereich sind nach Einschätzung der Herstellervereinigung EU ProSun, die das Antidumping-Verfahren auf den Weg gebracht hatte, unzureichend. Ein substanzielles Angebot zur Beilegung des Streits müsse den entstandenen Schaden reflektieren und sich an den geplanten Antidumpingzöllen der EU-Kommission in Höhe von durchschnittlich 47,6 Prozent orientieren, sagte EU ProSun-Präsident Milan Nitzschke im Rahmen einer Podiumsdiskussion. „Preise von 40 bis 45 Cent pro Watt
peak wird es künftig nicht mehr geben, sie liegen unterhalb der Produktionskosten sämtlicher Hersteller“. Die Diskussion, die in EUWID Neue Energien 26/2013 nachgezeichnet wird, zeigte die Zerissenheit innerhalb der Solarbranche, die durch die Dumping-Debatte offenbar geworden ist. So zeigte sich auch der Chef des norwegischen Solarunternehmens ITS Innotech Solar, Jerry Stokes, zurückhaltend mit Blick auf die Wirkung von Strafzöllen. „Die Zölle helfen niemandem“, sagte Stokes. Auch Florian Wessenhof vom Maschinenbauverband VDMA sieht mehr Gefahren als Vorteile in der aktuellen Situation. Das Antidumpingverfahren erhöhe die Unsicherheit in den ohnehin verunsicherten Märkten. Die Solarberichterstattung widmet sich in der aktuellen Ausgabe des Branchendienstes auch den Gewinnern des Intersolar Awards und einer Studie des TÜV Rheinland, die gravierende Mängel bei PV-Großanlagen aufdeckt. Unternehmensberichte lenken den Blick auf die jüngsten Entwicklungen bei Solarworld, Scheuten Solar, Solen und Belectric. Die Einspeisedaten für Solarstrom und aktuelle Preistrends am Modulmarkt ergänzen das Themenspektrum der Ausgabe.

Windenergie

Die Berichterstattung zur Windenergie beschäftigt sich in dieser Woche mit einer Studie des Fraunhofer IWES und dem Think Tank Agora Energiewende. Darin geben die Autoren einen Ausblick auf die zukünftigen Trends bei Windkraftanlagen – und kommen zum Ergebnis, dass die Weichen für künftige Entwicklungen bereits heute gestellt werden. Windkraftanlagen der 2,5-3-MW-Klasse erobern zunehmend den Markt und werden auch noch im Jahr 2030 eine dominierende Stellung einnehmen, heißt es in der Studie. Darüber hinaus gehe der Trend in Richtung großer Rotor-Generator-Verhältnisse, also die Übertragung des Konzepts der Schwachwind-Anlagen auf Starkwindstandorte. Die damit gewonnene hohe Anzahl an Volllaststunden habe positive Auswirkungen sowohl auf die Erträge der Anlagen als auch auf die Netzstabilität. Weitere Themen sind die Gründung eines neuen Windkraft-Bündnisses in Baden-Württemberg, die Mobilmachung einer Husumer Initiative gegen den „Windmessen-Kompromiss“, sowie die überraschende Erkenntnis, dass das führende Bundesland im Offshore-Sektor gar keinen direkten Zugang zum Meer besitzt. In den Firmenmeldungen werden das stromautarke Rotorblattwerk von Vestas in Lauchhammer, die Baufortschritte an den Offshore-Windparks Global Tech I und Riffgat, sowie aktuelle Ver- bzw. Zukäufe von Mainova und CEE thematisiert.

Geothermie

Im Geothermiekraftwerk Traunreut im Landkreis Traunstein hat in der vergangenen Woche der offizielle Bau der oberirdischen Anlagen begonnen. Wie die gec-co Global Engineering & Consulting – Company GmbH als Planverfasser des Projekts mitteilte, soll die Erdwärme-Anlage noch in diesem Jahr mit Wärmelieferungen für die Fernwärmeversorgung der 20.000-Einwohner-Gemeinde in der Nähe des Chiemsees beginnen. Die installierte Leistung beträgt zehn MW. Darüber hinaus wurde bekannt, dass der Bohrdienstleister Daldrup & Söhne AG einen Auftrag für ein Geothermieprojekt in zweistelliger Millionenhöhe erhalten hat. Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben für die Geovol Unterföhring GmbH, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Gemeinde Unterföhring, als Generalübernehmer eine hydrothermale Dublette ausführen. Die Arbeiten sollen im Herbst 2013 beginnen.

Wasserkraft

Im Bereich Wasserkraft berichtet EUWID in dieser Woche über die Förderung der Kleinwasserkraft in Baden-Württemberg. Das Landesumweltministerium hat demnach neun Neubau- und Modernisierungsmaßnahmen mit insgesamt 1,3 Mio. € gefördert. Es handle sich um die ersten Maßnahmen des im Februar gestarteten Programms zur technischen und ökologischen Modernisierung der kleinen Wasserkraft, teilte das Ministerium mit.


Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:

Ausgabe 25/2013 (19. Juni): Kanzlerin Merkel und SPD-Kandidat Steinbrück sehen grundlegenden Reformbedarf beim EEG
Ausgabe 24/2013 (12. Juni): Bundesregierung will sich im Solarstreit mit China intensiv für Kompromiss einsetzen Ausgabe 23/2013 (5. Juni): Merkel bekräftigt Unterstützung für den Ausbau der Elektromobilität Ausgabe 22/2013 (29. Mai): Internationale Energieagentur IEA zieht positives Fazit zur deutschen Energiepolitik Ausgabe 21/2013 (22. Mai): Schütz: Wir müssen uns von der Idee der großen zentralen Energieerzeugung verabschieden

EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt

Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet. Bei openpr finden Sie den Wochenbericht hier: http://www.openpr.de/news/729673.html

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