Ja, sie klappt! Das ist die Kernbotschaft einer wissenschaftlichen Replik von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Eingaben des Volkswirts Hans-Werner Sinn zur Machbarkeit der Energiewende. Sinn zweifelt daran, dass die Energiewende gelingt und sieht einen massiven Ausbaubedarf im Bereich von Stromspeichern, der realistischerweise nicht zu decken ist. Das DIW hat sich Sinns Analyse angeschaut und gibt Entwarnung.

Der Titelbereich der aktuellen Ausgabe von EUWID Neue Energie befasst sich mit der wissenschaftlichen Debatte und der Frage, inwieweit Speicher ein begrenzender Faktor der Energiewende sind. Das DIW zeigt, dass sich Sinns Analyse auf Extremfälle bezieht. Lockert man die Annahmen an der Stelle und lässt ökonomisch relevante innere Lösungen zu, dann sinkt der errechnete Speicherbedarf dramatisch.

Wissenschaftliche Debatte über Ausgestaltung der Energiewende wichtig

Den grundlegenden Zweifeln an der Energiewende, die immer wieder lanciert werden und die auch medial ein großes Echo hervorrufen, hat sich jüngst auch KIT-Forscher Tom Brown mit einem Team von internationalen Kollegen gewidmet – umfassender als die DIW-Wissenschaftler, die sich speziell mit der Teilfrage der Rolle von Stromspeichern befasst haben. Fazit auch bei Brown: Es ist vergleichsweise einfach, wissenschaftliche Modelle zu formulieren, die Zweifel an der Energiewende unterfüttern. Sieht man sich diese Modelle genauer an, dann findet man oft eine Modellformulierung, die ihrerseits grundlegende Fragen aufwirft.

Begriffe wie “Zappelstrom” sind nicht wertfrei und für den wissenschaftlichen Diskurs ungeeignet

Die wissenschaftliche Debatte über die Machbarkeit und Gestaltung der Energiewende ist wichtig und in keinem Fall sollten sich Befürworter der Energiewende der Gefahr aussetzen, kritische Stimmen und wissenschaftliche Beiträge schon deshalb abzulehnen, weil ihre Ergebnisse der eigenen Überzeugung widersprechen. Im wissenschaftlichen Diskurs können wertvolle Einsichten zur effizienten Gestaltung der Energiewende gewonnen werden. Problematisch wird es dann, wenn die Analysen keinen Resonanzraum für eine weitere Diskussion mehr lassen – weder wissenschaftlich noch rhetorisch. Die Verwendung von Begriffen wie „Zappelstrom“ für die fluktuierenden erneuerbaren Energien Photovoltaik und Windenergie ist negativ konnotiert und vermittelt ein Zerrbild der Realität.

Im Mai jede dritte erzeugte Kilowattstunde in Deutschland Wind- oder Solarstrom

Der Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wächst fortlaufend. Nach Daten im „Smard“-Portal der Bundesnetzagentur lag der Anteil allein von Windenergie (on- und offshore) und Photovoltaik an der tatsächlichen Stromerzeugung im Mai bei 32,4 Prozent. Das heißt, jede dritte Kilowattstunde entfiel auf fluktuierende Erneuerbare. Die Einbindung solch hoher Anteile von Wind- und Solarstrom erfolgt bislang, ohne dass die Sicherheit der Stromversorgung Schaden genommen hat. Zwar sind vor allem wirtschaftliche Reibungsverluste erkennbar – etwa in Form von Abregelungen und Redispatch. Dies ist aber nicht den erneuerbaren Energien zuzuschreiben, sondern einem energiewirtschaftlichen Gesamtrahmen, der auf die neue Energiewelt noch nicht ausgerichtet ist.

(Beitragsbild: Massimo Cavallo / Fotolia)

Serie zu Post-EEG-Anlagen in EUWID Neue Energie
Ein zweites Kernthema in der jetzt erschienenen Ausgabe 24/2018 von EUWID Neue Energie ist der Rolle von Bioenergie für die (weitere) Energiewende gewidmet. Steuerbare Bioenergie ist neben Speichern eine der technologischen Optionen, um als Backup für fluktuierende erneuerbare Energien zu dienen. Wie EUWID im Zuge seiner Serie zu „Post-EEG-Anlagen“ in Erfahrung brachte, ist der Biogas-Anlagenbestand allerdings bedroht. Zwei Drittel der Anlagen, die ab den 2020er Jahren aus der Förderung fallen, ist aus heutiger Sicht wirtschaftlich nicht zu betreiben. Abonnenten von EUWID Neue Energie lesen hier mehr.

Unsere Tipps aus dem Angebot von EUWID Neue Energie 24/2018:

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