An drei Stellen in Deutschland laufen die Vorbereitungen für Oberleitungs-Modelle für die Elektromobilität, mit denen elektrisch betriebene LkW während der Fahrt aufgeladen werden können. In Schweden wurde nun ein Streckenabschnitt eingeweiht, der Fahrzeuge nicht von oben, sondern von unten mit Elektrizität versorgt. Bei einem weitflächigen Roll-out der Technik könnten die Reichweiten auch von Autos mit kleinem Akku deutlich zulegen, die Projektpartner schwärmen bereits von “unbegrenzten Reichweiten”.

Der „eRoadArlanda“ sei die weltweit erste Straße, auf der sich Elektrofahrzeuge mittels einer Stromschiene in der Fahrbahn während der Fahrt aufladen können, heißt es in einer Mitteilung von Vattenfall. Die Hightech-Straße wurde kürzlich in der Nähe des Stockholmer Flughafens Arlanda eingeweiht.

Investitionskosten niedriger als bei Oberleitungsbau

Neben Vattenfall sind der Technologieanbieter Elways und die Bau- und Infrastrukturgesellschaft NCC an dem Projekt beteiligt, das im Auftrag der staatlichen Verkehrsbehörde Trafikverket durchgeführt wird. Erfahrungen mit Oberleitungen wurden in Schweden ebenfalls schon gesammelt. Vor zwei Jahren wurde ein erster Straßenabschnitt 140 km nördlich von Stockholm in Betrieb genommen, der das Aufladen von Hybrid-Lastwagen über Oberleitungen erprobt. Bei der jetzt beim „eRoadArlanda“ verwendeten Technik fielen die Investitionskosten je Kilometer allerdings niedriger aus als bei Oberleitungen. Außerdem werde das Landschaftsbild weniger beeinträchtigt.

System berechnet automatisch Stromkosten pro Fahrzeug

Elektromobilität Schienenstrang zur Beladung
Quelle: eRoadArlanda

Die neu patentierte Technik von Elways mit einer Stromschiene in der Fahrbahn ermögliche das Aufladen aller Arten von Elektrofahrzeugen, also nicht nur von hohen Lkw oder Bussen. Die Fahrzeuge verfügen über einen Stromabnehmer, der automatisch einen Kontakt mit der Schiene herstellt. Der Streckenabschnitt wird nur mit Strom versorgt, wenn ein Fahrzeug darüber fährt. Stoppt das Fahrzeug, wird die Stromversorgung unterbrochen. Die Stromversorgung wird sowohl für den Vortrieb als auch für das Aufladen des Fahrzeugakkus genutzt. Das System berechnet Angaben der Projektbeteiligten zufolge auch den Energieverbrauch des Fahrzeugs, woraus dann die Stromkosten pro Fahrzeug und Benutzer ermittelt werden können.

Elektromobilität mit “Schienenladen” gewinnt Kostenvergleich mit Verbrenner-Alternative deutlich

Berechnungen auf der Projektseite zufolge könnte sich die Elektrifizierung von 20.000 Straßenkilometern mit der „Schienentechnologie“ sehr schnell rechnen. Die Kosten hierfür betrügen etwa 80 Mrd. Schwedische Kronen, das wären rund 7,8 Mrd. €. Dem stehe ein jährlicher Gewinn gegenüber, da der Strom für Elektrofahrzeuge 25 TWh mal 0,4 SEK/kWh koste, also 10 Mrd. SEK ohne Steuern (knapp eine Mrd. €). Verglichen damit koste der Kraftstoffverbrauch der aktuellen Fahrzeugflotte im Land 42 Mrd. SEK (ebenfalls ohne Steuer) jährlich, also rund 4,1 Mrd. €. „Unter der Annahme, dass Elektroautos mit kleinen Batterien genauso viel kosten wie mit Benzin betriebene Autos, würde es weniger als drei Jahre dauern, die Elektrifizierung der Straßen zu bezahlen“, heißt es auf der „eRoadArlanda“-Projektseite. In der praktischen Betrachtung hängt die Validität dieses Kostenvergleichs gleichwohl auch davon ab, wie schnell die Fahrzeugflotte ausgetauscht werden könnte.

Spezial-LkW mit Stromabnehmer
Quelle: eRoadArlanda

„Unbegrenzte Reichweiten“ für E-Autos mit kleinen Batterien?

Elektrifizierte Straßen, die ein dynamisches Aufladen während der Fahrt ermöglichen, könnten besonders für Fahrzeuge interessant sein, die längere Strecken ohne einen Stopp zum Aufladen fahren müssen, heißt es seitens der Projektpartner weiter. Ein Ausbau elektrifizierter Straßen hätte zudem den Effekt, dass Elektrofahrzeuge mit kleineren Batterien auskämen und trotzdem eine „unbegrenzte Reichweite“ hätten.

Entwicklung von elektrifizierten Straßen ein wichtiges Puzzleteil bei der Verringerung der Emissionen im Verkehrssektor sein

„Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ist ein wichtiger Faktor zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen“, sagt Annika Ramsköld, Leiterin des Nachhaltigkeitsbereichs bei Vattenfall. Der CO2-Ausstoß von Lkw mache etwa ein Viertel der Gesamtemissionen des Straßenverkehrs aus. „Somit kann die Entwicklung von elektrifizierten Straßen ein wichtiges Puzzleteil bei der Verringerung der Emissionen im Verkehrssektor sein.”

Testphase von mindestens einem Jahr unter anspruchsvollen Straßen- und Witterungsverhältnissen

Die eRoadArlanda soll nun über einen Versuchszeitraum von mindestens einem Jahr unter anspruchsvollen Straßen- und Witterungsverhältnissen getestet werden. Die eigens angefertigten, vollständig über Radmotoren elektrisch angetriebenen 18-Tonnen-Lkw des Projekts werden während dieses Zeitraums Güter zwischen dem Frachtterminal des Flughafens und einer Logistikfirma befördern.

Elektromobilität: Bauarbeiten für ersten „eHighway“ schreiten voran

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein