Umweltinstitut München fordert von möglicher Ampel-Koalition Absage an blauen Wasserstoff

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Ein Blick in die Wahlprogramme von SPD, Grünen und FDP zeigt: Die möglichen Koalitionspartner setzen große Hoffnungen auf Wasserstoff für die Energiewende. Doch das Umweltinstitut München warnt davor, auf Scheinlösungen wie blauen Wasserstoff zu setzen und fordert von einer künftigen Bundesregierung, nur Wasserstoff zu fördern, der klimaneutral produziert wird. Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas hergestellt, allerdings wird das Kohlendioxid bei der Entstehung abgeschieden und gespeichert.

In der Frage, welche Wasserstoffprojekte förderfähig sind, erwartet das Umweltinstitut unter den potenziellen Koalitionären Diskussionsbedarf: Denn in den Wahlprogrammen der Parteien werden unterschiedliche Quellen für den begehrten Energieträger in Betracht gezogen. Die Grünen setzen auf Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen, und auch die SPD möchte „vorrangig“ Wasserstoff aus solchen Quellen nutzen. Die FDP hingegen sieht in der Förderung von sogenanntem blauem Wasserstoff aus Erdgas, bei dem das anfallende CO₂ abgespalten und eingelagert werden soll, eine Übergangslösung.

Studie: Blauer Wasserstoff schadet dem Klima sogar

Das Umweltinstitut betont jedoch, dass blauer Wasserstoff dem Klima mehr schadet als er nutzt. Forscher renommierter US-Universitäten kamen bei der Untersuchung der Klimabilanz des blauen Wasserstoffs zu einem ernüchternden Ergebnis: Laut Robert Howarth von der Cornell University und Mark Jacobson von der Stanford University macht die Abspaltung und Einlagerung von CO₂ den Energieträger nur minimal klimafreundlicher. Der Grund: Bei Produktion und Transport des genutzten Erdgases wird immer auch Methan in die Atmosphäre freigesetzt. Beispielsweise wird Gas an Bohrlöchern unvollständig abgefackelt, es kann beim Transport an Ventilen austreten oder wird für Wartungsarbeiten aus der Pipeline abgelassen.

Selbst unter der hypothetischen Annahme, dass das bei der Wasserstoff-Produktion abgespaltene CO₂ vollständig und dauerhaft eingelagert werden kann, ergab sich damit ein insgesamt höherer Schaden des blauen Wasserstoffs für das Klima als bei der direkten Nutzung von Erdgas, Diesel oder Kohle. Blauer Wasserstoff schade also dem Klima mehr als er es schützt. „Die Studie zu CO₂- und Methan-Emissionen des blauen Wasserstoffs ist ein Weckruf für alle, die immer noch vom Wasserstoff aus fossilen Rohstoffen träumen“, so Kasimir Buhr, Referent für Energiepolitik am Umweltinstitut München. „Fossile Energieträger sind und bleiben klimaschädlich.

Abhängigkeit von Erdgas sollte schnell verringert werden

SPD und Grüne müssen nach Ansicht des Umweltinstituts standhaft bleiben und den möglichen Koalitionspartner FDP auf den Boden der Tatsachen holen. Die aktuellen Erdgaspreise sollten eigentlich schon Grund genug sein, sich möglichst schnell von dieser Energiequelle unabhängig zu machen. „Die Argumentation der FDP, dass sich die Industrie ohne blauen Wasserstoff weiter auf fossile Energieträger festlegt, führt in die Irre. Für die Energiewende helfen Investitionen in derartige Scheinlösungen nicht, sie zementieren vielmehr die Förderung des Klimakillers Erdgas für weitere Jahrzehnte“, führt Buhr aus. „Die aktuelle Forschung zeigt, dass auch unter günstigsten Annahmen für die CO₂-Einlagerung Wasserstoff aus Erdgas nicht klimafreundlich wird.“

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