Das türkische Energieministerium hat Anfang Oktober das zweite Solar-Großprojekt ausgeschrieben. Es geht um den Bau von PV-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 1 GW, wie die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (GTaI) mitteilt. Der Projektwert soll rund 1 Mrd. US-Dollar (874,24 Mio. €) betragen. Investoren können sich bis Anfang 2019 bewerben.

Die Kraftwerke sollen in drei Regionen im Südosten und Süden des Landes entstehen: in Sanliurfa-Viransehir (500 MW), Hatay-Erzin (200 MW) und Nigde-Bor (300 MW). Die Aufbauarbeiten sollen innerhalb von zwei Jahren nach Zuschlagserteilung vorbereitet werden. Fünf Jahre nach Auftragsvergabe sollen die Kraftwerke laut Planungen fertig gestellt sein.

Kostenlose Landzuteilungen und Stromabnahmegarantien

Dem GTaI-Bericht zufolge erhalten Investoren für den Bau der Anlagen vom Staat kostenlose Landzuteilungen in Gebieten, die nachweislich besonders geeignet sind. Ferner bekommen sie Stromabnahmegarantien zu einem vertraglich vereinbarten Festpreis. Investoren sollen darüber hinaus von steuerlichen und anderen Vergünstigungen profitieren, die das allgemeine staatliche Investitionsförderungssystem bereithält.

Pflicht zur Partnerschaft mit lokalen Firmen aufgehoben

Anders als beim ersten großen Solarenergieprojekt in Konya dürfen sich ausländische Unternehmen auch ohne türkische Konsortialpartner bewerben. Angebote können auch für mehrere Gebiete unterbreitet werden. Der Bieter mit dem niedrigsten Strompreisangebot erhält den Zuschlag. Der Höchstpreis wurde vom Ministerium mit 6,50 US-Cent/kWh festgelegt. Der Gewinner erhält den Netzzugang und YEKA-Nutzungsrechte für eine Dauer von 15 Jahren.

38 GW Solarenergiekapazität bis 2030 angestrebt

Laut GTaI erreichte die Stromproduktion aus Solarenergie im Jahr 2017 insgesamt 2,9 TWh. Nach Plänen des Solarenergieverbandes Günder soll bis 2023 eine Solarkapazität von insgesamt 14 GW und bis 2030 von 38 GW erreicht werden. Ende Juni 2018 waren landesweit PV-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 4,73 GW installiert. Über 99,5 Prozent waren lizenzfreie Anlagen mit einer Leistung von jeweils unter 1 MW. Lizenzierte Anlagen stellten nur 27 MW.

Quelle: GTaI / Ministerium für Energie und Naturressourcen, Stand: Ende Juni 2018

Der erste große Solarpark des Landes mit einer Gesamtkapazität von 1,2 GW entsteht derzeit in der Provinz Konya, in Karapinar. Das Kraftwerk soll Ende 2019 ans Netz gehen. Der vereinbarte und garantierte Stromabnahmepreis betrug 6,99 US-Cent/kWh. Den Zuschlag für den Bau erhielt im März 2017 das Konsortium Kalyon Enerji (Türkei) und Hanwha Q-Cells (Südkorea).

Türkei will weniger Energieimporte

Die Förderung und der Ausbau erneuerbarer Energien ist nach GTaI-Angaben ein wichtiges Ziel der türkischen Energiepolitik. Bis 2023 soll der Anteil regenerativer Energien (einschließlich Wasserkraft) an der Elektrizitätserzeugung auf mindestens 30 Prozent steigen.

Bislang ist die Türkei bei der Versorgung mit Energierohstoffen in hohem Maße von Importen abhängig. Einheimische Vorkommen von Braunkohle, erneuerbare Energien, darunter Wasserkraft, sowie Brennholz und Biomasse können zusammen nur circa 25 Prozent des Primärenergieverbrauches decken.

Ausführliche Informationen zur Solarenergiebranche bietet die GTaI-Broschüre „Branche kompakt: Türkei erhöht Investitionen in die Solarenergie“, abrufbar unter www.gtai.de/tuerkei.

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