Treibhausgas-Einsparung durch Biokraftstoffe erreicht Rekordwert

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Rapsfeld-Biodiesel-Biokraftstoffe
Quelle: Kalle Kolodziej / stock.adobe.com

Während die in Verkehr gebrachte Biokraftstoffmenge in Deutschland im Jahr 2017 nahezu konstant geblieben ist, konnten die Emissionen von Treibhausgasen (THG) weiter reduziert werden. Das geht aus dem diesjährigen Evaluations- und Erfahrungsbericht der Bundesanstalt für Landwirtschaft- und Ernährung (BLE) hervor. Im Jahr 2017 seien 3,3 Millionen Tonnen Biokraftstoffe mit einem Energiegehalt von 113 Petajoule abgesetzt worden. Erstmals konnte eine durchschnittliche Gesamteinsparung aller Biokraftstoffe von über 81 Prozent erreicht werden. Das entspricht einer Vermeidung von 7,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Im Vorjahr waren es 77 Prozent THG-Einsparung.

„Die Vorgabe für Neuanlagen, die ab dem 6. Oktober 2015 in Betrieb genommen wurden, eine Mindesteinsparung von 60 Prozent zu erreichen, konnten die Hersteller offensichtlich gut umsetzen“, sagte BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden. „Aber auch bei Anlagen, die bereits vor diesem Zeitpunkt in Betrieb genommen wurden, konnten die Herstellungsprozesse optimiert und mehr Emissionen vermieden werden. So wurden trotz einer nahezu gleichbleibenden Quantität der eingesetzten Biokraftstoffe erneut deutlich mehr Emissionen vermieden”, so Eiden weiter.

Nur noch ein Drittel der Rohstoffe stammte aus Deutschland

Rund zwei Drittel der für die Herstellung dieser Biokraftstoffe eingesetzten Ausgangsstoffe stammten aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union, diese Menge reduzierte sich damit um rund acht Prozent. Die Menge der Biokraftstoffe, deren Ausgangsstoffe aus Deutschland stammten, sank erneut deutlich um 20,8 Prozent auf rund 37 Prozent. Im Jahr 2015 lag der Anteil aus Deutschland noch bei rund der Hälfte. Besonders zugelegt hat hingegen der Anteil aus den europäischen Drittstaaten, der sich mehr als vervierfachte. Hauptbestandteil dieser Menge war Bioethanol aus Mais aus der Ukraine mit 93 Prozent. Insgesamt kamen damit rund 74 Prozent der Ausgangsstoffe aus Europa. Es folgten asiatische Ausgangsstoffe mit einem Anteil von rund 22 Prozent.

Den größten Anteil an den Ausgangsstoffen hatte mit 36,9 Prozent Raps, gefolgt von Abfällen und Reststoffen mit 30,7 Prozent und jeweils etwa zehn Prozent Mais und Weizen.

Biodiesel: Abfälle und Reststoffe wiederholt wichtigster Ausgangsstoff

Knapp 71 Prozent des gesamten Biokraftstoffs entfiel auf Biodiesel (FAME). Dieser wurde zu etwa 39 Prozent aus Abfällen/Reststoffen und zu 36 Prozent aus Raps hergestellt.

Deutlich mehr Bioethanol aus Mais

Bioethanol machte knapp 27 Prozent des gesamten auf die Quote angemeldeten Biokraftstoffs aus. Ausgangsstoffe für die Bioethanolherstellung waren hauptsächlich Mais und Weizen, wobei sich der Maisanteil 2017 um 44 Prozent erhöhte. Weitere Biokraftstoffe waren hydrierte Pflanzenöle (HVO), Biomethan und eine geringe Menge Pflanzenöl.

Biobrennstoffe: Menge und Emissionseinsparung bleibt stabil

Für rund 31 Petajoule flüssige Biobrennstoffe wurde eine Vergütung nach dem EEG beantragt. Im Vorjahr waren es 32 Petajoule flüssige Biobrennstoffe, die zur Stromerzeugung eingesetzt wurden. Die flüssigen Biobrennstoffe wurden zu 87 Prozent aus Dicklauge aus der Zellstoffindustrie und zu 10 Prozent aus Pflanzenölen hergestellt. Biobrennstoffe konnten erneut eine Emissionseinsparung in Höhe von über 93 Prozent erreichen und somit fast 2,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent vermeiden.

Kritik von der Biokraftstoffindustrie

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) zeigte sich erfreut, dass die Treibhausgasemissionen weiter gesenkt werden konnten. Unerfreulich sei jedoch, dass der Biokraftstoffabsatz auf dem gleichen Niveau verblieb, obwohl die gesetzlichen Vorgaben eine Steigerung der Treibhausgas-Quote von 3,5 Prozent im Jahr 2016 auf vier Prozent vorsahen. Dies hätte zu einer deutlichen Steigerung der eingesetzten Biokraftstoffmengen führen müssen.

VDB erneuert Forderung nach höherer Treibhausgas-Quote

„Die Mineralölindustrie konnte ihre verschärften Verpflichtungen aufgrund der weiter gestiegenen Effizienz von Biokraftstoffen mit annähernd der gleichen Menge Biokraftstoffe wie 2016 erfüllen. Das zeigt klar: Eine höhere Treibhausgas-Quote ist heute schon machbar, um das Potential nachhaltiger Rohstoffe zu nutzen und mehr Klimaschutz im Verkehr zu erreichen“, sagte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. „Wir fordern deshalb eine Anhebung der Treibhausgas-Quote auf 4,8 Prozent im Jahr 2019, die 2020 weiter auf 6,5 Prozent steigt.“

Der Evaluierungsbericht des BLE steht hier zur Verfügung.

Hier lesen Sie, wie ein Biokraftstoffhersteller die Lage beurteilt: 

Rahmenbedingungen für Biomethan- und Biodieselabsatz verschlechtern sich weiter

 

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