Thüga sieht Digitalisierung, Smart City und Elektromobilität als Chance

Aktuelle Projekte auf Energiemarkt-Transformationsprozesse ausgerichtet

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Thuega-Vorstand
Bildquelle: Thüga

Die Thüga AG baut ihre Unterstützungsleistungen weiter aus, um auf die dynamischen Entwicklungen des Energiemarktes zu reagieren. So hat ihr Vorstandsvorsitzender Michael Riechel bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2016 die Aufgabe der Thüga skizziert. Schließlich sei Anspruch und Selbstverständnis der Thüga, gemeinsam mit den Partnern die Zukunft der kommunalen Energie- und Wasserversorgung zu gestalten.

Die Thüga AG ist nach eigenen Angaben bundesweit an rund 100 Unternehmen der kommunalen Energie- und Wasserwirtschaft beteiligt. Die jeweiligen Mehrheitsgesellschafter der Partnerunternehmen sind Städte und Gemeinden.

Stadtwerke großen Herausforderungen ausgesetzt

Stadtwerke sind nach Ansicht der Thüga großen Herausforderungen ausgesetzt. „Dekarbonisierung, Dezentralisierung, Digitalisierung und Liberalisierung ändern die Energiebranche tiefgreifend“, beschreibt Riechel aus Sicht der Thüga die Transformation.

Die grundlegende Ausrichtung der Gruppe sei, den Klimaschutz proaktiv mitzugestalten, so Thüga-Vorstand Gerhard Holtmeier. Wichtig sei, die langfristige unternehmerische Ausrichtung im Abgleich mit den energiepolitischen Leitplanken zu bestimmen. Im Rahmen des aktuellen Projektes „Let’s go green“ würden dazu alle in der Gruppe gemachten Studien- und Projektergebnisse im Kontext der Energiewende zusammengetragen und verdichtet. Projektziel sei es, tragfähige Szenarien einer Marktentwicklung bis 2030 zu beschreiben, um nachhaltige Investitionsentscheidungen treffen zu können.

Langfristige und intelligente Entwicklungspfade benötigt, besonders bei der Wärmeversorgung

„Nationale und internationale CO2-Ziele werden erhebliche Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeit haben“ erklärte Holtmeier. Nach Ansicht der Thüga steht jetzt aber schon fest, dass die energiepolitische Ausrichtung stärker die Kosteneffizienz als zentrales Element der Energiewende und langfristig erfolgreichen Klimaschutz verankern sollte. Dazu gehöre auch, CO2-arme und erneuerbare Energien sowie die bestehenden Infrastrukturen des Strom- und Gasbereiches sinnvoll zu nutzen. „Wir brauchen langfristige und intelligente Entwicklungspfade, besonders was die Wärmeversorgung betrifft. Ideologische Vorfestlegungen helfen uns nicht. Gleichzeitig müssen wir deutlich machen, welchen Wertbeitrag die Unternehmen der Gruppe im Strom-, Wärme- und Mobilitätsmarkt leisten und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind“, so Holtmeier.

Stadtwerke sollten sich als führende Lösungsanbieter für Elektromobilität positionieren

„Allein mit Ladesäulen gewinnt man nachhaltig keine Kunden“, fasste Matthias Cord, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, die Einschätzung der Thüga zur Elektromobilität zusammen. Die Stadtwerke sollten sich als führende Lösungsanbieter für Elektromobilität positionieren. Dazu sei ein sofortiger Einstieg beziehungsweise Ausbau der Geschäftstätigkeiten erforderlich, da das Marktumfeld noch nicht ausdifferenziert sei. Dies unterstütze Thüga durch ein breites Beratungs- und Unterstützungsangebot entlang des gesamten Kundenprozesses. „Wichtig ist, dass Elektromobilitätslösungen nicht nur als kundenindividuelle, sondern insbesondere auch als kommunale Mobilitätskonzepte verstanden werden“, so Cord. Dazu führe Thüga derzeit mit einem Partner aus der Gruppe ein entsprechendes Mobilitätskonzept durch, um dabei Erfahrungen für einen wichtigen Baustein von Smart Cities zu generieren.

Smart City als Entwicklungschance für Stadtwerke

„Für die Unternehmen der Thüga-Gruppe sehen wir die Chance, sich als Treiber und Mitgestalter von Smart Cities zu positionieren und entsprechende Geschäftsfelder zu entwickeln“, meinte Cord. „Wichtig ist, die bestehenden Ansätze und Visionen aus den sogenannten Megacities auf die konkreten kommunalen Besonderheiten unserer Partner zu übertragen.“ Dieses will Thüga mit dem Projekt „Smart City“ erreichen. Hier werden die Ideen und Erfahrungen aus der Gruppe gesammelt, weiterentwickelt und standardisiert. Ziel ist es, gemeinsam mit den Partnerunternehmen einen Baukasten zu entwickeln. Derzeit stehen Anwendungen wie Umwelt- und Verkehrsmonitoring-Systeme sowie intelligente Parkraumbewirtschaftungs- und Straßenbeleuchtungslösungen im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Digitalisierung bietet Chance, Dezentralität und Skaleneffekte zu vereinen

Smart Cities sind nach Auffassung der Thüga ohne digitale Lösungen nicht realisierbar. Das ist Cord zufolge auch ein Grund, warum Thüga der Digitalisierung große Aufmerksamkeit widmet. „Die Digitalisierung der Energiebranche nimmt deutlich an Fahrt auf“, meinte er. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Branche ändere sich das Marktumfeld. Besonders an der Schnittstelle zum Kunden würden derzeit viele neue Wettbewerber ansetzen. „Wir unterstützen die Unternehmen der Gruppe bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategien“, beschreibt Cord die Aktivitäten der Thüga hierzu.

Im Rahmen des Projektes werden die einzelnen Entwicklungsbedarfe der Unternehmen untereinander abgeglichen und dort, wo Überschneidungen bestehen, gemeinsame Lösungen entwickelt. Grundsätzlich sieht Thüga die Digitalisierung als Chance für Stadtwerke, die Kundenbindung zu erhöhen, neue Geschäftsmodelle und Produkte zu entwickeln, aber auch die Kostenseite zu optimieren. Dazu gehöre auch, die eingeschränkten Skalierungsoptionen je Stadtwerk durch Plattformen zu überwinden.

Plattformstrategie als Antwort auf zunehmende Komplexität und Margenenge

Steigende Komplexität und Margendruck führen nach Ansicht der Thüga dazu, dass in Zukunft nicht alle Funktionen und Prozesse von jedem einzelnen Unternehmen aufgebaut beziehungsweise vorgehalten werden können. Zudem biete die Plattformstrategie die Chance, dass die Partner sich auf ihre operativen Aufgaben konzentrieren können. „Die bestehenden Plattformen, wie Conergos, E-MAKS und e.dat haben sich im letzten Jahr gut behauptet. Durch die innovativen Beteiligungen am dritten High-Tech Gründerfonds, an der smartlab Innovationsgesellschaft mbH sowie der homeandsmart GmbH wurde der Plattformansatz weiter vorangetrieben“, unterlegte Holtmeier die Plattformstrategie der Thüga.

Durch die Zusammenführung der Plattformen MeteringService und Energieeffizienz zur Thüga SmartService GmbH wurde nach Aussage der Thüga die Digitalisierungskompetenz verstärkt. SmartService sei heute einer der Marktführer im Bereich der Gateway-Administration und biete ein Lösungsportfolio von der Bewirtschaftung von Messdaten bis hin zum Breitbandausbau für Stadtwerke. Weitere Plattformansätze werden zur Zeit für die Thüga-Gruppe entwickelt.

Wie es in einer Mitteilung heißt, habe die Thüga AG im Jahr ihres 150-jährigen Jubiläums mit ihrem Beteiligungsergebnis entscheidend zum stabilen Jahresergebnis ihrer Muttergesellschaft Thüga Holding GmbH & Co. KGaA beigetragen. „Der Bilanzgewinn der Thüga-Holding in Höhe von 292,9 Mio. € ermöglicht neben einer Rücklagendotierung die Ausschüttung einer Bardividende in Höhe von 27,36 € (2015: 26,05 €) je Stückaktie“, umriss der Vorstand der Thüga AG, Christof Schulte, die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft.

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