Mit Kostenvorteilen wird man die Errichtung neuer fossiler Stromerzeugungsanlagen in wenigen Jahren nicht mehr begründen können. Eine jetzt von der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) vorgelegte Studie stellt heraus, dass sämtliche regenerative Erzeugungstechnologien sich im Jahr 2020 auf dem gleichen Kostenlevel bewegen werden wie ihre fossile Konkurrenz – oder bereits an ihr vorbeigezogen sind. Das Diktum der „teuren“ erneuerbaren Energien könnte sich mithin schon bald umkehren. Zumal es der Irena um Stromerzeugungskosten geht – die nicht in den Preisen enthaltenen externen Kosten fossiler Stromproduktion tauchen in den Berechnungen gar nicht auf.

Bereits heute liegen die Regenerativ-Technologien auf Augenhöhe mit den fossilen Stromerzeugern – dabei unterscheiden sich die von Irena analysierten globalen Entwicklungen zwischen den regenerativen Erzeugungsformen teilweise von den Kostentrends in Deutschland. Neue Wasserkraftprojekte seien im globalen gewichteten Durchschnitt mit 5 US-Cent pro kWh an den Start gegangen, heißt es in dem Bericht

Stromgestehungskosten der PV in sieben Jahren um drei Viertel gesunken

Bei Onshore-Wind spricht die Studie von 6 US-Cent und bei Bioenergie und auch bei der Geothermie von 7 US-Cent. Die Photovoltaik habe seit 2010 ihre Stromgestehungskosten im globalen Durchschnitt um 73 Prozent auf 10 US-Cent/kWh gesenkt. Gleichzeitig seien an optimalen Standorten in Auktionen bereits Kosten von 3 US-Cent/kWh beobachtet worden. Und selbst die zuletzt global betrachtet eher teuren Technologien der solarthermischen Stromerzegung (CSP) und der Offshore-Windkraft haben in jüngster Zeit in Ausschreibungsverfahren deutliche Kostensenkungen signalisieren können.

Technologischer Fortschritt bei den Erneuerbaren senkt Kosten

Die Irena-Studie macht drei wesentliche Faktoren verantwortlich für das Sinken der Erzeugungskosten von Strom aus erneuerbaren Energien. Zunächst hat sich der technologische Fortschritt in den verschiedenen Segmenten der regenerativen Stromerzeuger als dauerhafter Treiber für Kostensenkungen verfestigt. Größere Windturbinen und neue Solarzellarchitekturen haben es ermöglicht, mehr Strom aus den gleichen Ressourcen zu generieren. Technologische Fortschritte sind aber auch auf der Fertigungsebene zu beobachten, wo durch Prozessinnovationen die Skaleneffekte einer ausgeweiteten Produktion verstärkt wurden.

Wettbewerbliche Verfahren bei der Förderung Erneuerbarer senken Kosten

Ein zweiter Aspekt der Kostendegression ist der Studie zufolge der verstärkte Einsatz wettbewerblicher Verfahren beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Die bislang vorherrschenden Einspeisevergütungen werden als Förderinstrument auf globaler Ebene zunehmend verdrängt durch Ausschreibungsverfahren. Die Irena hat die Ergebnisse internationaler Ausschreibungen für rund 7.000 Projekte analysiert. Und sie zeigen, dass mit den Ausschreibungen weitere Kostenreduktionen erreicht werden – und das in hohem Tempo.

Studie 'Renewable Power Generation Costs in 2017'
Die englischsprachige Studie “Renewable Power Generation Costs in 2017” der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) kann hier als pdf abgerufen werden. Ein Executive Summary findet sich hier.

Die Agentur betont, dass sich die Ergebnisse von Ausschreibungen nicht 1:1 mit den Stromgestehungskosten tatsächlicher Projekte vergleichen lassen, da in die Auktionen viele Kalkulationen einfließen und die tatsächlichen Kosten der Vorhaben sich erst später realisieren. Gleichwohl zeigten die Daten, dass nach Rekordausscvhreibungen in Dubai, Mexiko, Peru, Chile, Abu Dhabi und Saudi Arabien ab diesem Jahr Stromgestehungskosten von 3 US-Cent pro kWh für PV-Projekte möglich sind. Ähnliches gilt für den Technologiebereich Wind Onshore – hier haben sich unter anderem in Brasilien, Kanada, Deutschland, Indien, Mexiko und Marokko Tiefpreise als Zuschlagsergebnis von Ausschreibungen gezeigt.

Große Basis erfahrener international aktiver Projektentwickler senkt Kosten

Dritter Faktor, der die Erzeugungskosten von Strom aus erneuerbaren Energien sinken lässt, sind die Erfahrungen und die Flexibilität derjenigen, die international Energieprojekte realisieren. Die Projektentwickler hätten sich inzwischen an die veränderten Rahmenbedingungen mit dem Wechsel von Einspeisevergütungen zu wettbewerblichen Förderverfahren angepasst, heißt es im Irena-Bericht.

Die Reife und der Erfolg der gewachsenen Liste von realisierten Stromerzeugungsprojekten im Bereich der erneuerbaren Energien habe dazu geführt, dass die Projektrisiken inzwischen von Investoren und Finanzierern als niedrig angesehen werden können – mit der Folge, dass die Kapitalkosten für entsprechende „Standard“-Vorhaben auf internationaler Ebene deutlich gesunken sind.

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