„Die Bundesregierung hat derzeit keine Kenntnis hinsichtlich Stand und Entwicklung von Gesamtleistung und Kapazität sämtlicher in Deutschland verfügbarer Stromspeicher.“ Das schreibt die Bundesregierung in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der FDP. Angesichts der zentralen Bedeutung von Speichern für eine Energiewende, die auf fluktuierenden erneuerbaren Energien gründet, ist diese Aussage in ihrer Absolutheit durchaus bemerkenswert.

Den Wissensstand der Bundesregierung zu Stromspeichern dokumentieren wir auf dem Titel der jetzt erschienenen Ausgabe 36.2019 von EUWID Neue Energie. Die Antworten der Regierung zeigen auch, welchen Handlungsbedarf die Regierung in Sachen Rahmenbedingungen (Stichworte: Prosumer, Multi-Use) sieht – oder eben nicht sieht.

Die Tatsache, dass die Bundesregierung Defizite bei der Information über den Status von Stromspeichern einräumt, weist auf ein grundlegendes Problem der Energiewende hin. Insbesondere Kosten- und Preisstrukturen von Erneuerbaren oder Speichertechnologien ändern sich mit einem Tempo, das es auch den politischen Gestaltern schwer macht, den neuesten Stand stets im Blick zu behalten.

Ergebnis ist auch, dass immer wieder unterschätzt wird, wie wirtschaftlich viele Energiewendetechnologien heute bereits sind. So verschiebt sich der Fokus dann häufig weg von einer Debatte über zielführende Rahmenbedingungen hin zu einer Diskussion, die tendenziell von Sorgen über mögliche Kostenwirkungen getrieben wird. Insoweit spielen Wissensdefizite den Kräften in die Hand, die an einer kraftvollen Umgestaltung der Rahmenbedingungen kein genuines Interesse haben.

Gerade bei den neuralgischen Fragen der Energiewende, wie sie etwa mit Speichern und Lösungen im Bereich Smart Energy verbunden sind, ist die Rahmensetzung aber besonders wichtig, gerade um Marktkräfte freizusetzen. Im Falle des Digitalisierungsgesetzes ist dies dem Gesetzgeber nicht wirklich geglückt, meint der BEE. „Im Fokus des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende stand, neben der Neuorganisation des Messstellenbetriebs, vor allem der Faktor Sicherheit der Daten – nicht aber deren Verwendung in datengetriebenen Geschäftsmodellen“, heißt es hierzu in einem Diskussionspapier.

Der Deckel führt dazu, dass nur ein Bruchteil der möglichen flexibel nutzbaren Leistung bereitgestellt wird.
– Stefan Rauh, Fachverband Biogas

Auch an anderen Stellen wartet die Energiebranche sehnsüchtig auf Korrekturen am legislativen Rahmen. So behindern die vielen Deckel, die im EEG eingezogen wurden, um Kosten zu begrenzen, den weiteren – und dringend erforderlichen – Ausbau der Erneuerbaren. Der „Flexdeckel“ bei der Biomasse ist jetzt erreicht worden. „Der Deckel führt dazu, dass nur ein Bruchteil der möglichen flexibel nutzbaren Leistung bereitgestellt wird“, sagt Stefan Rauh, Geschäftsführer des Fachverbands. (Quelle für Beitragsbild: malp – stock.adobe.com)

Redaktionstipp in dieser Woche:

Die Technologien sind da, aber der Rahmen passt nicht

Smarte Technologien für die Energiewende und das Problem mit den Geschäftsmodellen

Eine Lösung für eine wachsende Zahl von Projekten…

Corporate Green PPAs Treiber der Marktintegration erneuerbarer Energien

…und die passende Übersicht dazu:

EUWID-Übersicht: PPA-Deals in Deutschland und Europa

Update: Power-to-X im Fokus

Power-to-Gas: Potenziale, Grenzen und Geschäftsmodelle

Neuigkeiten rund um das Thema Post-EEG

Pinnwand zum Thema Post-EEG

Stromspeicher: Das Wissen (und Unwissen) der Bundesregierung

Stand und Entwicklung von Stromspeichern: Wissen der Bundesregierung lückenhaft

 

 

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