Strompreiszonen-Trennung: Unterschied scheint sich erst einpendeln zu müssen

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Ob die am 1. Oktober vollzogene Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone tatsächlich zu der erhofften Entlastung der Netze führt, bleibt nach Ansicht des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) abzuwarten. „Dieser Schritt widerspricht in jedem Fall dem Streben nach möglichst großen und damit liquiden Strommärkten in Europa“, erklärte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer.

Ein solches Projekt im größten Strommarkt Europas durchzuführen, bedeute zudem große Umstellungsprozesse bei den Projektpartnern und schränke die Handelsflüsse massiv ein. Die Aufsplittung in kleinere Preiszonen werde jedenfalls nicht den Druck beim Netzausbau mindern.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hatte 2015 erstmals die Trennung der Strompreiszone angekündigt, mit dem Ziel, die Stromnetze zu entlasten und den Bedarf an Redispatch-Maßnahmen zu verringern. Mit der jetzt vollzogenen Aufsplittung haben die beiden Länder keinen einheitlichen Strompreis mehr, was Auswirkungen auf grenzüberschreitende Lieferungen hat. Während die Energieunternehmen bisher ohne Einschränkungen Strom ins Nachbarland liefern konnten, benötigen sie dafür ab sofort Transportrechte.

Wie die BNetzA berichtet, sei die Trennung reibungslos verlaufen und die Auswirkungen auf den österreichischen Strommarkt seien bisher nicht massiv. Die erste Preisindikation war die Versteigerung der Grenzkapazitäten für Oktober vor etwa drei Wochen. Dabei waren Händler bereit, 0,88 €/MWh für die Handelsrichtung von Deutschland nach Österreich zu bezahlen. Das sei eine erste wirkliche Markteinschätzung für den Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland, zumindest für Oktober.

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Preisunterschiede auf Basis von gehandelten Langfristprodukten (Futures) waren in Österreich das Ergebnis einiger weniger Transaktionen und damit kaum belastbar. Von Preisreportern wurden zuletzt im September allerdings auch beträchtliche Preisausschläge nach oben aber auch nach unten berichtet. Auf Jahresbasis scheint ein Unterschied von zwei bis drei € derzeit am wahrscheinlichsten, so die Netzagentur. Das auch wesentlich davon abhängen, wie sich die Gas- und CO2-Preise weiter entwickeln.

„Der Preisunterschied scheint sich erst einpendeln zu müssen“, so der Vorstand der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control, Wolfgang Urbantschitsch. Abzuwarten bleibe, ob die aktuelle Markteinschätzung längerfristig bestätigt wird oder ob es in den kommenden Monaten zu Korrekturen kommt.

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