Strom, Wärme und Verkehr: 7 Infos zur Jahresbilanz der Lechwerke

Investitionen haben 2017 ein Allzeithoch erreicht

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Bildquelle: marcus.hoffmann-Fotolia

Mit hohen Investitionen und Kundenlösungen in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr wollen die Augsburger Lechwerke (LEW) den Umbau des Energiesystems in der Region voranbringen und setzen dabei weiterhin auf das Verteilnetz, dezentrale Lösungen und die Sektorkopplung. Wie das Unternehmen anlässlich der Bilanzvorlage für 2017 mitteilte, erreichten die Investitionen der LEW-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr mit 107 Mio. € ein neues Allzeithoch, und der Großteil werde für die Erneuerung und Modernisierung des regionalen Stromnetzes eingesetzt.

Lechwerke setzen weiterhin auf Verteilnetz, dezentrale Lösungen und Sektorkopplung

Das für die Dividende ausschlaggebende Ergebnis der Lechwerke AG lag 2017 bei 99,3 Mio. € und damit um rund 7,1 Mio. € über dem Vorjahresergebnis. Neben den hohen Investitionen prägt eine insgesamt positive Geschäftsentwicklung die Bilanz der Lechwerke. Das bereinigte EBIT der LEW-Gruppe liegt bei 191 Mio. €. Der im Vergleich zum Vorjahr deutliche Anstieg sei im Wesentlichen auf einen Einmaleffekt zurückzuführen. Hintergrund ist eine Bewertungsumstellung bestehender Pensionsrückstellungen.

1Umsätze auf weiterhin hohem Niveau

Die Umsatzerlöse der Gruppe bleiben mit 2,3 Mrd. € zwar auf sehr hohem Niveau, sie sind aber im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent leicht gesunken, heißt es. Im Umsatz sind die Vergütungen und Marktprämien für Anlagen enthalten, die nach dem EEG gefördert werden. Die LEW-Gruppe ist für Abwicklung und Auszahlung dieser Vergütungen verantwortlich, 2017 wurden insgesamt 760 Mio. € an die Betreiber von EEG-Anlagen im Lechwerke-Netzgebiet ausbezahlt.

2Jede zweite neue PV-Anlage mit Batteriespeicher

Die Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung im Lechwerke-Netz erzeugten 2017 rund 5,7 Mrd. kWh Strom. Damit decken die erneuerbaren Energien rein rechnerisch, die großen Wasserkraftwerke mit eingerechnet, mehr als 75 Prozent des gesamten Strombedarfs aller LEW-Netzkunden ab. Die Erzeugung in eigenen oder vertraglich gebundenen Wasserkraftwerken der LEW-Gruppe lag 2017 bei 838 GWh.

Rund 2.000 neue PV-Anlagen kamen 2017 ans LEW-Netz

Insgesamt waren an das LEW-Netz zum Ende vergangenen Jahres 72.813 Anlagen angeschlossen, die nach dem EEG gefördert werden. Rund 2.000 Photovoltaikanlagen kamen 2017 neu hinzu. Hier setzt sich der Trend hin zu kleinen, auf den Eigenverbrauch ausgerichteten Anlagen fort. Fast 90 Prozent der neu angeschlossenen Anlagen hatten eine Leistung von weniger als zehn kW. Mehr als die Hälfte der 2017 neu angeschlossenen Photovoltaikanlagen ging in Kombination mit einem Batteriespeicher ans Netz, im Vorjahr waren es noch rund 40 Prozent.

3Physikalische und virtuelle Speicherlösungen

Bei Photovoltaik und Batteriespeichern etwa unterstützen die Lechwerke Privat- und Unternehmenskunden bei der Potenzialanalyse, der Konzeption, Umsetzung und dem Betrieb der Anlagen. Auch auf eigenen Liegenschaften baut LEW derzeit Erzeugungskapazität mit Photovoltaikanlagen auf – sowohl mit Freiflächen-, als auch mit Dachanlagen. Seit Sommer 2017 arbeitet LEW mit Varta zusammen.

Kooperation mit Varta

Dabei fungiert der Batteriespeicherspezialist als Hardware-Lieferant, LEW übernimmt die Rolle des Systemdienstleisters. Ein virtueller Speicher, die LEW-SolarCloud, ergänzt das Angebot an Speicherlösungen. Hier werden die erzeugten kWh virtuell auf ein Konto eingezahlt und können bei Bedarf später abgerufen werden.

4Verbreitung der Wärmepumpe und Ausbau der E-Auto-Ladeinfrastruktur

Die Verbreitung der Wärmepumpe treiben die Lechwerke nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten voran. Im LEW-Netzgebiet sei der Anteil der Wärmepumpe mit 15.000 bestehenden Anlagen besonders hoch. Das von LEW entwickelte Konzept Eigenstrom Plus sorge dafür, dass der mit einer Photovoltaikanlage selbst erzeugte Strom sowohl für die üblichen Verbrauchsgeräte im Haushalt als auch für die Wärmepumpe genutzt werden kann.

Derzeit bertreiben Lechwerke rund 150 Ladepunkte

Elektromobilität sei ein anderer wichtiger Baustein beim Umbau des Energiesystems, auch hier haben die LEW das Produktportfolio für die verschiedenen Kundengruppen kontinuierlich erweitert. Derzeit betreiben die Lechwerke rund 150 Ladepunkte, und die für das Laden an den Säulen benötigten Strommengen stammen ausschließlich aus regenerativer Erzeugung. Im Sommer 2017 hat LEW eine Zusage aus dem Bundesprogramm Ladeinfrastruktur erhalten, damit wird das vorhandene Ladennetz in der Region noch einmal deutlich erweitert, auch um Stationen mit Gleichstrom-Schnellladetechnik.

5260 Mio. € Netzinvestitionen geplant

Wie LEW-Vorstand Markus Litpher erklärt, sei das Lechwerke-Stromnetz gut für die aktuellen Anforderungen des dezentralen Energiesystems aufgestellt: „Diesen Weg gehen wir weiter – mit zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur und durch den Einsatz neuer Technologien, die uns helfen, den weiteren Umbau so effizient wie möglich zu gestalten.

In den vergangenen zehn Jahren haben die LEW rund 700 Mio. € in das Stromverteilnetz der Region investiert. Stabile Rahmenbedingungen vorausgesetzt, plant der LEW-Konzern für die kommenden drei Jahre Netzinvestitionen in Höhe von 260 Mio. €. Gleichzeitig gehe das Unternehmen, auch im Netzbetrieb, den Weg der digitalen Transformation konsequent weiter, immer mit dem Ziel, die vorhandene Infrastruktur optimal und effizient zu nutzen.

6Nutzung von Flexibilität im Netz

Des Weiteren berichten die Lechwerke über Projekt, in denen sie neue Ansätze zur Nutzung von Flexibilität im Stromnetz untersucht haben. So das Unternehmen im Sommer 2017 nach knapp drei Jahren Betriebserfahrung das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Smart Operator abgeschlossen. Auch im ebenfalls 2017 abgeschlossenen Projekt ePlanB ging es um die Verschiebung von Stromlast, hier wurde ein intelligentes Lademanagement für Elektroautos entwickelt.

Ansätze zur Nutzung von Flexibilität im Stromnetz werden auch in der Modellregion C/sells untersucht. Die LEW Verteilnetz GmbH ist dem Forschungsvorhaben beigetreten und soll Expertise im Bereich der Nutzung von Flexibilität im Stromnetz einbringen.

7Prognose für 2018

Für das laufende Geschäftsjahr 2018 rechnet LEW nach den derzeitigen Planungen mit einem leichten Rückgang beim Stromumsatz – mit unterschiedlichen Entwicklungen in den Kundensegmenten: Im Bereich Energieversorgungsunternehmen/Vertriebshandel geht das Unternehmen von rückläufigen Umsätzen aus, im Geschäftskundenbereich werden steigende Umsätze erwartet. Die Erlöse bei Privat- und Gewerbekunden werden voraussichtlich auf Vorjahresniveau bleiben und im Gasgeschäft werden sie sich voraussichtlich weiterhin positiv entwickeln.

Das betriebliche Ergebnis wird 2018 voraussichtlich deutlich unter dem Vorjahreswert liegen. Der ausschlaggebende Grund dafür sei der Einmalertrag aus der Bewertungsumstellung bestehender Pensionsrückstellungen. Die Investitionen sollen auch im 2018 auf dem außerordentlich hohen Niveau bleiben.

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