Streit ums Fischen in Offshore-Windpark Nordergründe

309

In der Nordsee ist ein Streit ausgebrochen den so niemand erwartet hätte. Wie verschiedene Medien berichten,  hat der Küstenfischereiverband an das Bundesverkehrsministerium den Antrag gestellt, in der Sicherheitszone des Windparks Nordergründe auf Fischfang gehen zu dürfen. Die Offshore-Industrie ist dagegen.

Der Offshore-Windpark liegt ca. 15 km nordöstlich von Wangerooge. Anders als in Dänemark, wo das Fischen rund um die Windanlagen zumindest teilweise erlaubt ist, ist Fischfang in Offshore-Windparks in Deutschland verboten. Zu groß sei die Gefahr, dass die Fischer mit ihren Netzen Seekabel nach oben zerren könnten oder mit ihren Booten den Korrosionsschutz der Anlagen beschädigen könnten. Auch würde sich das Kollisionsrisiko erhöhen, wenn etwa zu den regelmäßigen Wartungsarbeiten im Offshore-Park zusätzlich noch Fischereifahrzeuge im Park umherführen.

Versicherbarkeit der Windparks als Argument gegen Fischerei

Die Offshore-Industrie befürchtet im Falle einer Kollision zudem Probleme der Versicherbarkeit der Windparks. Man gehe davon aus, dass Fischereifahrzeuge nicht über eine Versicherung mit ausreichend hohen Abdeckungssummen verfügten. Im Falle eines Schadens an der Windkraftanlage könnte es zu Ausfallsummen in Millionenhöhe kommen.

Quelle: wpd AG – Windpark Nordergründe

Da die Windkraftanlagen im Meer aber einen guten Schutz für viele Meerestierarten bieten, haben Berufsfischer nun Ansprüche an die üppigen Fischbestände in den von der Schleppnetzfischerei befreiten Offshore-Windparks angemeldet, berichtet der Küstenfischereiverband. Insbesondere kleine Fischereibetriebe könnten durch eine Ausweitung der Fangerlaubnis auch in Offshore-Windparks ihre Existenz sichern, heißt es seitens des Verbands.

Fischerei und Großindustrie konkurrieren um Platz im Meer

„Uns werden immer mehr Fanggebiete weggenommen“, klagt Günter Grothe, Chef des Verbands der Küsten- und Kutterfischer in MV. Bis 2030 verlieren die Betriebe schrittweise das Recht, ihre Netze in den „Natura 2000“-Schutzgebieten auszuwerfen. „Das sind riesige Flächen“, erklärt Grothe. Dazu fordert die Windkraft mehr Flächen. Die Flächen im Meer sind begrenzt: Schifffahrtswege, Naturschutzgebiete, militärische Übungsflächen und Offshore-Windparks konkurrieren um den Platz im Meer.

Jahrelang haben Naturschutzverbände wie der NABU gegen die Errichtung von Offshore-Windparks protestiert, teilweise sogar geklagt. So hat der NABU zum Beispiel gegen den Offshore-Windpark Butendiek aus Gründen des Artenschutzes von Schweinswalen und Vögeln geklagt. Zuletzt hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) nachgewiesen, dass Windparks aufgrund ihrer Schutzzonen und der Einrichtung künstlicher Riffs zu „einer deutlichen Erhöhung der Artenvielfalt und Anzahl von Fischen“ beitragen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein