Heute ist in München der Startschuss für die Innovationsplattform „The smarter E Europe Restart 2021“ und die vier parallel stattfindenden Energiefachmessen Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe gefallen. Die Themen der Veranstaltungen widmen sich gleich mehreren der drängendsten Fragestellungen der Energiewende. (Nachweis für Beitragsbild: Solar Promotion)

Nur im Mix verschiedener erneuerbarer Energieträger, flächendeckender Speicherinfrastrukturen und einer intelligenten Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr lasse sich die Energiewende umsetzen, heißt es von Seiten der Messeveranstalter. Für Deutschland und Europa bedeute das vor allem, den Photovoltaik-Ausbau zu vervielfachen, um eine Stromlücke, die durch einen zu langsamen Ausbau drohen könnte, zu schließen.

Laut einer Analyse von EUPD Research droht eine entsprechende Stromlücke in Deutschland ab 2022 und könnte sich in den Folgejahren zunehmend ausweiten – im Jahr 2025 auf über 100 Terawattstunden (TWh). „Diese Stromlücke kündigt sich aufgrund des steigenden Strombedarfs durch die Elektrifizierung des Verkehrs- sowie von Teilen des Wärmesektors an – bei gleichzeitiger Abschaltung der Atom- und Kohlekraftwerke und dem zu geringen Ausbaupfad für die wesentlichen erneuerbaren Energien Photovoltaik und Windenergie“, heißt es. „Wir müssen jetzt den ‚Solar- und Speicherturbo‘ einlegen, um fossile Kraftwerkskapazitäten rechtzeitig zu ersetzen. Konkret heißt das, die Solarisierung unserer Energieversorgung schnellstmöglich mindestens um den Faktor drei bis vier zu beschleunigen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW). ”

Neben dem schnelleren Ausbau der Photovoltaik mit klassischen Dach- und Freiflächenanlagen könnten gebäudeintegrierte PV-Anlagen (BIPV) und Agri-Photovoltaik (Agri-PV) auf landwirtschaftlichen Flächen ebenso beitragen wie die Nutzung von Wasserflächen. „Floating PV“ bietet den Vorteil neue Flächen für die Energiewende nutzen zu können und Landnutzungskonflikte zu minimieren. Auch diesem Thema widmet sich die Intersolar Europe, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, sowie die begleitende Intersolar Europe Conference.

Grüner Wasserstoff als wichtiger Faktor für den Ausbau von Photovoltaik und Windkraft

Damit die Energiewende und die neue Energiewelt funktionieren können, seien neben dem Ausbau der Solar- und Windenergie auch effiziente Stromspeicher für diese Systeme gefragt. Vor allem für die kurzzeitige Stromspeicherung werden Batteriespeicher in Zukunft von zentraler Bedeutung sein, insbesondere angesichts der aktuellen Ausweitung von Produktionskapazitäten und der damit einhergehenden weiteren Kostensenkung.

Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), wurden allein im privaten Bereich in Deutschland im vergangenen Jahr rund 88.000 neue Heimspeicher installiert und damit nahezu jede zweite PV-Anlage mit einem Batteriespeicher kombiniert. Der geplante deutliche Ausbau der Kapazitäten zur Produktion von grünem Wasserstoff komme jetzt hinzu „und tritt als ein weiteres Schlüsselelement der Energiewende immer stärker in den Fokus“, fassen die Messerveranstalter die absehbare Entwicklung zusammen. Grüner Wasserstoff werde damit zu einer wichtigen Option, um die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr über regenerative Energien enger aneinander zu koppeln. Mit grünem Wasserstoff lassen sich zudem Anwendungen in der Industrie, bei Schiffs-, Schwer- und Flugverkehr dekarbonisieren, die nicht direkt elektrifiziert werden können.

Auch die Europäische Union setzt auf den Energieträger Wasserstoff. Mit ihrer Wasserstoffstrategie will sie in den kommenden drei Jahrzehnten mindestens 470 Mrd. € in die vorzugsweise erneuerbare Wasserstofferzeugung investieren, davon 340 Mrd. € in Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Insbesondere auf der ees Europe Restart wird im Rahmen des Messeverbunds über das Thema diskutiert. Mit dem während der Messe stattfindenden „The smarter E – Green Hydrogen Forum“ widmet die Messe dem Thema in diesem Jahr erstmals einen eigenen Bereich und versammelt Branchenvertreter der gesamten Wertschöpfungskette. Zudem treffen sich Unternehmer, die Wasserstoff, Brennstoffzellen, Elektrolyse und Power-to-Gas in die Märkte bringen wollen, im Ausstellungsbereich „Green Hydrogen Forum & Expo“ in Halle B6.

Digitalisierung für die intelligente Steuerung eines komplexen Energiesystems

Machine Learning, künstliche Intelligenz (KI) und Big Data schaffen neue Möglichkeiten für das Design von Energiesystemen, die Anlagenkonfiguration, vorausschauende Wartung, Monitoring und Ertrags- und Wetterprognosen (Forecasting). All dies dient der Reduzierung der Stromgestehungskosten und damit der Rentabilität der Anlagen. Sie spielen aber auch gesamtwirtschaftlich eine zentrale Rolle für das Gelingen der Energiewende: „Digitale Anwendungen sorgen in Zukunft für die intelligente Steuerung und Verteilung eines immer komplexer werdenden Energiesystems und bringen Angebot und Nachfrage in Einklang – egal ob in der energieintensiven Industrie, auf regionaler Ebene oder in Quartieren und Einfamilienhäusern“, heißt es bei den Veranstaltern der Smarter E.

Die Kundenseite des Energiebereichs findet auf der EM-Power Europe ihre Plattform. Immer mehr Firmen versorgten ihren Betrieb kostengünstig und umweltfreundlich mit Elektrizität und betrieben ihre Produktionsprozesse klimaneutral. Um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, werde ein niedriger Carbon Footprint in Zukunft essenziell sein. „Nachhaltigkeitsratings führen nicht nur immer mehr Kapitalgeber für ihre Investitionsentscheidungen ein, sondern auch große Konzerne für die Auftragsvergabe an Zulieferer.“ Der Weg zum klimaneutralen Unternehmen ist eines der Fokusthemen der EM-Power Europe. Auch im EM-Power Forum in Halle B5 nimmt das Thema einen größeren Raum ein. Daneben stehen Sektorkopplung in Gebäuden und Quartieren sowie Zukunftsthemen rund um Smart Grids und Netzinfrastruktur auf dem Programm.

Verkehrswende: Power2Drive debattiert die Zukunft der Mobilität

Ähnlich wie Tankstellen heute, werden die Betreiber von Ladeinfrastruktur sowie deren Service Provider in naher Zukunft eine zentrale Rolle in der Mobilität einnehmen – und damit systemrelevant werden. Strom werde „idealerweise“ mit erneuerbaren Energien vor Ort erzeugt. Über den grünen Ladestrom wachsen der Energie- und Mobilitätsektor zusammen. „Umso wichtiger ist die sinnvolle und effiziente Verteilung des zur Verfügung stehenden Stroms und damit die Einbeziehung der Netze, Gebäude und Fahrzeuge sowie der Stand- und Ladezeiten“, betonen die Macher der Smarter E. Intelligente Ladesysteme mit entsprechendem Energie- und Lastmanagement, sowie einfache Bezahlfunktionen zur Abrechnung des Ladestroms sind notwendig.

Technische Innovationen und die Digitalisierung spielen auch in der Fahrzeugproduktion eine große Rolle – erst recht, seit die EU mit dem Gesetzespaket „Fit für 55“ die Dekarbonisierung im Verkehr ins Zentrum stellt. Schon heute treiben E-Fahrzeuge neue Mobilitätskonzepte voran und stellen als flexibler Zwischenspeicher grüner Energie (Vehicle2Grid) einen gesellschaftlichen Mehrwert dar. Die Power2Drive Restart 2021 präsentiert Ladelösungen und Technologien für Elektrofahrzeuge und die Wechselwirkung zwischen Elektrofahrzeugen und einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung. 

Die ursprünglich für den Juli 2021 vorgesehene The smarter E Europe findet vom 6. bis 8. Oktober statt und überbrückt mit 4 Messen, 45.000 m² Ausstellungsfläche, 450 Ausstellern, 2 Konferenzen (Intersolar Europe Conference und ees Europe Conference) und 3 Messeforen die Übergangszeit bis zur nächsten regulären The smarter E Europe am 11.-13. Mai 2022. Veranstalter der The smarter E Europe sind die Solar Promotion GmbH, Pforzheim, und die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM).

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