Solarworld: Vorstand schätzt Risikolage des Konzerns als „sehr hoch“ ein

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Der Vorstand der Solarworld AG sieht für das Unternehmen eine erhöhte Gesamtrisikolage. Das ergibt sich aus dem jetzt vorgestellten Konzernbericht für das Jahr 2016. „Aufgrund des verschärften Wettbewerbsdrucks, der weltweiten Überkapazitäten und des daraufhin gestiegenen Preis- und Kostensenkungsdrucks schätzt der Vorstand des Unternehmens die Risikolage des Konzerns als sehr hoch ein“, heißt es in dem Bericht.

Die auf Solarworld wirkenden Einzelrisiken könnten sich gegenseitig beeinflussen und damit die gesamte Risikolage des Konzerns verschlechtern. Chancen, die der Konzern als Ergebnis seiner strategischen Fokussierung durchaus sieht, sind bei der Risikobeurteilung nicht mit einbezogen.

“Bestandsgefährdende Folgen” möglich, wenn Strategie nicht aufgeht

Sollten sich die von Solarworld erwarteten positiven Auswirkungen durch die eingeleiteten strategischen und operativen Maßnahmen nicht einstellen, würde sich dies negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft und des Konzerns auswirken „und könnte bestandsgefährdende Folgen haben“, heißt es in dem Bericht. Ferner könnten die Ansprüche des Zulieferers Hemlock Semiconductor in der gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Solarworld Industries Sachsen GmbH in den USA „aufgrund ihrer Höhe ebenfalls bestandsgefährdende Folgen haben, falls diese rechtskräftig würden und wider Erwarten in Deutschland vollstreckt werden könnten“. Aus heutiger Sicht gehe der Vorstand der Solarworld AG davon aus, dass der Fortbestand der Gesellschaft und des Konzerns gegeben ist. Für Solarworld stellt sich die Frage, wie man sich in einem schärferen Wettbewerb behaupten und nachhaltig Geld verdienen kann. Das Ergebnis der Überlegungen ist die Fokussierung auf monokristalline Hochleistungsprodukte mit der PERC-Technologie. „Mit der Fokussierung setzen wir die bisherige Strategie konsequenter denn je um, Kunden mehr als der Wettbewerb zu bieten“, heißt es weiter.

Fokussierung als “Hebel, um radikaler als bisher die Kosten zu senken”

Die Fokussierung sei der Hebel, um radikaler als bisher die Kosten zu senken. Bisher habe man sowohl monokristalline als auch die multikristalline Technologie verfolgt und viele Modulvarianten und Leistungsklassen angeboten. „Dieses vielfältige Portfolio hatte in der Vergangenheit seine Berechtigung, war aber auch mit hoher Komplexität und hohen Kosten verbunden“, berichtet Solarworld. „Wenn wir uns jetzt auf die für uns beste und zukunftsfähigste Technologie konzentrieren, reduziert das den Aufwand in fast allen Unternehmensbereichen erheblich.“

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Derzeit repräsentierten monokristalline Solarstromtechnologien rund 30 Prozent des weltweiten Solarmarktes. Solarworld geht davon aus, dass dieser Anteil wachsen wird und das Kostensenkungspotenzial monokristalliner Technologien höher ist als bei den multikristallinen und Dünnschichtalternativen. Durch die geplante Fokussierung bestehe gleichwohl ein „mittleres Risiko, dass unvorhersehbare Verbesserungen und Kosteneinsparungen bei anderen Technologien die monokristallinen Technologien verdrängen, sodass das antizipierte Nachfragewachstum nicht stattfindet.“

Preisdruck am Markt als hohes Risiko

Als akutes Problem stellt der Bericht den Preisdruck am Markt in den Fokus, der sich durch den Wettbewerb und die Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den Kernmärkten verschärfen könne. „Schlechtere Förder- und Finanzierungskonditionen für den Kauf von Solaranlagen könnten zu Nachfragerückgängen führen. Maßnahmen gegen Dumping könnten gelockert oder umgangen werden. Aufgrund des aktuellen Überangebots im Solarmarkt schätzen wir die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Risikos als hoch ein“, heißt es im Konzernbericht weiter. Für das laufende Jahr zeigt sich Solarworld gleichwohl relativ zuversichtlich. Die weltweite Nachfrage für Solarstromprodukte solle sich 2017 leicht erhöhen. Man gehe davon aus, dass die Absatzmenge gegenüber dem Vorjahr steigen werde. Der Konzernumsatz dürfte in etwa auf dem Niveau des vergangenen Jahres bleiben, als Solarworld 803,1 Mio. € erwirtschaftet hat. Die operativen Zahlen sollen sich durch die eingeleiteten Maßnahmen verbessern; „das EBIT 2017 wird allerdings noch negativ bleiben“.

2017 als “Jahr des Übergangs”

2017 werde ein Jahr des Übergangs, in dem die Grundlage für zukünftiges Wachstum gelegt werden soll. „Mit Einsparungen allein ist die Zukunft nicht zu gewinnen“, heißt es weiter. Solarworld investiere deswegen 2017 einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an den Produktionsstandorten, Freiberg und Arnstadt in Deutschland und Hillsboro in den USA. Die Investitionen fließen in Diamantdrahtsägen und die weitere Umrüstung und den Ausbau von PERC-Kapazitäten. Der Konzern erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 803,1 Mio. € (Vorjahr: 763,5 Mio. €). Das operative Ergebnis lag bei -98,8 Mio. € (Vorjahr: -4,2 Mio. €). Unter dem Strich steht ein Konzernverlust von 91,9 Mio. € nach einem Fehlbetrag von 33,3 Mio. € im Vorjahr.

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