Solarworld-Chef prangert "Industriekrieg" seitens China an

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Frank Asbeck, Vorstandschef des Photovoltaik-Konzerns Solarworld, hat die Wettbewerbspolitik zum Handeln gegen chinesische Dumping-Anbieter aufgerufen. „In unserer Branche gibt es keinen fairen Wettbewerb. Die Chinesen haben einen Industriekrieg begonnen“, sagte Asbeck dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ in der morgen erscheinenden Ausgabe.

Der Zentralstaat und die Provinzen hätten den Solarunternehmen allein in diesem Jahr Kreditzusagen über 21 Mrd. € gegeben, zu Zinsen von unter zwei Prozent.
Mit diesem Geld würden die Konzerne in China „massiv Kapazitäten ausbauen und ihre Produkte zu Dumping-Preisen von teilweise bis zu 30 Prozent unter den Herstellungskosten anbieten“. Deutschland müsse sich fragen, ob man diese Industrie komplett nach China abgeben wolle. „Man kann doch ermitteln, wo die Kosten eines Herstellers liegen. Und wenn der versucht, riesige Mengen zu Niedrigpreisen anzubieten, um eine ganze Industrie zu zerstören, muss die Wettbewerbspolitik eingreifen“, sagte Asbeck dem Magazin.

Chinesische Unternehmen dominieren den weltweiten Photovoltaikmarkt stärker als je zuvor. Im abgelaufenen Jahr konnten die Unternehmen aus dem Reich der Mitte fast die Hälfte des weltweit erzielten Umsatzes (45 Prozent, 2009: 36 Prozent) auf sich vereinen, heißt es in einer Studie der Beratungsfirma PRTM (EUWID 15/2011). Die operativen Gewinne versechsfachten sie dabei auf zwei Mrd. € (2009: 313 Mio. €). Das sind der Analyse zufolge fast 60 Prozent (2009: 36 Prozent) der weltweit erwirtschafteten Profite.

Laut Asbeck bedrohen aber nicht nur die Chinesen den deutschen Solar-Standort: „Da werden ganz andere kommen, etwa Samsung aus Südkorea und Foxconn aus Taiwan. Für die Elektronik-Riesen wird der Photovoltaik-Markt jetzt richtig interessant.“ Zurzeit sei er 40 Mrd. US-Dollar schwer, bis 2020 wird er sich dem Solar-Unternehmer zufolge verfünffachen. Asbeck äußerte auch Kritik an deutschen Unternehmen und zweifelt, ob sie diesem Wettbewerb gewachsen sind: „Einige Unternehmen haben vielleicht verkannt, dass es internationalen Wettbewerb gibt. Sie haben sich nur auf staatliche Anreize verlassen.“

Das große Angebot auf dem Solarmarkt stößt derzeit auf eine verhaltene Nachfrage – was seit Monaten zu einem Preisverfall führt. Viele Unternehmen der Branche fahren Verluste ein und haben schon ihre Prognosen zusammengestrichen. Einige kündigten Stellenabbau an. Zuletzt hat in dieser Woche der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar seine Gewinnerwartung deutlich nach unten korrigiert. Etwa 1.000 Zeitarbeiter müssen bis zum Jahresende gehen.

Die Ausgabe 19/2011 von EUWID Neue Energien vom 21. September umfasst 144 Nachrichten auf 44 Seiten. Titelthema ist eine Analyse des weltweiten Marktes für Biomassekraftwerke.

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