Solarbranche fordert unbeirrt von Krise bei Solarworld, Centrosolar & Co. massiven Ausbau der Solarstromerzeugung in Deutschland

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Nach den Vorstellungen des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) soll die Photovoltaik im Jahr 2030 mindestens 20 Prozent zur Stromversorgung in Deutschland beitragen. Kurzfristig sei die Solarenergie dabei noch von einer gesellschaftlichen Förderung abhängig. Die Erschließung neuer selbsttragender Geschäftsmodelle benötige zwar noch etwas Zeit, betonte BSW-Solar-Präsident Günther Häckl. Aber: „Bei hohen Eigenverbrauchsquoten selbst erzeugten Solarstroms erreichen wir bei weiter sinkenden Photovoltaik-Preisen in einigen Marktsegmenten schon in wenigen Jahren die Zielmarke: Neue Photovoltaik-Anlagen werden auch ohne Förderung wirtschaftlich selbsttragend“, sagte Häckl. Der Titelbericht von EUWID Neue Energien 17/2013 stellt die Ausbaupläne der Solarbranche in den Kontext der Debatte um Netzstabilität und Strommarktdesign. Die Publikation ist am 24. April erschienen und umfasst insgesamt 90 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 28 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der aktuellen Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):

Übergreifende Themen

Die von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) geplante und von Anfang an umstrittene Strompreisbremse liegt auf Eis. Das für diese Woche geplante Treffen mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder wurde vom Kanzleramt abgesagt. Eine Einigung vor der Wahl sei „nicht in Sicht“, sagte eine Sprecherin der Bundesregierung am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Bund und Länder hatten noch bis Mai die Chancen für eine Einigung ausloten wollen. Schon im März war Altmaier mit dem Versuch gescheitert, Bund und Länder auf sein Projekt einzuschwören, auf das auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Wert legte. Daraufhin hatte das Kanzleramt die Regie übernommen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte eine Verständigung jedoch skeptisch beurteilt. Eine Entlastung für den EEG-induzierten Anstieg der Strompreise hätte eine Verknappung von Zertifikaten im Emissionshandel bringen könnte. Konsequenterweise hatte sich Umweltminister Altmaier für ein entsprechendes „Backloading“ stark gemacht, während Wirtschaftsminister Rösler im Interesse der Industrie jeglichen Eingriff in ein „funktionierendes Marktsystem“ vehement ablehnt. Das Europaparlament schwenkte auf Röslers Linie ein und erteilte dem Backloading eine Absage. Wie jetzt bekannt wurde, fiel die Ablehnung allerdings knapper aus als zunächst vermutet. Tatsächlich räumten mehrere Parlamentarier ein, versehentlich den falschen Knopf gedrückt zu haben. Dass so viele Parlamentarier nicht richtig bei der Sache gewesen seien, zeige, dass ihnen die Folgen des Negativ-Votums für den Klimaschutz nicht bewusst gewesen seien, kommentierte der Grünen-Europaabgeordnete Bas Eickhout den Vorgang gegenüber dpa insight EU. „Zeit endlich aufzuwachen.“ EUWID Neue Energien 17/2013 berichtet über eine Reihe weiterer Geschehnisse mit erzeugungsform-übergreifender Bedeutung. Unter anderem kommen die Kritik des OLG Hamm an der EEG-Umlage und die Bedenken des BUND in Mecklenburg-Vorpommern mit Blick auf den unbeschränkten Ausbau erneuerbarer Energien zur Sprache. Eine Reihe von Preis- und Marktdaten ergänzen die übergreifende Berichterstattung.

Bioenergie

Aufgrund der weltweit steigenden Pelletnachfrage baut der Wismarer Produzent German Pellets seine jährliche Produktionskapazität in den USA um eine Mio. Tonnen aus. Das neue Werk, für das Vecoplan die Technik liefern soll, wird in Urania im Norden des Bundesstaats Louisiana entstehen. Dabei handelt es sich bereits um das zweite Werk von German Pellets in den USA, in Woodville soll noch in diesem Monat ein 500.000-Tonnen-Pelletwerk in Betrieb gehen. In Punkto Rohstoffverfügbarkeit und Rohstoffpreis gewinnt German Pellets damit eigenen Angaben zufolge deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber europäischen Produzenten. Die österreichische Pfeifer-Gruppe setzt hingegen auf die Nähe zu den europäischen Märkten. Im hessischen Lauterbach hat die Gruppe ihr mittlerweile fünftes Pelletwerk eingeweiht und erhöht damit ihre Kapazität auf 480.000 Tonnen im Jahr. Im spanischen Babilafuente hat auch Abengoa Bioenergy eine neue Anlage in Betrieb genommen. In der Demonstrationsanlage soll Bioethanol aus Siedlungsabfällen erzeugt werden. Damit befindet sich das Unternehmen auf einer Linie mit der Europäischen Kommission, die eine Erzeugung von Biokraftstoffen aus Abfällen und Reststoffen voranbringen will. Auch die Berichterstatterin im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments Corinne Lepage hat sich in einem aktuellen Vorschlag dafür ausgesprochen, Biokraftstoffe aus Abfällen zu fördern und den Einsatz von Biokraftstoffen der ersten Generation zu begrenzen, um indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC) zu vermeiden. Als Maßnahme sieht Lepage die Einführung rohstoffspezifischer ILUC-Faktoren im Jahr 2017 vor. Unternehmensmeldungen über EnviTec Biogas, Schradenbiogas, KTG Energie und weitere Marktakteure runden die Berichterstattung zum Bioenergiebereich ab. Im Marktbereich der NE-Ausgabe 17/2013 finden sich zudem Angaben zu Preisen für Getreide, Biodiesel und Holzpellets sowie der EUWIDMarktbericht für Sägerestholz.

Solarenergie

Die Hiobsbotschaften aus der Solarbranche reißen nicht ab. Das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld stürzte 2012 tief in die roten Zahlen, das Eigenkapital ist nach Unternehmensangaben komplett aufgezehrt. Die Anleger reagierten entsetzt. Die Aktie brach am Donnerstag der vergangenen Woche zeitweise um mehr als 30 Prozent auf 0,56 € ein. Zur Zeit des Solarstrom-Booms 2007 notierte das Papier noch bei 47,95 €. Schlechte Nachrichten kommen auch vom Solarmodulhersteller aleo solar. Das Unternehmen rutschte im ersten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) stehen von Januar bis Ende März 16,3 Mio. € Verlust, wie das in Oldenburg und Prenzlau ansässige Unternehmen am vergangenen Donnerstag mitteilte. Damit verdoppelte sich das Minus gegenüber dem ersten Vorjahresquartal (minus 8,2 Mio. €). Als positiv wertet aleo-solar-Chef York zu Putlitz, dass der Marktanteil des Unternehmens in Deutschland von 1,37 Prozent im ersten Quartal 2013 leicht auf 1,6 Prozent gesteigert worden sei. Im März 2013 sei der Marktanteil gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,46 Prozent gestiegen. Der Wind bläst der Branche mithin weiter kräftig ins Gesicht. Zuletzt hatten mit Siemens und Bosch große Technologiekonzerne ihren Ausstieg aus der Solarstromerzeugung vermeldet. Als Überraschung darf vor diesem Hintergrund eine aktuelle Mitteilung der ABB-Gruppe gewertet werden: ABB kündigte an, den US-Wechselrichterhersteller Power-One zu übernehmen. Die Schweizer lassen sich die Übernahme rund eine Mrd. US-Dollar kosten. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt das Solargeschäft auszubauen, sagte ABB-Chef Joe Hogan. „Die Photovoltaik macht rapide Fortschritte.“ Er verwies auf eine Studie, wonach die PV-Branche bis 2021 um mehr als zehn Prozent pro Jahr wachsen werde. Unternehmensmeldungen im Solarbereich befassen sich in EUWID Neue Energien 17/2013 unter anderem mit den aktuellen Entwicklungen bei Solarwatt und Jinko Solar. Thematisiert werden auch das PV-Speicherprog
ramm
, das im Mai in Kraft treten soll, die Potenziale der Dünnschicht-Photovoltaik und die Solarstromeinspeisung in den Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber.

Windenergie

Die Berichterstattung zur Windenergie beschäftigt sich in dieser Woche mit Niedersachsens Bekenntnis zum Austausch älterer Anlagen gegen neue, leistungsstärkere und effizientere Modelle. Anstatt neue Flächen in Niedersachsens Wäldern für den Bau von Windrädern zu erschließen, wolle man sich verstärkt auf das Thema Repowering konzentrieren, erklärte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage dreier FDP-Abgeordneter. In Rheinland-Pfalz wurde unterdessen der konkrete Fahrplan für den Ausbau der Windenergie beschlossen. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) bestätigte die Verabschiedung des aktualisierten Landesentwicklungsprogramms durch das Kabinett. Vor einem Investitionsstau im Bereich der Windenergie hat in der vergangenen Woche der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gewarnt. Zwar rechnet der Verband mit dem Neubau von 3,2 GW Windkraftleistung in diesem Jahr. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinweg täuschen, „dass die Entscheidungen aus Berlin sich unmittelbar auf das zu erwartende Neubauvolumen in 2014 auswirken werden“, erklärten die Vertreter der deutschen Maschinen- und Anlagenhersteller. Aus dem Offshore-Bereich gibt es in dieser Woche die Inbetriebnahme der Umspannstation am Windpark Borkum sowie eine Ankündigung der Europäischen Investitionsbank (EIB) zu vermelden, die die Windstrom-Erzeugung auf hoher See mit Milliardenkrediten unterstützen will. Kooperationsabsichten bei Windenergie-Projekten meldeten der Energiekonzern EnBW und die Stadtwerke Esslingen, während der Windpark-Projektierer PNE gar den Kauf von 54 Prozent der Anteile am Husumer

Wasserkraft

Bis auf eine Erweiterung wird in den nächsten beiden Jahren voraussichtlich kein neues Pumpspeicherkraftwerk in Deutschland gebaut. Wie aus der neuen Kraftwerksliste des Aachener Beratungsbüros BET hervorgeht, befindet sich derzeit nur der Pumpspeicher in Vianden im Ausbau (EUWID 16/2013). In diesem Jahr soll die Kapazität der Anlage um 200 MW auf rund 1.300 MW erhöht werden. An dem Kraftwerk Vianden ist auch der Essener Versorger RWE beteiligt, der seinen Spitzenstrom aus der Anlage bezieht. In der Projekt-Pipeline stehen zehn Pumpspeicheranlagen, deren Bau aber ungewiss ist. Das größte Projekt Atdorf von RWE und EnBW am Schluchsee im Schwarzwald mit einer Leistung von rund 1.400 Megawatt steht aufgrund der hohen Investitionskosten besonders auf der Kippe. Die Investitionskosten von etwa einer Mrd. € müssten gedeckt werden, betonen RWE und EnBW. „Wir überlegen, wie das Pumpspeicherkraftwerk realisiert werden kann“, hatte Alexander Frohne von RWE Power im vergangenen Jahr noch mitgeteilt. Seitdem hat sich nicht viel verändert auf dem deutschen Strommarkt.


Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:

Ausgabe 16/2013 (17. April): Zahl der Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien 2012 erstmals gesunken Ausgabe 15/2013 (10. April): Diskussion um Kosten der Offshore-Windkraft wird immer kontroverser geführt Ausgabe 14/2013 (4. April): Fortschrittsbericht der EU-Kommission zu Erneuerbaren: Es besteht Anlass zur Sorge" Ausgabe 13/2013 (27. März): „Fatales Signal“ und „Gipfel der Planlosigkeit“: Energiewirtschaft kritisiert Bund und Länder Ausgabe 12/2013 (20. März): „Strompreisbremse bewirkt seit einem Monat Investitionsstopp bei allen Erneuerbare-Energien-Projekten“

EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt

Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.

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