Solar-Pachtmodelle in NRW: Für den Kunden nicht immer eine wirtschaftliche Wahl (update)

Verbraucherzentrale NRW analysiert Stichprobe in 13 Städten

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Quelle: EUWID

Pachtmodelle für Photovoltaikanlagen gehören inzwischen zum Standardangebot von vielen Energieversorgern. In Nordrhein-Westfalen ist es gut jedes vierte Stadtwerk, das Pachtmodelle oder den Kauf von PV-Anlagen anbietet. Die Verbraucherzentrale NRW hat nun in einer Stichprobe geprüft, ob sich entsprechende Angebote für die Kunden finanziell lohnen.

Update Update
Die ASEW hat sich am 8. Dezember zu der Studie geäußert – die Reaktion ist in der Box im Artikel berücksichtigt.

Untersucht wurden Angebote in 13 Städten. Dabei wurden große Unterschiede festgestellt. Beim Schlusslicht etwa machte der angenommene Fünf-Personen-Beispielhaushalt über eine Pachtzeit von 18 Jahren satte 8.734 € Verlust, heißt es seitens der Verbraucherzentrale. In anderen Orten hingegen konnte derselbe Beispielhaushalt ein Plus verbuchen – bis zu 869 € bei den Wuppertaler Stadtwerken. Insgesamt erwiesen sich in der Beispielrechnung nur 3 der 13 Angebote unter den getroffenen Annahmen als wirtschaftlich.

Die Analyse der Verbraucherzentrale NRW kann hier heruntergeladen werden (pdf)

Pachtmodelle für Photovoltaikanlagen können finanziell attraktiv sein, stellt die Verbraucherzentrale NRW fest. Trotzdem sei es der Großteil nicht, „und manch ein Pachtangebot der örtlichen Energieversorger ist schlicht inakzeptabel“. Die wirtschaftlichsten Modelle schnitten in der Untersuchung günstiger ab als die Finanzierung über einen Förderkredit und teils sogar als der Barkauf. Dass das Pachten in manchen anderen Orten ein Verlustgeschäft von mehreren Tausend Euro ist, werde „im Gesamtkonzert der lauten Werbebotschaften“ nicht immer deutlich genug, bemängeln die Verbraucherschützer. Die Verbraucherzentrale NRW prüfe daher rechtliche Schritte gegen die Darstellung finanzieller Vorteile in einzelnen Angebotsbewerbungen.

Eigenverbrauch ist entscheidendes Kriterium

In ihren eigenen Angebotsrechnern legten manche der Energieversorger der Untersuchung zufolge teils unrealistische Werte zugrunde. Dies gelte vor allem für den Anteil des Solarstroms, der im Haushalt selbst verbraucht wird. Der Eigenverbrauch lohnt sich mehr als die Einspeisung in das Netz und ist deshalb mitentscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Vor allem acht von neun Versorgern, die ihr Pachtmodell in Kooperation mit der Vattenfall Smarter Living GmbH umsetzen, rechneten ihre Angebote mit zu hohen Eigenverbrauchsquoten schön.

ASEW: Pachtmodelle bieten Kunden Chance auf Teilhabe an der Energiewende

Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) im Verband kommunaler Unternehmen (VKU) leisten die Pachtmodelle „genau das, wofür sie gedacht sind“. Sie ermöglichten auch den Menschen eine Teilhabe an der Energiewende, „die nicht ohne weiteres Investitionen im fünfstelligen Bereich für eine eigene PV-Anlage tätigen können“, heißt es in einer Reaktion auf die Veröffentlichung der Studie.

Unstrittig sei, dass der Direktkauf einer PV-Anlage für die Eigenversorgung günstiger ist als pachten, betont die ASEW. Dieser Effekt zeige sich etwa auch bei der Gestaltung von Leasingraten für Autos oder dem in die monatlichen Mobilfunktarife integrierten Gerätekauf. „Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, wollen und müssen damit zumindest langfristig Gewinne machen“, sagt Samy Gasmi, Leiter Stadtwerke-Beratung bei der ASEW. Zu bedenken sei dabei, dass die den Kunden überlassenen Geräte vorfinanziert wurden.

“Genügend Menschen, die diese Investition nicht sofort zu leisten in der Lage sind”

Diese Kosten würden in die Kalkulation von Preisen einbezogen – „selbstverständlich inklusive einer individuell gestalteten Marge.” Auch wenn Pachtmodelle damit für Kunden auf den ersten Blick ungünstiger scheinen als der Anlagenkauf, mache das Pachtangebote dennoch nicht obsolet. Die von der Verbraucherzentrale durchkalkulierte Modellanlage in der Größenklasse von 4,1 kWp koste immerhin mehr als 10.000 €. „Diese Summe mag sich – vor allem angesichts in den letzten Jahren deutlich gefallener Modulpreise – günstig anhören. Doch gibt es in Deutschland nach wie vor genügend Menschen, die diese Investition nicht sofort zu leisten in der Lage sind“, so Gasmi weiter. Wenn auch die Kreditfinanzierung nicht in Frage komme, stellten Pachtmodelle eine gute Möglichkeit dar, um mit einer PV-Anlage Energie für den Eigenverbrauch zu produzieren. „Stadtwerke-Pachtmodelle leisten insofern ihren Teil für das Voranbringen der Energiewende.“

Kritisch sieht die ASEW die in der Studie der Verbraucherzentrale angenommene Prämisse langfristig konstanter bzw. sogar sinkender Strompreise. „Diese Annahme wird von der Entwicklung der letzten Jahre selbst unter Zugrundelegung sinkender Großhandelspreise und des Förderendes der ersten EEG-Anlagen nicht gestützt.“ Die Energieagentur.NRW nehme in ihrem PV-Rechner einen Vorgabewert hinsichtlich der Preisentwicklung von 2 Prozent vor”, so Gasmi weiter.

Anlagen länger als 18 Jahre wirtschaftlich nutzbar

Auch sei der angelegte ,Stromtarifpreis’ von 27 Cent je Kilowattstunde ein „sehr akademischer“. Dieser hänge von regional deutlich schwankenden Netzentgelten ab, was sich nicht unerheblich auf Wirtschaftlichkeitsberechnungen auswirke.

„Diskussionswürdig“ findet die ASEW auch die Berücksichtigung lediglich der Einnahmen aus 18 Jahren Pachtdauer. Die Einspeisevergütung ist aktuell über 20 Jahre garantiert. Und „richtigerweise“ konstatiere die Studie, dass aufgrund qualitativ hochwertiger Komponenten die Anlagenlebensdauer in der Praxis deutlich länger ausfällt – und die PV-Anlage dann weiterhin Einnahmen ohne zu berücksichtigende Pachtrate generiert.

 

Auch das am besten abschneidende Unternehmen in der Untersuchung zählt zu dieser Achter-Gruppe, überzeugt aber auch unter unseren realistischen Annahmen in der Stichproben-Untersuchung. Die anderen vier Energieversorger in der Stichprobe – darunter sowohl das Schlusslicht als auch eines der drei Unternehmen mit wirtschaftlichem Pachtangebot – kooperieren mit dem Dienstleister Greenergetic.

Nur ein Teil der Pachtangebote umfasst auch Wartung, Instandhaltung und Versicherung

Für Verbraucher sei es ohnehin schwierig, die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen zu beurteilen. Bei Pachtmodellen komme hinzu, dass sie als Rundum-sorglos-Pakete erscheinen könnten, die sie aber gar nicht immer seien. So umfasse nur ein Teil der Pachtangebote auch Wartung, Instandhaltung und Versicherung der Anlage – bei den anderen kämen dafür noch Zusatzkosten auf die Haushalte zu. Für den Wirtschaftlichkeitsvergleich in der Studie wurden diese deshalb ergänzt.

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