Ein Vehicle-to-Grid-System ist Teil eines Energieprojekts, auf dessen Grundlage die Madeira-Insel Porto Santo CO2-emissionsfrei werden soll. Hinter dem Vorhaben, das Anfang des vergangenen Jahres gestartet wurde, stehen das Technologieunternehmen The Mobility House (TMH), de Autohersteller Groupe Renault sowie der Energieversorgers EEM, Empresa de Electricidade da Madeira. Zusammen wollen sie die Madeira-Insel Porto Santo unter dem Titel „Smart Fossil Free Island“ zu einem Leuchtturm der Nachhaltigkeit umgestalten.

Seit Projektbeginn Anfang 2018 arbeiten die drei Projektpartner daran, durch die intelligente Integration von Elektroautos und Batteriespeichern den Anteil der von lokalen Wind- und Solarenergieanlagen erzeugten erneuerbaren Energien zu steigern. Dafür hat TMH eine intelligente Software, den sogenannten „Marketplace“ entwickelt. Dieser optimiert das Zusammenspiel zwischen herkömmlichen Elektroautos, stationären Second-Life Batteriespeichern und bidirektionalen Elektrofahrzeugen (Vehicle-to-Grid, V2G), welche die Energie aus ihren Akkus auch wieder ans Stromnetz abgeben können.

Aktuell tragen erneuerbare Energien (Wind- und Sonnenenergie) einen Anteil von 15 Prozent zur Stromversorgung der Insel bei. Das flexible System, zu dem momentan 22 uni- und bidirektionale Elektroautos von Renault und zwei Batteriespeicher aus Second-Life Renault Fahrzeugbatterien gehören, trägt dazu bei, diese Erzeugungskapazität optimal zu nutzen und legt den Grundstein für einen weiteren effizienten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Cloud-Plattform „Marketplace“ harmonisiert Angebot und Nachfrage

Bildquelle: Renault

Die flexible Cloud-Plattform „Marketplace“ harmonisiert im Gesamtsystem Bedarf und Angebot der verschiedenen Erzeuger und Verbraucher vollautomatisch. Besteht ein Überschuss an erneuerbaren Energien, wird dieser Strom an die stationären Speicher sowie die Elektroautos abgegeben. Verdecken Wolken die Photovoltaikanlage und bremst eine Flaute die Erzeugung von Windenergie, geben die stationären Speicher und die bidirektionalen E-Autos ihre Energie wieder ab. Die unidirektionalen Elektroautos laden in diesem Fall nicht. Somit werden derartige Schwankungen wieder ausgeglichen.

Damit die Mobilitätsbedürfnisse der E-Auto-Nutzer jederzeit erfüllt werden, können sie über eine App festlegen, zu welcher Abfahrtszeit wie viel Energie mindestens im Akku des Fahrzeugs vorhanden sein soll. Die gewünschte Mindest-Reichweite des Fahrzeugs steht somit jederzeit zur Verfügung.

Erstmals intelligentes Laden, Vehicle-to-Grid und Second-Life Batteriespeicher von zentraler Softwareplattformgesteuert

Der „Marketplace“ beweise, dass die Sektorkopplung zwischen der Energie- und der Mobilitätswelt technisch möglich ist, heißt es bei TMH. Auf Porto Santo handele es sich um das weltweit erste Projekt, in dem die drei Flexibilitätsformen intelligentes Laden, Vehicle-to-Grid und Second-Life Batteriespeicher von einer zentralen Softwareplattform intelligent gesteuert werden. Im Kleinen erproben die drei Projektpartner bereits die Integration von Technologien, die auch Energiewende auch auf dem Kontinent unterstützen könnten.

Das Pilotsystem ist der Grundstein für den geplanten Ausbau der Energieversorgung auf Porto Santo mit Ökostrom. Das nächste Ziel ist es, sowohl Stromerzeugung als auch Mobilität auf Porto Santo gänzlich frei von fossilen Brennstoffen zu bekommen – momentan kommt der meiste Strom für die Insel noch von Dieselgeneratoren. Nach und nach soll das Gesamtsystem um weitere Elektrofahrzeuge, weitere Stationärspeicher sowie weitere Solar- und Windkraftanlagen ergänzt werden. Die „Marketplace“-Software könne diesen Ausbau flexibel ins Gesamtsystem übernehmen und jederzeit eine zuverlässige Stromversorgung sicherstellen.

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