Kommunale (Energieversorgungs-) Unternehmen gelten als wichtige Wegbereiter für die Smart City. Die Unternehmen bieten immer mehr Dienstleistungen an, die über die klassische Energie- und Wasserversorgung hinausgehen und sind an übergreifenden Smart-City-Konzepten interessiert, denn Energielösungen gelten als Wachstumstreiber in der vernetzten Stadt der Zukunft. Auch die E-world 2019 setzt auf das Thema Smart city.

Aktualisiert am 7. Dezember 2018 (Dresdner Projekt eines energieautarken Parkplatzes).

Anfang November erklärte der Staatssekretär im NRW-Wirtschafts- und Digitalministerium, Christoph Dammermann (FDP), auf dem Kommunalkongress der EnergieAgentur NRW: „Digitale Techniken und Anwendungen wie die Gebäudeautomatisierung können die Planungs-, Bau- und Lebenszykluskosten reduzieren, Effizienzpotenziale ausschöpfen und die Kopplung von Strom, Wärme und Mobilität vorantreiben.”

Zukunftsmarkt mit hohem Innovations- und Wachstumspotenzial

Die Smart City sei, so Dammermann, ein Zukunftsmarkt mit hohem Innovations- und Wachstumspotenzial, der Chancen für neue Geschäftsmodelle schaffe, zum Beispiel bei der Nutzung und Speicherung erneuerbarer Energien im Stadt-Quartier.

Als Grundlagen für zukünftige innerstädtische Entwicklungen gelten die Digitalisierung aller Bereiche und die intelligente Nutzung und Auswertung großer Datenmengen. Beispielsweise verfügt die Stadt Regensburg jetzt über ein öffentlich zugängliches Netz für das Internet der Dinge (IoT), das stadtweit verfügbar ist und Chancen für neue Geschäftsmodelle eröffnen soll.

Die Smart City, die Stadt der Zukunft, ist klimagerecht, energie- und ressourceneffizient, innovativ und bürgernah. Als zentrale Felder identifiziert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) Mobilität und Infrastruktur, Energie und Umwelt, Verwaltung und Wirtschaft sowie Bildung und Arbeit.

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Quelle: VKU

Neben Mobilitätslösungen spielten verknüpfte Angebote bei Energie und Wohnen eine besondere Rolle

Der zentrale Leitgedanke bei der Entwicklung von Smart Cities sollte laut einer aktuellen Analyse des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) sein, die Bürger mit ausgeprägter Nutzerfreundlichkeit und unmittelbar erkennbaren Mehrwerten zu überzeugen. Die starke Bürgerorientierung führe zwangsläufig dazu, tradierte Kompetenz- und Handlungsfelder in Frage zu stellen und neue Schwerpunkte zu setzen. Der Verbesserung der Verkehrssituation fällt dabei eine tragende Rolle zu, und neben den nutzerorientierten Mobilitätslösungen spielten verknüpfte Angebote bei Energie und Wohnen eine besondere Rolle.

Auf dem Weg zur Smart City arbeiten viele Städte und Kommunen mit kommunalen Versorgern bzw. Stadtwerken zusammen. Aus Sicht des Rheinenergie-Chefs Dieter Steinkamp sind Stadtwerke der ideale Partner für die Nutzung kommunaler Leistungen und damit von Smart City-Konzepten.  Auch der BMU-Förderaufruf Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte für die Jahre 2019 und 2020 umfasst Smart City-Konzepte.

Auch die beiden Softwarehäuser SAP und Software AG haben kürzlich eine Kooperation bekannt gegeben. Sie wollen mit einer gemeinsamen Smart-City-Plattform Städte, Gemeinden und Landkreise bei Smart-City- und Smart-Country-Projekten unterstützen.

Lesen Sie hier unser Dossier: Trends bei Energiedienstleistungen.

Energielösungen gelten als Wachstumstreiber in der Smart City, ihr Umsatzvolumen wächst nach einer Einschätzung der  Strategie- und Unternehmensberatung Arthur D. Little  (ADL) und eco – Verband der Internetwirtschaft bis bis 2022 auf 3,5 Mrd. €, nach rund 1,4 Mrd. € im Jahr 2017. Der größte Treiber des Wachstums im Smart City Segment Energie sind dabei Smart Grids. Allerdings mahnen ADL und eco, dass sich die vielversprechenden Ansätze der Smart City indes nur verwirklichen lassen, wenn auch der Ausbau der Daten-Infrastruktur Schritt hält.

Aktuelle Smart City-Projekte

1Smart City-Baustein: Kiwigrid und Solarwatt realisieren in Dresden energieautarken Parkplatz

Quelle: Kiwigrid/Solarwatt

Die beiden Dresdner Unternehmen Kiwigrid und Solarwatt haben einen Parkplatz für Elektromobile, der gleichzeitig Stromtankstelle ist und Fahrzeuge vollständig mit Sonnenenergie versorgt, erfolgreich mit dem Elektrobildungs- und Technologiezentrum (EBZ) umgesetzt.

Laut einer gemeinsamen Mitteilung des Anbieters von Lösungen für eine dezentrale und digitale Energiewelt und des Herstellers von Photovoltaiksystemen verfügt der Parkplatz auf der Scharfenberger Straße in Dresden über 42 Stellplätze und zusätzlich sechs Stellflächen mit Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge.

2Freiburger Badenova setzt bei der Smart City auf die Funktechnologie LoRaWAN

Quelle: Elnur – stock.adobe.com

Die Stadtwerke und Regionalversorger spielen auf dem Weg der Kommunen zur Smart City eine große Rolle.

Sie gelten als Partner und Verbündete, was auch in Freiburg im Breisgau der Fall ist, wo der Regionalversorger Badenova die intelligente Vernetzung bzw. Digitalisierung vorantreibt.

 

3Duisburg entwickelt Masterplan zur Smart City und setzt auf Open Data

Quelle: Christoph – stock.adobe.com

Duisburg soll zur Smart City werden. Dazu hat der Rat der Stadt eine „Konzeption zur Erarbeitung eines Masterplans Digitales Duisburg” beschlossen. Wie die Stadt weiter mitteilt, wurden in mehreren Workshops mit Teilnehmern aus Wirtschaft, Bürgerschaft und Verwaltung bereits Ideen für Smart City Anwendungen erarbeitet.

Eine wichtige Forderung aus den bisherigen Veranstaltungen sei unter anderem die stufenweise Veröffentlichung von Open Data, so genannten „Offenen Daten“. Darunter sind Datenbestände zu verstehen, die im Interesse der Allgemeinheit frei zugänglich gemacht werden.

4Braunschweig wird zunehmend zur Smart City

Quelle: BS-Energy

Der Braunschweiger Versorger BS-Energy installiert ein flächendeckendes Low Range Wide Area Network (LoRaWAN). Dabei handelt es sich um einen Funkstandard für das Internet der Dinge (IoT). Als eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten von LoRaWAN hebt BS-Energy die Fernauslesung von digitalen Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmezählern hervor, durch die Ablesetermine in Zukunft überflüssig werden könnten. Mit dem Aufbau habe man nun begonnen, teilte der Versorger mit.

LoRaWAN sei vielfach verwendbar für die Umsetzung einer Smart City, stellte der Leiter des Kompetenzcenters Innovation bei Thüga, Christoph Ullmer, fest. Für ihn zeichnet sich diese Technologie dadurch aus, dass sie vergleichsweise kostengünstig ist, eine hohe Durchdringung hat und sich unkompliziert aufbauen lässt. BS-Energy habe bereits mehrere Projekte mit Partnerunternehmen umgesetzt und dabei durchweg positive Erfahrungen gemacht.

5Nachhaltige Energieversorgung: Lübeck will Smart City werden

Quelel: Linus Ziegler – stock.adobe.com

Lübeck will zur Smart City werden und als intelligent vernetzte Stadt die Lebensqualität, die Wirtschaft und die Zukunftsfähigkeit als urbanen Lebensraum verbessern und Lösungen für bevorstehende Herausforderungen bieten.

Konkret geht es zum Beispiel um eine nachhaltige Energieversorgung, gesündere und komfortablere Wohnräume, intelligentere Verkehrs- und Transportsysteme, bessere und gerechtere Bildung und transparente und schnelle öffentliche Dienstleistungen der Verwaltung, erklärte Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) anlässlich der Vorstellung der Eckpunkte einer digitalen Strategie für die Hansestadt.

6Kiwigrid, Drewag Netz, exelonix, Robotron und die TU wollen Dresden zur Smart City machen

Quelle: Kiwigrid

Dresden wird im Rahmen des Verbundprojektes „EdiS – Energiedienste in der intelligenten Stadt“ zur Smart City. Wie das IT-Unternehmen Kiwigrid, einer von fünf Konsortialpartnern, mitteilt, sollen durch die Nutzung intelligenter Messsysteme und den Einsatz von Diensteplattformen nicht nur Anwendungen zur Absicherung des regulierten Netzbetriebs, sondern auch die Erweiterung dieser Infrastruktur für Geschäftsmodelle in anderen Lebensbereichen ermöglicht werden.

Hierzu werden exemplarisch drei Anwendungsszenarien entwickelt und prototypisch umgesetzt. Insbesondere die Bereiche „Begleitetes Wohnen“, „Elektromobilität“ und die Schaffung einer regionalen Energie Community stehen dabei im Vordergrund.

7Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch: Smart City Projekt in Wien bis 2023 verlängert

Quelle: Wien Energie

Dem Projekt Aspern Smart City Research (ASCR) in Wien steht bis 2023 ein Budgetvolumen von 45 Mio. € für weitere Forschungen zur Verfügung.

Damit wird das 2013 in der Seestadt Aspern, einem der größten Stadtentwicklungsprojekte in Europa, von Siemens, Wien Energie, Wiener Netze, der Wirtschaftsagentur Wien und der Seestädter Entwicklungsgesellschaft Wien 2013 gestartete Projekt um fünf Jahre verlängert.

8Energetisches Nachbarschaftsquartier auf ehemaligem Fliegerhorstgelände in Oldenburg

Quelle: DLR

Auf einer Teilfläche des ehemaligen Fliegerhorstgeländes in Oldenburg soll ein energetisches Nachbarschaftsquartier (ENaQ) realisiert werden. Dazu hat das Institut für Vernetzte Energiesysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit 20 Partnern aus Industrie und Forschung den Zuschlag erhalten.

Wie das DLR mitteilt, sei Ziel des Projektes, auf dem innenstadtnahen Areal unter Einbindung der Öffentlichkeit ein klimaneutrales Quartier mit rund 110 Wohneinheiten aus Bestandsgebäuden und Neubauten zu konzipieren und umzusetzen, teilte das DLR mit.

9Drei neue energetische Quartierskonzepte in Karlsruhe, Berlin und im Landkreis Oberallgäu 

Quelle: Martin Lang – stock.adobe.com

Energetische Quartierskonzepte, die energieeffiziente Stadt sowie Smart Cities werden immer mehr ein Thema für die deutschen Energieversorger. Im Rahmen der dezentralen Energiewende stehen dabei Technologien für Gebäude und Stadtquartiere sowie Sektorkopplung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Fokus.

In den Projekten werden neben den Energieversorgern die Bürger, die Wohnungswirtschaft, private Eigentümer und Mieter einbezogen. Wie sich die Energiewende in den Städten vollzieht, zeigen drei interessante Projekte aus dem Oberallgäu, aus Berlin und aus Karlsruhe.

Kommunen sollten die Entwicklung einer Smart City unbedingt zur Chefsache machen

 

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