SKF baut Prüflager, um Windturbinen mitsamt der kompletten Lagerungseinheit zu testen

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Der Technologieanbieter SKF baut in Schweinfurt das „leistungsfähigste Großlager-Prüfzentrum der Welt“. Wie das Unternehmen weiter mitteilt, werde der gigantische Prüfstand mit Schwerpunkt Windenergie der erste sein, der nicht nur ein einzelnes Hauptlager für Windturbinen, sondern gleich die komplette Lagerungseinheit testen könne. Auch der neue Prüfstand zum Testen von Großlagern für Industriebereiche wie Schiffbau, Bergbau oder Zement und Stahl soll wichtige Erkenntnisse für die Verbesserung der heute verfügbaren rechnerischen Simulationsmodelle liefern und Einblicke in bisher unzugängliche Abläufe ermöglichen.

Auf dem Gelände von „Werk 3“ in Schweinfurt installiert die Augsburger Renk Test System GmbH zwei neue Prüfstände. Das Land Bayern und der Bund fördern das Projekt mit zusammen mehr als drei Mio. €. Durch die Fähigkeiten der neuen Prüfstände ließen sich beispielsweise die dafür notwendigen Lebensdauer-Tests deutlich schneller durchführen als das bisher möglich gewesen sei, erklärte der Senior Vice President Group Technology Development bei SKF, Bernd Stephan. Das spare nicht nur viel Zeit und Geld sondern auch Energie.

Abwärme der Prüfeinrichtungen soll genutzt werden

Außerdem sei geplant, die Abwärme der Prüfeinrichtungen per Wärmerückgewinnungsanlage zu nutzen. Das werde die Energiebilanz des Testzentrums weiter optimieren. Nach Angaben von SKF soll das Testzentrum eine weitere Optimierung der Lagerauslegung ermöglichen. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus den Tests dürfte sich die Lagerauslegung genauer an die späteren Betriebsbedingungen anpassen lassen, heißt es. Aus diesem Grund sehe SKF auch Einsparpotenziale beim Materialeinsatz.

Das neue Prüfzentrum, das vom Hamburger Architekturbüro nps tchoban voss entworfen wurde, besteht aus zwei sich ähnelnden Gebäudekomplexen, wobei jeder Flügel etwa 80 mal 20 m misst. Einer dieser Flügel nimmt technische Hilfseinrichtungen auf; im anderen Flügel kommen zwei bereits vorhandene SKF Testeinrichtungen sowie die beiden brandneuen Prüfstände unter. Der größere Komplex eigne sich besonders gut für Großlager im Bereich der erneuerbaren Energien, während der andere vornehmlich der Prüfung von Großlagern für Industriebereiche wie z.B. Schiffbau, Bergbau oder auch Zement und Stahl diene.

Für kommende Generationen von Multi-MW-Windturbinen geeignet

Der Prüfstand mit Schwerpunkt Windenergie, sei bestens auf Konstruktionen vorbereitet, wie sie beispielsweise für kommende Generationen von Multi-MW-Windturbinen zu erwarten seien. Er könne Lager mit einem Außendurchmesser von 4,5 m (in einer weiteren Ausbaustufe sogar sechs m) aufnehmen. Die riesigen Lager könnten in alle Richtungen dynamisch mit Kräften beaufschlagt werden, die in ihrer Kombination um ein Vielfaches höher lägen als bei der bislang stärksten verfügbaren Prüfanlage. Damit ließen sich extreme dynamische Lasten sehr realitätsnah simulieren. Außerdem ermögliche der Prüfstand deutlich höhere Test-Drehzahlen als bisher bekannt. Der neue Prüfstand für andere Industriebereiche eigne sich für alle denkbaren Großlager-Designs. Auch er erziele Lasten und Rotationsgeschwindigkeiten, die ein Vielfaches des bis dato Verwirklichten darstellten.

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