Senvion stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie

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Der Windenergieanlagenhersteller Senvion hat seine Expansionsstrategie außerhalb Europas fortgesetzt.
Bildquelle: Senvion

Der Windkraftanlagenhersteller Senvion hat den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das gab das Unternehmen soeben bekannt. Ziel sei es, das im Januar gestartete Transformationsprogramm weiter umzusetzen. Das vorläufige Eigenverwaltungsverfahren bezieht sich auf die Senvion GmbH sowie deren Tochtergesellschaft Senvion Deutschland GmbH.

Die Diskussionen mit Kreditgebern des Unternehmens seien bisher erfolglos geblieben, berichtet das Unternehmen. Ziel des Verfahrens ist den Angaben zufolge die Fortsetzung des eingeschlagenen umfangreichen Transformationsprogramms, das CEO und Geschäftsleitung zu Jahresbeginn gestartet haben. „Parallel hierzu befinden sich Kreditgeber und wesentliche Anleihegläubiger aktuell weiterhin in intensiven Diskussionen zu einem bestehenden Finanzierungsangebot, um die Unterstützung des laufenden Geschäfts sicherzustellen“, heißt es weiter. „In diesem Falle könnte das Unternehmen den eingeleiteten Prozess erfolgreich abbrechen“. 

Wir diskutieren aktuell Finanzierungsoptionen, falls erfolgreich könnten wir den eingeleiteten Prozess abbrechen
– Yves Rannou, CEO Senvion

„Auch wenn es uns bisher noch nicht gelungen ist, durch eine Refinanzierung etwas mehr Freiraum zu gewinnen, so können wir doch auf ein grundsätzlich solides und starkes Geschäftsmodell bauen“, sagte Yves Rannou, CEO von Senvion. Das jetzt beantragte Verfahren einer vorläufigen Insolvenz in Eigenverwaltung räume dem Unternehmen die „notwendige Flexibilität“ ein, mit der wir unser Transformationsprogramm schneller umsetzen können. „Wir diskutieren aktuell Finanzierungsoptionen, falls erfolgreich könnten wir den eingeleiteten Prozess abbrechen. Wie bisher werden wir auch weiterhin unermüdlich daran arbeiten, unser Sanierungsprogramm ohne Verzögerung fortzusetzen.“ Er sei überzeugt dass sich die Mühe lohnen werde und man Senvion mit der eigenverwalteten Sanierung stabilisieren und stärken könne. Dies sei „vor allem auch dank des Einsatzes unserer Teams sowie der Unterstützung des Aufsichtsrats und unseres Hauptaktionärs Centerbridge“ möglich.

Gerrit Hölzle und Thorsten Bieg für Verfahren bestellt

Der Prozess einer vorläufigen Eigenverwaltung sieht vor, dass die Geschäftsleitung weiter im Amt bleibt und die Geschäfte weiterführt. Das Tagesgeschäft und das Servicegeschäft sollen während des beantragten Verfahrens weitergeführt werden. Mit Gerrit Hölzle und Thorsten Bieg seien zwei ausgewiesene Experten mit umfangreicher Erfahrung in eigenverwalteten Restrukturierungsfällen zur Unterstützung des Restrukturierungsprozesses in die Geschäftsleitungen der antragstellenden Gesellschaften berufen worden. 

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Der Aufsichtsrat und Senvions Hauptaktionär Centerbridge, der dem Unternehmen in den vergangenen neun Monaten neue Mitteln in Höhe von rund 82 Mio. € zur Verfügung gestellt und zudem angeboten habe, sich an einer außergerichtlichen Sanierungsvereinbarung zu beteiligen, sowie wesentliche Finanzierungspartner unterstützten die Entscheidung der Geschäftsleitung.

„Schnellstmöglich“ Treffen mit Kunden nach Eröffnung des Eigenverwaltungsverfahrens

Kreditgeber und wesentliche Anleihegläubiger leiteten bereits Maßnahmen zur Unterstützung des laufenden Geschäfts ein. Weiterhin werde sich das Unternehmen im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung um weitere Finanzierungsmöglichkeiten bemühen. Es hätten bereits einige potentielle Investoren ihr Interesse angemeldet. 

Nach der Eröffnung des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens durch das Amtsgericht will Senvion sich „schnellstmöglich“ mit seinen Kunden treffen, um Pläne zur Unterstützung der Kontinuität seines Installationsplans und seines Servicegeschäfts zu vereinbaren.

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