Senvion: Gläubiger entscheiden am 10. September über Verkauf „wesentlicher Kerngeschäftsbereiche“

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Der Windenergieanlagenhersteller Senvion hat seine Expansionsstrategie außerhalb Europas fortgesetzt.
Bildquelle: Senvion

Für „wesentliche Kerngeschäftsbereiche“ hat der Windenergieanlagenhersteller Senvion „mehrere detaillierte Angebote“ erhalten. „Das Unternehmen leitet damit die Endphase des M&A-Prozesses ein und wird die Investorenkonzepte am 10. September 2019 der Gläubigerversammlung zur Abstimmung vorlegen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung von Senvion.

Update 16:39: Aktuelle Reaktion der IG Metall Küste eingearbeitet

Die verbesserte finanzielle Situation des Unternehmens ermögliche die Betriebsfortführung bis zum Verkauf an einen Investor. „Dies schließt Lohn- und Gehaltszahlungen für alle Geschäftsbereiche ein“, betont das Unternehmen.

Für den Turbinenbereich seien trotz intensiver und weltweiter Suche keine Angebote für den gesamten Bereich eingegangen. „Allerdings sind noch verschiedene Fortführungsprojekte abzuwickeln, was für einen erheblichen Teil der Belegschaft im Turbinengeschäft die Beschäftigung teilweise bis in das Jahr 2020 sichert“, schreibt Senvion. Während die Arbeitsplätze im Turbinengeschäft für den August gesichert werden konnte, würden bereits im September erste Entlassungen erwartet, die zum Jahresende wirksam werden.

Erste Entlassungen im September zu erwarten

„Über die letzten Monate hinweg haben wir daran gearbeitet in dieser schwierigen Situation das bestmögliche Ergebnis für das Unternehmen zu erreichen“, sagte Yves Rannou, CEO von Senvion. „Wir stehen nun kurz vor einer Lösung für wesentliche Kernbereiche des Unternehmens.“

Das Unternehmen führe nun Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über mögliche Sozialpläne und Interessenausgleiche sowie eine Transfergesellschaft für die betroffenen Mitarbeiter. Die IG Metall Küste hatte bereits Ende Juli deutlich gemacht, dass es auch bei einem Verkauf von Teilbereichen darum gehe, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. „Die Beschäftigten und ihr Know-how sind der wahre Wert des Unternehmens. Das sollte möglichen Investoren bewusst sein“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

IG Metall Küste fordert Transfergesellschaft für betroffene Mitarbeiter

Zur aktuellen Entwicklung erklärte Geiken, dass durch das Scheitern des Verkaufs als Ganzes hunderte Entlassungen und die Schließung von Standorten drohe. Nun gehe es darum, möglichst viele Arbeitsplätze sowie tarifliche Arbeitsbedingungen bei eine Verkauf des Servicesgeschäfts zu sichern, zitiert die Deutsche Presse-Agentur den Gewerkschaftsfunktionär.

Für Beschäftigte, die nicht übernommen werden, forderte die Gewerkschaft schon im Juli Transfergesellschaften, die es nun offenbar auch geben soll. „Damit kann verhindert werden, dass Mitarbeiter direkt in die Arbeitslosigkeit gehen. Außerdem lassen sich so Fachkräfte in der Windbranche und den jeweiligen Regionen halten“, so Geiken. Auch die Landesregierungen in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein seien aufgefordert, alles dafür zu tun, um den Beschäftigten bei Senvion „in dieser für sie schwierigen Situation zu helfen.“

Im April hatte Senvion den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, kurz danach konnte das Unternehmen vermelden, dass ein Massekreditvertrag über 100 Mio. € mit Kreditgebern und wesentlichen Anleihegläubigern unterzeichnet wurde. Im ersten Halbjahr hatte Senvion eine durchaus dynamische Geschäftsentwicklung verzeichnet: Die neu installierte Windkraftleistung stieg in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 89 Prozent auf 546 MW gestiegen.

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