Windenergie: „Der Fadenriss beim Zubau für 2019 ist kaum noch aufzuhalten“

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Windkraftanlage von Nordex
Symbolbild Windenergie (Quelle: EUWID)

Die Zuschlagspreise bei den Ausschreibungen für Onshore-Windenergie sind erneut gestiegen. Wie die Bundesnetzagentur (BNetzA) bekannt gab, wurden zum Gebotstermin 1. August 86 Projekte bezugschlagt. Der durchschnittliche gewichtete Zuschlagswert lag bei bei 6,16 ct/kWh – nicht sehr weit weg vom Höchstwert der Auktionsrunde von 6,30 ct/kWh.

Update 20. August: Der Artikel war am 17. August zunächst unter dem Titel „Schwacher Wettbewerbsdruck: Zuschlagspreise bei Wind-Ausschreibungen steigen erneut“ veröffentlicht worden und ist nun um die Bewertung der Ergebnisse durch die Windkraftbranche ergänzt worden.

Die Windenergiebranche sieht in der aktuellen Entwicklung das Ergebnis einer politisch bedingten anhaltenden Unsicherheit. Mit erheblichen Konsequenzen für die Industrie: „Der Fadenriss beim Zubau für 2019 ist kaum noch aufzuhalten“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). „Die Lage ist sehr ernst“.

Bei der Bundesnetzagentur heißt es, die gestiegenen Zuschlagswerte spiegelten den „nur noch recht schwachen Wettbewerbsdruck“ wider. Gleichzeitig könnte der Anstieg der Förderung in den letzten beiden Runden neue Projekte zu einer Teilnahme angeregt haben. In den vorhergehenden Ausschreibungsrunden aus dem Mai 2018 lagen die Zuschläge im Durchschnitt bei 5,73 ct/kWh, im Februar 2018 bei 4,73 ct/kWh.

23 Prozent der bezuschlagten Menge an Projekte südlich der Mainlinie

Die Gebotswerte reichten von 4,00 ct/kWh bis zum Höchstwert 6,30 ct/kWh. Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt bei 6,16 ct/kWh. „Die Runde war leicht überzeichnet, trotzdem hat jedes zugelassene Gebot einen Zuschlag erhalten“, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Für den BWE ist die knappe Überdeckung Zeichen dafür, dass die Windenergiebranche ihren Beitrag zur Energiewende leisten möchte.

Ausgeschrieben waren 670 MW. 91 Gebote mit einem Volumen von 709 MW haben an der Ausschreibung teilgenommen. Von diesen Geboten wurden fünf mit einer Gebotsmenge von insgesamt 42 MW nicht zugelassen. Neben formalen Gründen seien Gebote ausgeschlossen worden, die aufgrund von Übergangsbestimmungen erst ab dem Jahr 2019 teilnahmeberechtigt sind.

Die meisten Zuschläge gingen an Bieter in Brandenburg (23 Zuschläge, 136 MW), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (12 Zuschläge, 100 MW) und Schleswig-Holstein (16 Zuschläge, 95 MW). Erfreulich sei, dass mit 6 Zuschlägen in Baden-Württemberg (72 MW) und drei Zuschlägen in Bayern (31 MW) etwa 23 Prozent der bezuschlagten Menge an Projekte südlich der Mainlinie erfolgte.

BWE: Flankierende Signale aus den Landesparlamenten gefragt

„Damit die verbrauchsstarken südlichen Bundesländer noch stärker am Zubau teilhaben können, sind vor allem flankierende Signale aus den Landesparlamenten gefragt“, meint BWE-Präsident Albers. „Ohne die Bereitschaft neue Flächen auszuweisen, wird der deutschlandweite der Windenergie nicht vorankommen.“

Das Netzausbaugebiet hatte in der aktuellen Ausschreibungsrunde erneut keine Auswirkungen auf die Zuschlagsentscheidung, die Obergrenze von 314 MW wurde nicht ausgeschöpft.

Der BWE sieht die Politik gefordert, das „Verwirrspiel um Ausschreibungsvolumen“ zu beenden. 2019 sei kaum mehr zu retten, für 2020 könne durch „rasches politisches Handeln“ Schlimmeres noch verhindert werden. „Nur so lässt sich der Beschäftigungsabbau stoppen und das Know-how der Branche sichern“, sagt Albers.

VDMA: Weiter sehr günstige Gebote am Markt, „der Wettbewerb ist intakt“

Auch der Maschinenbauverband VDMA fordert eine schnelle und gestaffelte Aufteilung der im Koalitionsvertrag definierten vier Gigawatt auf die kommenden technologiespezifischen Ausschreibungen. „Vor dem Hintergrund des energiepolitischen Stillstands seit über einem Jahr überrascht das Ergebnis keineswegs“, sagt Mathias Zelinger, Geschäftsführer des VDMA Power Systems. Der leichte Anstieg der Zuschlagspreise sei keine Abkehr der Kostensenkung bei den Erneuerbaren, sondern eine Momentaufnahme. Man sehe auch weiterhin „sehr günstige Gebote, der Wettbewerb ist intakt“, betont Zelinger.

Das Erreichen der Energie- und Klimaziele müsse mit Wettbewerb in Einklang gebracht werden. Dies setze die Ausgestaltung des Sonderausschreibungsvolumens und die Definition des Ausbaupfades zum 2030-Ziel voraus, „ebenso eine gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern und Industrie, zu ermöglichen, dass ausreichend genehmigte Projekte im Markt sein können“, so Zelinger weiter.

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