Die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien sind im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 117,6 Mrd. US-Dollar gesunken. Das zeigen die jüngsten Zahlen von BloombergNEF (BNEF). Wesentlicher Grund für den Rückgang: Der größte Markt weltweit, China, brach um 39 Prozent auf 28,8 Mrd. US-Dollar ein – der niedrigste Wert seit dem Jahr 2013.

China habe in diesem Jahr den Schritt von staatlich festgelegten Zöllen zu Auktionen für neue Wind- und Solarkapazitäten vollzogen, was sich auf die Entwicklung im Land spürbar ausgewirkt hat. Die Verlangsamung der Investitionen in China sei real, die Zahlen für das erste Halbjahr 2019 dürften aber nicht überbewertet werden. „Wir erwarten, dass eine jetzt stattfindende landesweite Solarauktion zu einem Ansturm neuer PV-Projektfinanzierungen führen wird“, sagt Justin Wu, Leiter der Region Asien-Pazifik für BNEF. Auch zeichneten sich mehrere große Deals im Offshore-Wind-Bereich für das zweite Halbjahr ab.

Positive Impulse für die globalen Investitionen in saubere Energien kommen im ersten Halbjahr von der Finanzierung von Multi-Mrd.-Dollar-Projekten in zwei relativ neuen Märkten – einem Solarthermie- und Photovoltaikkomplex in Dubai mit 950 MW und 4,2 Mrd. US-Dollar sowie zwei Offshore-Windkraftanlagen im Meer vor Taiwan mit 640 MW bzw. 900 MW und geschätzten Gesamtkosten von 5,7 Mrd. US-Dollar.

Regional uneinheitliche Entwicklung der Investitionstätigkeit

Der Dubai-Deal Ende März für das Projekt Mohammed bin Rashid Al Maktoum IV ist laut BNEF die größte Finanzierung, die es je in der Solarbranche gegeben hat. 2,6 Mrd. US-Dollar Fremdkapital kommen von zehn Banken aus China, den Golfstaaten und aus dem Westen. 1,6 Mrd. US-Dollar Eigenkapital steuern die Dubai Electricity and Water Authority, der saudische Entwickler ACWA Power und der Equity-Partner Silk Road Fund of China bei.

An den beiden taiwanesischen Offshore-Windprojekten Wpd Yunlin Yunneng und Ørsted Greater Changhua sind europäische Entwickler, Investoren und Banken sowie lokale Akteure beteiligt. Die Offshore-Windaktivitäten erweiterten damit ihren geografischen Fokus. Sie reichen jetzt von der europäischen Nordsee und der chinesischen Küste bis hin zu neuen Märkten wie Taiwan, der US-Ostküste, Indien und Vietnam.

Große Drei China, USA und Europa investieren weniger in Erneuerbare

Die BNEF-Zahlen für Investitionen in saubere Energien im ersten Halbjahr 2019 zeigen ein uneinheitliches Bild für die wichtigsten Märkte der Welt. Die „großen Drei“ China, die USA und Europa zeigten alle Rückgänge, aber die USA (-6 Prozent auf 23,6 Mrd. US-Dollar) und Europa (Rückgang um 4 Prozent auf 22,2 Mrd. US-Dollar) zeigten sich erheblich robuster als China mit seinem Rückgang um 39 Prozent.

Japan zog Investitionen in Höhe von 8,7 Mrd. US-Dollar an, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2018. Auch in Indien stiegen die Investitionen um zehn Prozent auf 5,9 Mrd. Dollar. Das Land forciert seine Bemühungen, bis 2022 eine installierte Leistung von 175 GW zu erreichen. Brasilien verzeichnete Investitionen in Höhe von 1,4 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 19 Prozent.

Deutschland: Investitionen um mehr als 40 Prozent rückläufig

In Europa lag Spanien mit 3,7 Mrd. US-Dollar an der Spitze, das Volumen entspricht einem Anstieg um satte 235 Prozent. Dagegen wurden in den Niederlanden mit 2,2 Mrd. US-Dollar (-41 Prozent), aber auch in Deutschland mit einem Investitionsvolumen von nur 2,1 Mrd. US-Dollar (-42 Prozent) laut BNEF erhebliche Rückgänge bei den Investitionen verzeichnet. Großbritannien verzeichnete einen Aufschwung um 35 Prozent auf 2,5 Mrd. US-Dollar, in Frankreich brachen die Investitionen nach den BNEF-Zahlen um drei Viertel auf 567 Mio. US-Dollar ein. Deutliches Wachstum verzeichneten Schweden (+212 Prozent auf 2,5 Mrd. US-Dollar) und die Ukraine (+60 Prozent auf 1,7 Mrd. US-Dollar).

Während die Investitionen in Großprojekte im Kraftwerksmaßstab weltweit um 24 Prozent auf 85,6 Mrd. US-Dollar zurückgingen, wurden in die Errichtung von kleinen Solarsystemen mit einer Leistung von weniger als 1 MW 32 Prozent mehr Mittel gesteckt – Insgesamt summieren sich die weltweiten Investitionen hier auf 23,7 Mrd. US-Dollar. (Beitragsbild: auremar – stock.adobe.com)

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