Rostocker Forscher testen mobile Offshore-Windenergieanlagen

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Schwimmende Offshore-Windenergieanlage
GICON®-SOF mit Windenergieanlage im Wind- und Wellentank des LHEEA in Nantes (Quelle: Universität Rostock/Daniel Walia)

Rostocker Forscher arbeiten an einer Lösung, wie man Offshore-Windenergieanlagen (WEA) auch in tieferen, küstenferneren Gewässern installieren kann. Ohne massive Fundamente, die die Windräder mit dem Meeresboden verankern. Die Forscher vom Stiftungslehrstuhl für Windenergietechnik (LWET) der Universität Rostock setzen auf schwimmende Unterstrukturen mit Ankerseilen in Kombination mit einem Schwergewichtsanker.

Im Unterschied zu fest mit dem Meeresboden verbundenen Anlagentypen benötigt diese schwimmende Lösung keine extrem teuren Errichterschiffe mehr, da die WEA bereits an der Kai-Kante auf die Unterstruktur moniert wird. Die Offshore-Windenergieanlage sei damit mobil und flexibel einsetzbar, so die Uni Rostock.

Zwei Jahre hat die Arbeitsgruppe des LWET mit einer Simulationssoftware berechnet, wie sich schwimmende WEA mit mehr als 6 MW Nennleistung bei Wind und Wetter auf See verhalten. Schwerpunkt der Arbeit war die Unterstruktur – der Teil, der sich zwischen dem auf dem Meeresboden aufliegenden Fundament und dem Turm der Windenergieanlage befindet.

Rechnerische Ergebnisse sollen nun in der Praxis getestet werden

Nachdem das Anlagenverhalten im Betrieb im letzten Jahr im Wind-Wellen-Kanal des LHEEA (Laboratoire de recherche en Hydrodynamique, Énergétique et Environnement Atmosphérique) im französischen Nantes bereits erfolgreich erprobt werden konnte, soll nun der weitaus komplexere Transport und Installationsvorgang des Systems getestet werden.

LWET-Forscher mit schwimmender Unterstruktur
Die Forscher vom LWET mit dem Modell der schwimmenden Unterstruktur (v. l.: Frank Adam, Daniel Walia, Paul Schünemann und Peter Dierken; Quelle: Universität Rostock/Julia Tetzke)

Hierzu hat der LWET im Rahmen des Europäischen Fördernetzwerkes MaRINET2 (Marine Renewable Infrastructure Network for Enhancing Technologies) den Zuschlag für einen zweiwöchigen Test im Herbst 2018 erhalten.

Die Versuche werden im privaten Forschungsinstitut SSPA in Göteborg, Schweden, stattfinden. Das SSPA verfüge über den nötigen Schleppkanal mit Wellengenerator.

Weltweite Kooperations-Anfragen

Der größte Vorteil der entwickelten Unterstruktur liegt dem LWET zufolge in deren Stabilität. Damit seien auch die Anforderungen an die Windkraftanlagen im Vergleich zu anderen schwimmenden Lösungen geringer. Auf Basis der in den letzten Jahren gewonnen Erkenntnisse im Bereich schwimmender Offshore-Systeme bekomme Forschungsteam inzwischen Kooperations-Anfragen aus der ganzen Welt.

Gefördert wurde die Entwicklungsarbeit in den letzten zwei Jahren durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union (EU) und des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern.

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