RedT liefert zwei Batteriespeicher zur Netzfrequenzstabilisierung in Deutschland

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RedT liefert zwei Batteriespeicher zur Netzfrequenzstabilisierung in Deutschland
Quelle: RedT energy

Der Speicherspezialist RedT energy plc, Jersey, wird Energiespeicher für ein bundesweites Portfolio von Netzverstärkungsprojekten der Energy System Management GmbH (ESM) liefern. Wie redT mitteilte, ist zunächst die Lieferung von zwei Vanadium-Redox-Flussbatterien mit je 40 MWh Kapazität vorgesehen, später sollen weitere Speicherprojekte mit einer Kapazität von weiteren 690 MWh folgen.

ESM ist eine Tochtergesellschaft von WWF solar und erbringt Systemdienstleistungen für das Europäische Stromverbundnetz, insbesondere aber für die Regelzone Deutschland und damit für die vier Übertragungsnetzbetreiber.

Finanzierung muss noch sichergestellt werden

Die Projekte der ersten Phase sollen den deutschen und österreichischen Markt mit Sekundärregelleistung zu versorgen. Die Errichtung der Speicher sei für Anfang 2019 vorgesehen, sofern die Finanzierung sichergestellt werden kann. Entwickelt seien die beiden Projekte bereits, die Genehmigungen für das Vorhaben und den Netzanschluss sowie die Präqualifizierung für den Sekundärregelmarkt lägen vor.

Nach Angaben von redT werden damit in Deutschland zum ersten Mal Vanadium-Redox-Flussbatterien zur Bereitstellung von Sekundärregelleistung eingesetzt. Die Sekundärregelleistung dient der Netzfrequenzstabilität. Sie wird angefordert, wenn die Normalfrequenz von 50 Hertz in einem der vier bundesdeutschen Übertragungsnetze aufgrund von Lastschwankungen nicht gehalten werden kann. Anbieter von Sekundärregelleistung erhalten ein Entgelt auf der Grundlage ihrer verfügbaren Leistung (MW) und Energie (MWh), um bei Bedarf ins Netz zu laden oder zu entladen.

Kosten für Regelleistung sinken

Die Sekundärreserve hat den größten Anteil an den Regelenergiekosten: Mit 49 Prozent der Zahlung stellt sie die Hauptregelenergieart dar, allerdings mit leicht fallender Tendenz. Darauf wiest Next Kraftwerke, Betreiber eines Virtuellen Kraftwerks, mit Verweis auf Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) hin. Entfielen 2014 noch 52 Prozent der Kosten auf die Sekundärregelleistung, waren es 2015 nur noch 49 Prozent und 2016 rund 45 Prozent.

Die Kosten für alle Regelleistungsarten (PRL, SRL und MRL) seien von 437 Mio. € in 2014 um 121 Mio. € auf 315 Mio. € in 2015 zurückgegangen, 2016 fielen sie erneut auf 198 Mio. €. Der größte Teil des Einbruchs entfiel dabei auf die Sekundärregelleistung, deren Kosten um 72,8 Mio. € von 227,6 Mio. € in 2014 auf 154,8 Mio. € in 2015 zurückgingen. 2016 gingen die Kosten auf 90,5 Mio. € zurück.      

Was sollten Anlagenbetreiber über die Auktion der Sekundärregelleistung wissen?

Seit dem 12. Juli findet kalendertäglich (also auch sonntags) eine Auktion der Sekundärreserve statt, die über die gemeinsame Internetplattform der Übertragungsnetzbetreiber ausgetragen wird. Wie aus Informationen des Virtuellen-Kraftwerksbetreibers Next Kraftwerke hervorgeht, müssen die Auktionsteilnehmer hierbei nicht nur die Höhe des Gebotes abgeben, sondern auch definieren, ob es sich um negative oder positive Regelleistung handelt, da diese separat voneinander ausgeschrieben werden und auch separat erbracht werden.

Ebenfalls seit dem 12. Juli 2018 abgelöst ist das alte System mit nur zwei HT (Hauptzeit)- und NT (Nebenzeit)-Zeitscheiben: Nun wird Sekundärregelleistung analog zur Minutenreserveleistung in 4-Stunden-Blöcken, also sechs Blöcken pro Tag, am Regelenergiemarkt gehandelt. Die erste kalendertägliche Auktion fand am Mittwoch, den 11. Juli 2018 für den folgenden Donnerstag statt.

Leistungs- und Arbeitspreis müssen angegeben werden

Da sich die Vergütung der Sekundärreserve in Leistungspreis und Arbeitspreis aufteilt, müssen beide Preise bei der Gebotsabgabe angegeben werden. Der Leistungspreis gibt hierbei einen Festpreis an, den der jeweilige Teilnehmer für die Bereitstellung von Sekundärreserve benötigt. Der Arbeitspreis umschreibt die Vergütung für die später während des Angebotszeitraums tatsächlich erbrachte Arbeit. Die Bedarfe an Sekundärregelleistung passen die Übertragungsnetzbetreiber quartalsweise an; im zweiten Quartal 2018 lagen sie bei 1.876 MW in der positiven Sekundärregelleistung und 1.820 MW in der negativen Sekundärregelleistung. Für die Aufnahme in den Bereitstellungspool ist die Höhe des Leistungspreises entscheidend.

Leistungspreis

Anlagenbetreiber erhalten für die Bereitschaft, im Notfall ihre Anlagen hoch- oder runterzufahren, einen Leistungspreis. Der Leistungspreis ist also eine Bereitschaftsvergütung für die Vorhaltung von Leistung. Er wird in einem Pay-as-Bid-Verfahren bestimmt. Das bedeutet, dass jeder Anbieter die Höhe seines eigenen Leistungspreises entsprechend seinen Kosten der Bereitstellung selbst bestimmen kann.

Nach Ablauf der Ausschreibung sortieren die Übertragungsnetzbetreiber alle Gebote anhand der gebotenen Leistungspreise in einer Merit-Order-Liste (MOL) vom niedrigsten zum höchsten Gebot an. Anschließend werden die niedrigsten Leistungspreise zuerst bezuschlagt, dann kommen die teureren Leistungspreisgebote zum Zuge bis der Bedarf gedeckt ist.

Die Leistungspreise schwanken enorm in Abhängigkeit von Marktentwicklungen und saisonalen Gegebenheiten. Insgesamt ist jedoch über die vergangenen Jahre ein sinkender Trend der durchschnittlichen Leistungspreise zu erkennen. Ein Grund hierfür ist unter anderem, dass durch die Senkung der Eintrittshürde in den Regelenergiemarkt auf 5 MW und seit dem 12. Juli 2018 1 MW mittlerweile wesentlich mehr Teilnehmer am Regelenergiemarkt agieren: So ist das Gesamtangebot an Regelenergie gestiegen und ein Preisverfall ist eingetreten. Mit den gesunkenen Kosten der Regelenergiebereitstellung ging auch eine Senkung der Netzentgelte einher, die wiederum den Endverbrauchern zu Gute kommt.

Arbeitspreis

Sobald ein Regelenergiepool oder eine Anlage aus der Merit-Order-Liste des Mischpreisverfahrens für den Bereitstellungspool bezuschlagt wurde, entscheiden allein die gebotenen Arbeitspreise über den tatsächlichen Abruf der Anlagen. Diese werden ebenfalls wie die Leistungspreise über ein Pay-as-Bid-Verfahren bestimmt, sodass jeder Anbieter seinen eigenen Arbeitspreis festlegen kann. Die Arbeitspreisgebote werden dann wieder in einer Merit-Order-Liste vom niedrigsten zum höchsten Gebot angeordnet und beginnend mit dem niedrigsten Preis je nach Bedarf an Sekundärreserve abgerufen. Bei einem Abruf erhält der Anbieter dann den Arbeitspreis, den er geboten hat.

Über das beschriebene Pay-as-Bid-Auktionsverfahren wird gewährleistet, dass die Vorhaltung und Erbringung von Sekundärreserve für die ÜNB so günstig wie möglich bleibt, da kostengünstige Anlagen im Abruffall dank der Merit-Order-Liste bevorzugt abgerufen werden. Das bedeutet aber auch, dass die Anlagen mit den teuersten Arbeitspreisen, die in der Merit-Order-Liste weit hinten stehen, selten abgerufen werden, und daher häufig nicht in die Kosten von Regelenergieabrufen einfließen.

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Übertragungsnetzbetreiber wollen dynamisches Regelenergie-Verfahren einführen

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