Rahmenbedingungen diskriminieren Einsatz von europäischen Rohstoffen für Biokraftstoffe

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Bei der Produktion von Biokraftstoffen setzen deutsche Unternehmen aufgrund der europäischen Rahmenbedingungen zunehmend auf importiertes Palmöl statt auf einheimische Rohstoffe. „Ausgerechnet unsere eigenen Politiker fallen uns in den Rücken. Statt die europäische Rapsölproduktion zu fördern, bewirken sie mit ungeschickten Verordnungen und konzeptionellen Fehlern, dass Raps gegenüber Palmöl chancenlos ist“, sagte Wilhelm F. Thywissen, Präsident des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Mit diesem Kurs der bürokratischen Benachteiligung von Biodiesel aus europäischen Rohstoffen konterkariere die EU ihre Klimaschutzziele. Der Titelbericht von EUWID Neue Energien 20/2013 befasst sich mit der Kritik der deutschen Biokraftstoffbranche an den politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa. Die Publikation ist am 15. Mai erschienen und umfasst insgesamt 73 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 28 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der aktuellen Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):

Übergreifende Themen

Aktuelle Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zeigen, dass sich immer mehr Unternehmen von der EEG-Umlage befreien lassen. Insgesamt 1.691 Unternehmen oder Unternehmensteile profitieren demnach für das laufende Jahr von der Sonderregelung – 2012 waren es laut BAFA noch 734 Unternehmen. Die so begünstige Strommenge steigt demnach auf 94.181 GWh von 85.402 GWh im Vorjahr. 2009 waren es 79.237 GWh. Allerdings sei noch nicht in allen Fällen endgültig entschieden, schränkte das Amt ein. Die Befreiung der Industrie von der Umlagezahlung ist auch den Piraten ein Dorn im Auge. Auf ihrem Bundesparteitag in Neumarkt beschloss die Bundespartei verschiedene Anträge bezüglich des Programms zur im September bevorstehenden Bundestagswahl. Wie es in einem der Anträge heißt, wollen die Piraten die Industrierabatte bei der Ökostromumlage kappen, zugleich sollen Anreize für Stromspeicher und die dezentrale Produktion gesetzt werden. Die Befreiung einzelner Gewerbe von Netznutzungsentgelten, Stromsteuer und EEG-Umlage führe zu Wettbewerbsverzerrungen zu Ungunsten kleinerer Unternehmen und Einzelpersonen und schade der Umwelt sowie der Akzeptanz der Energiewende bei der Bevölkerung, die einen überproportionalen Anteil der Lasten schultern solle. Eine weitere Baustelle der Energiewende ist neben der Finanzierung auch die Speicherung von Strom und Wärme. Die BMW Group hat jetzt ein Forschungsprojekt zur Zwischenspeicherung von Wärmeenergie in 500 bis 700 Meter Tiefe in einem Hochtemperatur-Aquifer-Speicher gestartet. Das Vorhaben leiste einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung in der Wärmespeicherung, teilte der Automobilhersteller mit. Das bayerische Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt mit rund 4,5 Mio. €. Den gleichen Betrag investiert die BMW Group in der Forschungsphase. Die der Aquifer-Speicherung zugrunde liegende Idee ist, aktuell nicht benötigte, überschüssige Wärmeenergie – wie sie etwa im Sommer bei der Strom- und Wärmeproduktion in einer Kraft-Wärme- Kopplungsanlage (KWK) anfällt – zwischen zu speichern und bei Bedarf im Winter wieder abzurufen. Die aktuellen Daten zur EEG-Umlage, Preise für Rohstoffe und Heizöl sowie eine Reihe weiterer Berichte und Nachrichten ergänzen den übergreifenden Themenblock von EUWID Neue Energien 20/2013.

Bioenergie

Nachdem der Biokraftstoffhersteller Verbio kürzlich einen hohen Verlust vermelden musste (EUWID 19/2013), legten CropEnergies und Petrotec nun erfreulichere Geschäftszahlen vor. Der Bioethanolhersteller CropEnergies erreichte im Geschäftsjahr 2012/13 sogar Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis. Maßgeblich für das Ergebniswachstum seien die Deckungsbeiträge aus höheren Bioethanolabsätzen gewesen, teilte CropEnergies mit. Für zusätzliche Ertragssteigerungen hätten bessere Erlöse für Lebens- und Futtermittel gesorgt. Die Petrotec AG, die Biodiesel überwiegend auf Basis von Altspeisefetten produziert, verzeichnete in den ersten drei Monaten 2013 ihren bisher zweithöchsten Quartalsumsatz, auch das operative Ergebnis legte zu. Petrotec zufolge haben eine starke Nachfrage und eine verbesserte Materialkostenquote zur Ergebnisverbesserung beigetragen. Auch von Seiten der Biogasunternehmen kamen positive Nachrichten. Die KTG Energie AG, die Ende 2012 Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von rund 35 MW in Betrieb hatte, steigerte Umsatz und operatives Ergebnis um rund die Hälfte. Auch die Archea Bioenergie GmbH erzielte einen Erfolg und bekam den Zuschlag für den Kauf der 24 Biogasanlagen, die mit dem „BiGaIV“-Fonds Insolvenz anmelden mussten. Zuvor hatte Archea Bioenergie bereits die neun Anlagen des „BiGaIII“-Fonds erworben. Die Biogasbranche begrüßt zudem den Beschluss des Bundesrats, die Beschränkung der Feuerungswärmeleistung bei Biogasanlagen im Außenbereich aufzuheben. Nach Angaben des Fachverbands Biogas beseitigt er damit ein wesentliches Hemmnis für die bedarfsgerechte Stromerzeugung aus Biogas. Unternehmensmeldungen über Weltec Biopower, AGO Energie + Anlagen und weitere Marktakteure runden die Berichterstattung zum Bioenergiebereich ab. Im Marktbereich der NE-Ausgabe 17/2013 finden sich ein Marktbericht über Sägerestholz in Österreich, Angaben zu Biodiesel- und Pelletpreisen und Großhandelspreise für Getreide, Ölsaaten und Mühlenprodukte.

Solarenergie

Die Europäische Union geht mit massiven Strafzöllen gegen ihrer Ansicht nach zu billige Solarmodule aus China vor. Die EU-Kommission gab vergangene Woche grünes Licht für hohe Sonderzölle im bisher größten Anti-Dumping-Verfahren der EU. Einfuhren von Solarmodulen sollen nach Angaben aus EU-Kreisen spätestens ab 5. Juni mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 47 Prozent belegt werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Die Strafzölle sind in der Branche, aber auch in der Politik umstritten. Gegner argumentieren, sie könnten zu einer Verteuerung von Solaranlagen oder zu schmerzhaften Vergeltungsmaßnahmen gegen Exporte aus Deutschland und anderen EU-Ländern nach China führen. China exportierte 2011 Solarprodukte im Wert von 21 Mrd. € nach Europa. Der weltweite Konkurrenzdruck in der Solarbranche hat in Deutschland viele einst erfolgreiche Unternehmen in die Knie gezwungen, andere kämpfen ums Überleben. Der überschuldete Solaranlagen-Hersteller Solarworld will am 22. Mai über die Details seines Rettungsplans informieren. Per Bundesanzeiger und Ad-hoc-Mitteilung lud das Unternehmen die Zeichner einer im Jahr 2016 auslaufenden Anleihe zur Gläubigerversammlung in Bonn ein. Die Inhaber der zweiten von Solarworld begebenen Anleihe sollen einen Tag später zusammenkommen. Ziel ist für jede Anleihe die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters, der die Interessen der Anleiheinhaber bündelt und vertritt, heißt es seitens Solarworld. Auf der Tagesordnung steht zudem ein Bericht über den Stand der Sanierungsbemühungen. Bereits Ende April hat die alfasolar GmbH Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Hannover bestellte den Sanierungsexperten Manuel Sack aus der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover zum vorläufigen Insolvenzverwalter, teilte das Unternehmen in Hannover mit. Produktion und Geschäftsbetrieb sollen weiter aufrechterhalten werden. Das Unternehmen sei weiterhin lieferfähig, Kunden und Lieferanten könnten sich jederzeit an ihre bekannten Ansprechpartner wenden. Die Solarberichterstattung befasst sich in der aktuelle
n Ausgabe von EUWID Neue Energien auch mit den aktuellen Entwicklungen bei SMA Solar, Bosch, Singulus, Manz, SolarEdge, Sunways und Phoenix Solar. Zahlen zur Stromeinspeisung aus Solarenergie sind ebenfalls Gegenstand des Solar-Themenbereichs von EUWID Neue Energien 19/2013.

Windenergie

Die Windenergie-Berichterstattung beschäftigt sich in dieser Woche mit einer Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger zur Zukunft der Offshore-Windkraft. Die Münchner Berater rechnen im Jahr 2020 mit einem Investitionsvolumen in der globalen Offshore-Branche von 130 Mrd. €. Allein in Europa werde dann eine Offshore-Kapazität von 40 GW installiert sein, heißt es in der Studie mit dem Titel „Offshore Wind toward 2020“. Das Investitionsvolumen im europäischen Markt steige im gleichen Zeitraum von derzeit 7 Mrd. auf über 14 Mrd. €. Die Offshore-Branche liefere damit einen wesentlichen Beitrag zu den ambitionierten europäischen Klima- und Energiezielen. In den Firmenmeldungen wird die Errichtung der ersten von 30 Windturbinen am Offshore-Park Riffgat thematisiert. Das Spezialschiff „Bold Tern“ der norwegischen Reederei Fred Olsen hat in der vergangenen Woche die nötigen Teile zur Baustelle rund 15 Kilometer nordwestlich der ostfriesischen Insel Borkum gebracht. Des Weiteren gibt es den Erwerb von zwei französischen Windparks durch ABO Invest zu vermelden. Wie das Unternehmen mitteilte, bestehen die beiden rund 30 km voneinander entfernten Projekte im Burgund aus insgesamt acht Anlagen vom Typ REpower MM92 mit 16,4 MW Nennleistung. Neue Projekte starteten auch die Stadtwerke Düsseldorf sowie die Stadtwerke Heidenheim, Stuttgart und der WEBW, die ein gemeinsames Vorhaben im Welzheimer Wald entwickeln wollen.

Geothermie

Im Bereich Geothermie dominieren in dieser Woche zwei Meldungen aus dem Hochschulbereich die Berichterstattung. Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich teilte mit, dass sie von der Werner Siemens-Stiftung zehn Mio. Schweizer Franken (umgerechnet etwa acht Mio. €) für den Aufbau einer Professur für Tiefengeothermie erhalte. Damit will die ETH insbesondere die Grundlagenforschung für diese Form der Erdwärme rasch vorantreiben. Das Internationale Geothermiezentrum (GZB) an der Hochschule Bochum hat dagegen eine eigene Erdwärmeanlage nach dem „Geostar“-System fertiggebohrt. Sie soll einen Institutsneubau sowie verschiedene Labore und Forschungsinfrastrukturen auf dem Bochumer Geothermiecampus mit Wärme und Kälte versorgen.

Wasserkraft

Für den Bereich Wasserkraft waren in der vergangenen Woche Quartalszahlen des österreichischen Technologiekonzerns Andritz aus Graz zu berichten. Als „zufriedenstellend“ bezeichnet Andritz das Ergebnis des zweitgrößten Geschäftsbereichs „Hydro“, der auf die Konstruktion und den Bau von Kaplan-, Rohr- und Francisturbinen, Pumpturbinen für Speicherkraftwerke, Compact-Turbinen für große und kleine Fallhöhen sowie Absperrorganen spezialisiert ist. Das EBITA verschlechterte sich hier allerdings um 11,9 Prozent auf 26,6 Mio. €. Der Umsatz ging um 5,5 Prozent auf 381,2 Mio. € zurück.


Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:

Ausgabe 19/2013 (8. Mai): Marktforscher: Energiewende führt zu Boom an den Märkten für Batteriespeicher Ausgabe 18/2013 (2. Mai): Ruhe vor dem Sturm: Altmaier will Kampf um die „Strompreisbremse“ nicht aufgeben Ausgabe 17/2013 (24. April): Solarbranche fordert unbeirrt von Krise bei Solarworld, Centrosolar & Co. massiven Ausbau der Solarstromerzeugung in Deutschland Ausgabe 16/2013 (17. April): Zahl der Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien 2012 erstmals gesunken Ausgabe 15/2013 (10. April): Diskussion um Kosten der Offshore-Windkraft wird immer kontroverser geführt

EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt

Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.

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