Quartalssaison: Welche Strategien entwickeln Unternehmen wie E.ON, innogy, Nordex oder MVV in der aktuellen Phase der Energiewende?

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In den vergangenen Tagen sind die Geschäftszahlen einer Vielzahl von börsennotierten Unternehmen aus der Energiewirtschaft veröffentlicht worden. Blickt man hinter die Kulisse von Umsatz, EBIT und Gewinn, zeigt sich, dass die allermeisten Unternehmen das Lamentieren über die Unwägbarkeiten der Energiewende eingestellt haben und sich inzwischen sehr konkret mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle befassen.

Versorger erkennen das Potenzial der Digitalisierung für innovative Energiedienstleistungen

Bei den Versorgern fällt auf, dass sie die Potenziale neuer Technologien in die Entwicklung von kundenorientierten Energiedienstleistungen voll berücksichtigen. Schon seit geraumer Zeit beobachten die großen Konzerne sehr genau, welche Vorstellungen und Lösungen kleine, bewegliche und innovative Start-ups rund um die Energiewende entwickeln. Inzwischen haben es etliche Ideen bis an den Markt geschafft und erweitern das Service-Portfolio der Versorger gerade im Bereich der Digitalisierung. Stichworte sind dabei Smart Home, Elektromobilität, aber auch Photovoltaik und Speicher. Mit Blick auf den Wettbewerb um die privaten Endkunden entwickelt sich das Solar- und Speichergeschäft zu einem immer attraktiveren Hebel. Jeder fünfte Versorger bietet seinen Kunden inzwischen PV-Anlagen an, heißt es in einer Studie. Und bei E.ON, Vattenfall, innogy und EnBW gewinnt die Solarenergie in unterschiedlicher Ausprägung und Schattierung immer mehr Raum, wie etwa die jüngste Kooperation von E.ON mit google bei der Bereitstellung von „Sunroof“-Daten für Deutschland zeigt.

Photovoltaik gewinnt als Energiedienstleistung an Bedeutung – Windenergie dominiert im Erzeugungsportfolio

Neben der Photovoltaik spielt die Windkraft eine wichtige Rolle in den Strategien vieler Versorgungsunternehmen. Während die Großen hier auch auf die Offshore-Windkraft setzen, steht für Unternehmen wie die MVV Energie die Onhsore-Windkraft im Blickpunkt. Mit juwi haben die Mannheimer einen der großen Projektierer im Konzernverbund. Die Onshore-Branche wartet gerade mit Spannung auf die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde für die Onshore-Windkraft. Für die Projektierer, aber auch für Anlagenhersteller wie Nordex, Senvion oder Enercon bringt die Umstellung auf das Ausschreibungsregime ein verändertes ökonomisches Umfeld mit sich – es gibt keine Garantie mehr dafür, dass konkrete Projekt die Ausschreibungen erfolgreich absolvieren.

Sektorkopplung hat Einfluss auf strategische Entscheidungen im Wärmebereich

Während im Bereich der Stromerzeugung die regenerativen Energien Wind und Solar die Nase vorne haben, ist die Situation im Bereich der Wärmebereitstellung vielschichtiger. Das hat unterschiedliche Gründe, einer davon lautet „Sektorkopplung“. Wird die zukünftige Energieversorgung vollständig über Strom aus erneuerbaren Energien gesichert? Als Verbund von fluktuierenden Erzeugern, virtuellen Kraftwerken und ausreichenden Speicher- und Flexibilitätsreserven? Oder spielt die Erdgasinfrastruktur auch künftig eine zentrale Rolle? Gegebenenfalls auch mit einem immer „grüner“ werdenden Rohstoff, wenn regenerativer Strom über Power-to-Gas speicherbar gemacht wird?

Förderstrategie „Energieeffizienz und Wärme aus erneuerbaren Energien“ Titelthema von EUWID Neue Energie

Um diese Fragen tobt eine von großen Teilen der Öffentlichkeit in ihrer Tragweite noch nicht erkannte Auseinandersetzung. Denn klar ist: die strategischen Weichenstellungen in Sachen Sektorkopplung haben einen erheblichen Einfluss auf Investitionsentscheidungen in der näheren Zukunft. Und um diese strategischen Weichenstellungen geht es auch in der jetzt veröffentlichten Förderstrategie „Energieeffizienz und Wärme aus erneuerbaren Energien“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Ihr ist der Titelbereich von EUWID Neue Energie 20/2017 gewidmet. Wir stellen das Papier und die umfangreichen Reaktionen vor. Sämtliche Themen der heute erschienenen und 90 Nachrichten, Berichte und Analysen umfassenden Ausgabe können hier abgerufen werden. Ein kostenloses Testpaket können Sie hier ordern.

Weitere Themen in EUWID Neue Energie 20/2017:

  • Gutes Angebot an Waldhackschnitzel und Landschaftspflegegut sorgt für ruhiges Geschäft: Im Mai herrscht auf dem Markt für NawaRo-Holz überall ruhiger Handel. Wie Marktteilnehmer im Rahmen einer EUWID-Befragung berichteten, zeigt sich auch weiterhin ein leichtes Überangebot.
  • Einstiger Photovoltaik-Branchenprimus Solarworld meldet Insolvenz an: Lange ist es der Bonner Solarworld AG gelungen, trotz massiver Fernost-Konkurrenz am Markt für Photovoltaikmodule zu bestehen. Nun aber musste der einstige Branchenprimus den Antrag auf Insolvenz stellen.
  • Geschäftsmodell Elektromobilität: Energiewirtschaft wird aktiver: Die Zahl neuer Elektroautos in Deutschland ist noch überschaubar. Aber man spürt in der Energiewirtschaft eine Aufbruchstimmung. Die Unternehmen bringen sich in Position und entwickeln neue Geschäftsmodelle.

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