Ladesaeule
Symbolbild (Quelle: Stockwerk-Fotodesign - stock.adobe.com)

80 Prozent der Energieversorger (EVU) sind bereits im Bereich Elektromobilität aktiv oder planen den Einstieg. Dies zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Deutschland und Österreich. Demnach haben mehr als drei Viertel der EVU bereits Ladesäulen installiert – sehen dies häufig aber als Imageprojekt an. Die Bereitschaft für weitere Investitionen ist eher gering. Versorger in Österreich hingegen expandieren entschlossener.

Zwar wollen Energieversorger vom Trend zur Elektromobilität profitieren und rund 95 Prozent der Befragten erwarten, dass die Bedeutung für ihr Unternehmen und ihre Branche wächst. Allerdings hat diese eindeutige Prognose vielerorts noch nicht zu entsprechend entschlossenem Handeln geführt. „Viele engagieren sich nur verhalten und haben noch keine konsistenten Strategien entwickelt“, sagt Henry Otto, Partner und Leiter Beratung Energiewirtschaft bei PwC Deutschland. Entsprechend glaubt etwa die Hälfte der Befragten, dass Wettbewerber einen Vorsprung im Bereich Elektromobilität haben.

Derzeitiges Regulierungsregime ist weiterzuentwickeln

Dabei könnten Energieversorger aus Sicht der PwC-Experten als Betreiber der Verteilnetze und durch ihren Kontakt zu vielen Endkunden ein echter Treiber der Elektromobilität sein. Um diese eigentlich gute Ausgangslage zu nutzen, müsste das derzeitige Regulierungsregime aber weiterentwickelt werden. „Der Aufbau von Ladeinfrastruktur in größerem Umfang ist unter den derzeitigen Bedingungen oft nicht rentabel“, so Henry Otto. Durch einen pragmatischeren Einsatz der Fördermittel oder die Übertragung entstehender Kosten auf die Netzentgelte könnten auch die Ziele der Bundesregierung erreichbar werden, denn: Den 100.000 zusätzlichen Ladepunkten, die in Deutschland bis 2020 errichtet werden sollen, stehen aktuell gerade einmal bereits errichtete 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte gegenüber.

Die Hälfte der befragten EVU betreiben max. 5 Ladesäulen

Zwar liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten von EVU klar beim Aufbau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur: Drei Viertel der Befragten sind in diesem Segment aktiv. Das gilt für Versorger in städtischen und ländlichen Gebieten gleichermaßen – und ist deshalb eine grundsätzlich gute Nachricht für Elektroautokäufer jenseits der Ballungsräume. „Energieversorger investieren auch in Regionen, in denen sich andere Marktteilnehmer bislang eher zurückhalten. Damit tragen sie dazu bei, dass sich die Ladeinfrastruktur flächendeckend verbessert“, so Otto.

Viele EVU geben sich mit ersten Erfahrungen zufrieden

Allerdings zeigt die Studie auch, dass sich viele EVU mit ersten Erfahrungen und Imageprojekten zufrieden geben. Etwa die Hälfte der Befragten hat maximal fünf Ladesäulen in Betrieb. Rund 60 Prozent der EVU planen keine weiteren Investitionen oder wollen maximal 100.000 € investieren. Diese Zahl muss man laut Henry Otto zwar einordnen: „Für 100.000 € Summe bekommt ein EVU immerhin rund 20 Ladesäulen. Für viele kleine Unternehmen kann das ein bedeutender Teil der zur Verfügung stehenden Investitionsmittel sein. Das muss sich dann auch rentieren.“ Trotzdem ist die Bereitschaft für weitere Investitionen insgesamt nicht besonders hoch.

“Smart Services” noch weiter abgeschlagen

Befragte, die der Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen, begründen dies häufig mit niedrigen Gewinnaussichten (80 Prozent) oder einem zu geringen Marktvolumen (60 Prozent). Und auch abseits der Ladeinfrastruktur sind Aktivitäten rund um Elektromobilität bislang überschaubar: So beschäftigen sich knapp vier von zehn deutschen EVU mit Datenmanagement und Abrechnungen. Bei sogenannten „Smart Services“ – also zum Beispiel Apps, die Fahrer zur nächsten Ladesäule lotsen – und beim E-Car-Sharing sind die Quoten mit 23 beziehungsweise 15 Prozent sogar noch deutlich niedriger.

Deutlich größeres Engagement in Österreich

Einen Schritt weiter sind die befragten österreichischen Versorger: Sie expandieren deutlich entschlossener ins Geschäft mit der Elektromobilität als ihre deutschen Pendants. So betreiben rund drei Viertel von ihnen bereits mehr als 50 Ladesäulen. Auch bei innovativen Dienstleistungen wie „Smart Services“ oder dem E-Car-Sharing sind sie laut PwC weitaus aktiver.     

Schauen Sie sich hierzu auch unser Dossier an: 

Projekte zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland

 

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