PV-Modulpreise: Branche rechnet nach Entscheidung aus Brüssel mit Preisverfall

321
Freiflächenanlage-Photovoltaik
Symbolbild PV-Park (Quelle: mvtstockshot / stock.adobe.com)

Bei verhaltener Nachfrage innerhalb der vergangenen vier bis sechs Wochen hatten sich die Preise für Photovoltaikmodule weitestgehend stabil gehalten – doch nun dürfte es bald abwärts gehen: Die Europäische Kommission hat nach Angaben des Verbands EU ProSun beschlossen, die Mindestimportpreise und Zölle auf Module aus China am 3. September auslaufen zu lassen. Eine offizielle Bestätigung durch die Kommission steht noch aus.

Update 27. August: Zeichen verdichten sich, dass Europäische Kommission Antidumping-Maßnahmen auslaufen lässt – der Text wurde entsprechend angepasst.

Die Erwartungshaltung der Branche hatte Geschäftsführer des PV-Handelsplatzes pvXchange, Martin Schachinger, zuvor bereits beschrieben. Nur einzelne Produkte wurden zuletzt gegenüber dem Vormonat nochmals ermäßigt angeboten, was zu geringen Kursveränderungen bei wirkungsgradstarken Modulen (High Efficiency), sowie bei polykristallinen Standardmodulen (Mainstream) führte.

Die Preisänderungen fielen tatsächlich jedoch geringer aus, als es die gerundeten Indexwerte erscheinen lassen, und bewegten sich jeweils im Bereich unterhalb 0,5 Eurocent pro Wattpeak. „Insbesondere bei den großen Marken wie Hanwha Q-Cells, Jinko Solar und Canadian Solar tut sich im Moment wenig.“ Für das High-Efficiency-Segment weist pvXchange einen durchschnittlichen Angebotspreis für verzollte Ware auf dem europäischen Spotmarkt von 0,39 €/Watt peak (Wp) aus. Mainstream-Ware gibt es für 0,31 €/Wp, Low-Cost-Produkte sind bereits für 0,23 €/Wp zu haben.

Kommt allmählich in Schwung: Solarzubau in Deutschland

Die anstehende und bis zuletzt unvorhersehbare Entscheidung der EU-Kommission bezüglich einer Verlängerung der Importbeschränkungen für chinesische Zellen und Module lastete bereits auf dem Markt. Am 3. September laufen die geltenden Maßnahmen aus. Die Kommission muss dann endgültig darüber Auskunft geben, ob sie eine weitere Überprüfung der Dumping- und Subventionstatbestände durchführen wird.

Sollten die Importbeschränkungen wegfallen, wonach es nun aussieht, sei sehr schnell mit dem Auftreten von Anbietern mit preiswerter chinesischer Ware auf dem europäischen Markt zu rechnen, da die Nachfrage in Asien aktuell abnehme und die Lager sich zunehmend mit freier Ware füllten. „Der dadurch ausgelöste Preisrutsch wird dann zwangsläufig zur Abwertung noch existierender Lagerbestände hierzulande führen“, betont Schachinger.

Selbst sprunghafter Anstieg der Binnennachfrage wird „horrende Modulmengen“ nicht aufnehmen können

Selbst ein sprunghafter Anstieg der Binnennachfrage werde die „horrenden Modulmengen“ nicht mehr aufnehmen können. Modulpreise im unteren bis mittleren 20-Cent-Bereich seien dabei im weiteren Jahresverlauf „durchaus denkbar“. Für Investoren und Errichter wäre dies eine sehr positive Entwicklung, da sich durch die niedrigeren Preise natürlich höhere Renditen erzielen lassen. Limitierender Faktor seien dann nur noch die knappen Montagekapazitäten.

Aus Sicht von EU ProSun, einer Interessenvertretung der europäischen Solartechnikhersteller, verstieße die Entscheidung der Brüsseler Behörde gegen Grundlagen des EU-Handelsschutzrechts. „Vor allem aber gefährdet sie ein Erbe von 30 Jahren technologischer Entwicklung in der Solarindustrie der EU und schadet 40 produzierenden Unternehmen, die in 17 europäischen Mitgliedsstaaten tätig sind.“

EU ProSun: Alle wichtigen Märkte haben reagiert – außer der EU

Die Lage werde dadurch verschärft, dass „buchstäblich alle wichtigen Märkte“ für Solarprodukte Maßnahmen gegen „die zu erwartende Flut zusätzlicher subventionierter Exporte“ von PV-Produkten aus China ergriffen hätten. Mithin sei damit zu rechnen, dass die durch die Kürzung chinesischer Ausbauziele bei der PV freigesetzten Mengen vor allem auf den europäischen Markt fließen. Mehrere europäische Unternehmen prüften bereits die Möglichkeit, die Entscheidung der Kommission vor dem Gerichtshof der Union in Luxemburg anzufechten, heißt es bei EU ProSun.

Sollte die Kommission doch noch eine Fortsetzung der Antidumping- und Antisubventionsmaßnahmen beschließen, droht aus Sicht von pvXchange indes eine Stagnation der Zell- und Modulpreise. Es gebe sogar Stimmen, die von möglichen Preissteigerungen sprechen, ausgelöst durch einen Engpass bei MIP-freien Zellen und Modulen. Angeblich habe sich bei den Entwicklern in Deutschland, aber auch in ganz Südeuropa, eine Projektpipeline aufgebaut, die durch die zur Verfügung stehenden nicht-chinesischen Module gar nicht vollständig und termingerecht bedient werden könne. „Die Folge wäre ein Hauen und Stechen um Lieferkapazitäten und -termine, sowie eine schleichende Preisanpassung an das gerade noch akzeptierte Niveau, wie es schon häufig in solchen Situationen zu beobachten war.“ Allzu wahrscheinlich erscheint dieses Szenario gegenwärtig aber nicht.

Photovoltaik: 18 Wochen in Folge mehr als eine Terawattstunde produziert

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein