Ist das Ende der Talfahrt bei den Photovoltaik-Modulpreisen schon in Sicht? Diese Frage stellt sich der Geschäftsführer des PV-Handelsplatzes pvXchange, Martin Schachinger. „Wenn man nur auf die Preisentwicklung der vergangenen Wochen schaute, müsste man diese Frage glatt verneinen.“ Glaube man indes den Stimmen mancher Hersteller, dann sei ein Ende der rasanten Talfahrt aller Modulpreise „sehr wohl in greifbarer Nähe“, so Schachinger weiter.

Es zeichne sich offenbar wieder einmal eine Verknappung zumindest bei einigen Top-(Tier-1)-Herstellern ab. Sowohl preiswerte polykristalline als auch leistungsstarke monokristalline Module mit PERC-Zellen seien nicht mehr in beliebiger Größenordnung kurzfristig zu bekommen. Dem Anschein nach verkauften sich die Produkte der Top-Hersteller in den vergangenen Wochen aufgrund der niedrigen Preise so gut, dass kurzfristiger Nachschub nicht mehr durchgehend gesichert sei. Manche Hersteller lehnten größere Projektanfragen für dieses Jahr sogar schon ganz ab und verwiesen auf das erste Quartal des kommenden Jahres. „Auch braucht man bei ihnen nicht mehr auf weitere Preisnachlässe zu hoffen – im Gegenteil. Die Modulpreise für eine Lieferung noch im Oktober oder Anfang November sind bestenfalls stabil, wenn nicht sogar leicht ansteigend“, so der Marktexperte weiter.

Hersteller versuchen Angebot mit Produktionskürzungen zu regulieren

Einige Hersteller hatten offenbar direkt nach Bekanntwerden der Subventionskürzungen in China die Produktion gedrosselt, um nur ja keine Module auf Halde zu produzieren und einen stärkeren Wertverlust zu riskieren. Weniger Produktion in Asien bedeute auch, dass weniger Ware nach Europa verschifft wird. Viele Module, die bereits in Rotterdam und Umgebung lagerten, seien in den vergangenen Wochen wohl auch verkauft worden. „Auch findet man aktuell noch wenig Containerware, die direkt aus China angeliefert wird.“

Die vielen kleineren Hersteller, die in vergangenen Zeiten hierzulande schon aktiv waren, müssten erst wieder Fuß fassen. Aufgrund der erst kürzlich aufgehobenen Marktbeschränkungen hatten sie in den letzten fünf Jahren kaum realistische Absatzchancen im europäischen Markt. Beim Einkauf dieser Tier-2- bis Tier-3-Produke bewegt sich der Preisvorteil auch allenfalls noch im Bereich weniger Cent pro Wattpeak, womit man sich aber höhere Risiken gegenüber etablierten Marken einhandele. Auch hätten die großen Player mittlerweile einen merklichen Technologievorsprung, der sich in moderneren Zellformaten und höheren Leistungsklassen bemerkbar mache. „Wer als Produzent nicht signifikante Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigt, kommt kaum noch mit im Wettlauf um immer effizientere Module bei geringerem Materialeinsatz“, gibt Schachinger zu bedenken.

IEA sieht Rückgang der globalen PV-Nachfrage – aber sind Preiseffekte dabei hinreichend berücksichtigt?

Eine kürzlich veröffentlichte Prognose der IEA geht für 2018 von einem Rückgang der weltweiten Zubauzahlen um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf etwa 83 GW aus. Zurückgeführt wird der Einbruch vor allem auf die geringere Nachfrage aufgrund gekürzter Förderprogramme in China. „Meines Erachtens nicht genug berücksichtigt wird dabei aber die gestiegene Attraktivität von PV-Anlagen dank gefallener Modulpreise“, sagt Schachinger. Diese würden bis zum Ende des Jahres in manchen Kategorien bis zu 30 Prozent gegenüber dem Preisniveau im Dezember letzten Jahres fallen.

Nachfrage komme dabei nicht nur aus dem Neuanlagengeschäft: Zunehmend attraktiv werde auch das Repowering von Altanlagen, bei dem Altmodule mit schwacher Performance durch Produkte neuster Bauart ersetzt werden. „Bei Modulpreisen, die gerade noch bei einem Zehntel des Preises der Originalmodule liegen, die vor 8 bis 10 Jahren verbaut wurden, kann sich der finanzielle Aufwand einer Anlagenertüchtigung schnell rechnen“, so der pvXchange-Geschäftsführer weiter.

„Demzufolge stehen wir vor einer weiteren Konsolidierungswelle beispiellosen Ausmaßes“

Global betrachtet entstehen durch eine abnehmende Nachfrage gleichwohl Überkapazitäten bei den Herstellern, die mit einer Senkung der Produktion nicht vollständig ausgeglichen werden könnten. Schachinger zitiert die Analysten von Trendforce, nach deren Einschätzung sich die weltweiten Modulfertigungskapazitäten mittlerweile auf etwa 150 GW summieren, was beinahe dem doppelten Wert der diesjährigen Nachfrage entspräche. „Demzufolge stehen wir vor einer weiteren Konsolidierungswelle beispiellosen Ausmaßes“, so Schachinger.

Die Weltmarktpreise für polykristalline Solarmodule befänden sich laut Aussage einiger Hersteller ohnehin schon in einem kritischen Bereich, in dem kaum noch Module produziert werden könnten, die heutigen Ansprüchen genügten. Weitere Preissenkungen seien unter Beibehaltung aktueller Qualitätsstandards zumindest mit den bekannten Technologien und Fertigungsverfahren kaum noch möglich. Allein die Skalierung in immer größere Dimensionen jenseits der 10 GW Fertigungskapazität könnte hier Abhilfe schaffen. Man frage sich allerdings, wie viele dieser „Gigafabs“ parallel und in Konkurrenz zueinander wirtschaften könnten und was mit den vielen hundert kleineren Fertigungseinheiten passiert, die aktuell noch auf der ganzen Welt existieren.

(Quelle für Beitragsbild: anatoliy_gleb / stock.adobe.com)

Photovoltaik-Module: Preise sinken deutlich

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