PV-Markt: Überschaubare Wirkung der Pandemie, aber wachsende Sorge vor dem Erreichen des Solardeckels

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Wolke-Himmel-Sonne
Quelle: EUWID

In der Solarbranche stellt der 52-GW-Deckel aktuell ein größeres Problem dar als Covid-19 und der Lockdown der Wirtschaft. „Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie beschränken sich in der Regel auf leicht erschwerte Arbeitsbedingungen sowie einen Hilfskräftemangel bei mittleren und großen Projekten, bei denen häufig ausländische Arbeitskräfte im Einsatz sind, die nun aufgrund der Grenzschließungen fehlen“, berichtet der Geschäftsführer des PV-Handelsplatzes pvXchange, Martin Schachinger.

„Etwas angespannt“ bleibe zudem die Versorgungssituation bei Modulen, Wechselrichtern und Speichern, die vornehmlich in China hergestellt werden. Im April und Mai mache sich das zeitweilige Herunterfahren und Ruhen der Produktion im ersten Quartal des Jahres bemerkbar, was die Modulpreise aktuell weitestgehend stabil halte.

Dem Preisbarometer von pvXchange zufolge hat es im April sogar wieder eine sanfte Abwärtstendenz bei den Preisen gegeben. So sind die Preise in den Bereichen Bifacial und Low Cost gegenüber dem März gesunken, alle anderen von pvXchange betrachteten Kategorien sind im Preis unverändert. Gegenüber den Preisen zum Jahresstart sind die beiden Kategorien die einzigen, die nicht von Preisanstiegen betroffen sind. Aktuell liegen die durchschnittlichen Angebotspreise auf dem europäischen Spotmarkt für verzollte Ware bei 0,38 €/Wp bei Bifacial-Modulen und 0,35 €/Wp im Segment All Black. High Efficiency-Produkte werden zu 0,34 €/Wp gehandelt, günstiger ist die Ware in den Bereichen Mainstream (0,26 €/Wp) und Low Cost (0,17 €/Wp)

Auftragssituation im Bereich kleinerer und mittlerer Anlagen sehr gut

Die Auftragssituation sei trotz der Corona-Krise zumindest im Bereich der kleineren bis mittleren Anlagen sehr gut, „viele Endkunden scheinen in dieser Hinsicht immer noch entscheidungsfreudig und kauflustig zu sein“, sagt Schachinger. Dementsprechend seien die Auftragsbücher voll und die Stimmung bei Installateuren und Händlern gut. „Die Sorge um ein Ende des EEG ist in diesen Kreisen nicht sehr verbreitet, vielleicht weil bei vielen Kleinanlagen das wirtschaftliche Interesse gar nicht mehr an erster Stelle steht“, mutmaßt der pvXchange-Geschäftsführer. Bei den meisten gewerblichen Anlagen mittlerer Größe hingegen seien Einsparungen durch Eigenverbrauchsdeckung „vermutlich bereits interessanter als der Stromverkauf“, so dass auch hier ein Ende der Solarförderung als nicht sehr bedrohlich angesehen werde.

Ganz anders sehe die Situation bei den Errichtern von größeren Dach- und Freilandanlagen aus, deren Geschäftsmodell sich wesentlich auf das Vorhandensein einer gesetzlich garantierten Einspeisevergütung stütze. „Diese gibt den Projekten eine langfristig kalkulierbare, wenn auch mittlerweile sehr geringe Rendite, auf der sich andere Einnahmequellen – durch Direktvermarktung etwa – aufsatteln lassen“, so Schachinger weiter. Ohne die entsprechende staatlich garantierte Sicherheit seien viele Projekte „schlichtweg nicht finanzierbar“.

Größere PV-Installationen: „Große Zukunftsängste“

Bei der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit sei ein Erreichen der 52 Gigawatt zu Beginn der zweiten Jahreshälfte mittlerweile sehr wahrscheinlich geworden. „Viele Akteure aus dieser Gruppe haben daher große Zukunftsängste, da dringend benötigte Aufträge von ihren Kunden auf Basis dieser Unsicherheit schlichtweg nicht mehr erteilt werden.“

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