Mit dem Ende der EEG-Förderung stehen Betreiber von Windenergieanlagen vermehrt vor der Frage Repowering oder Weiterbetrieb am Standort. Doch die Umsetzbarkeit dieser Optionen ist stark von gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen abhängig. So ist die Zukunft vieler ausgeförderter Anlagen – immerhin ca. 25 Prozent des aktuellen Bestands in Deutschland bis 2025 – ungewiss. (Titelbild: TimSiegert-batcam – stock.adobe.com)

Aktuelle Ansätze haben vorwiegend den Fortbestand von Altanlagen im Blickpunkt, wie zum Beispiel über Stromlieferverträge (PPAs) an industrielle Großabnehmer. Auch diese Möglichkeit kommt jedoch längst noch nicht flächendeckend zum Einsatz. Somit bleibt Betreibern oft nichts anderes übrig, als ihren Ü20-Windpark demontieren und die Windenergieanlagen entsorgen zu lassen. Die Problematik des Recyclings von Altanlagen wird aktuell hoch diskutiert, doch auch dafür sind nach wie vor geeignete Lösungen gefragt.

Digitales B2B-Plattformgeschäftsmodell schafft weitere Jahre des Betriebs

Das Projekt Rückenwind widmet sich im Angesicht der aktuellen Herausforderungen im Bereich der Windenergie in Deutschland der B2B-Plattform-Entwicklung, -Validierung und -Pilotierung. Damit soll hiesigen WEA-Betreibern sowohl neue Perspektiven für den Weiterbetrieb ihrer Anlagen eröffnet, als auch der Zugang zu internationalen Märkten geschaffen werden.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wird eine Plattform geschaffen, die Altanlagenbetreiber und Servicedienstleister aus Deutschland sowie ausländische Betreiber und Projektierer zusammenbringt. Diese setzen auf diese Weise gemeinsam Windprojekte in Gang: Betreiber in Deutschland stellen ihre ausgeförderten Anlagen ausländischen Betreibern zur Verfügung und können so mit dem Weiterbetrieb auch in Zukunft einige Jahre Erlöse erzielen.

Neubetreiber im Ausland, die sich ohne dieses Forschungsprojekt nur schwer Windenergieanlagen leisten könnten, werden durch einen deutschen Servicebetrieb in den Markt eingeführt und erhalten einen einfachen Zugang Technologie, die sich in Deutschland jahrelang bewährt hat und im Ausland noch viele Jahre zuverlässig erneuerbare Energie erzeugen kann.

Aus „Made in Germany“ wird zusätzlich „Operated by Germany“

Die Altanlagenbetreiber werden weiterhin durch das Prinzip „pay-per-kWh“ am Stromertrag beteiligt. Sie bekommen, dank der attraktiven Einspeisevergütung im jeweiligen Land, für jede produzierte kWh ihrer Altanlage eine entsprechende Entlohnung. Die Neubetreiber greifen auf das Know-How der deutschen Geschäftspartner zurück. Die Servicebetriebe und Hersteller, die ebenfalls aus Deutschland stammen, erhalten einen kostengünstigeren Zugang zum internationalen Wachstumsmarkt. Zudem ist das Ziel des Projektes Rückenwind, das Recycling nach den in Deutschland gültigen Standards für einen ordnungsgemäßen, umweltschonenden Rückbau zu etablieren.

Das Gesamtpaket und die Verantwortung für das Projekt „Rückenwind“ trägt die Firma WIV aus Gelnhausen, die seit 2012 mit wind-turbine.com die weltweit größte B2B Online Plattform der Windbranche betreibt. Aktuell wird diese Plattform im Gelnhäuser Coworking Space Kinzig.Valley mit zusätzlichen Features weiterentwickelt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt und finanziert das Projekt mit dem Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP).

Weidmann: Vieles muss einfach schneller gehen

Für den WIV-Geschäftsführer und wind-turbine.com-Gründer Bernd Weidmann ist Eile geboten, ein so innovatives Weiterbetriebskonzept zu etablieren: „Uns bleibt nicht mehr allzu viel Zeit! Es braucht jetzt innovative Ideen und pragmatische Ansätze, um die globale Energiewende zu wuppen. Vieles muss einfach schneller gehen und wir sind sehr motiviert, mit unseren Partnern aus Karlsruhe, aktiv unseren Betrag leisten zu dürfen!“

Das Plattformgeschäftsmodell wird in Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe und dem IT-Unternehmen let’s dev entwickelt. Letzteres ist für die technische Umsetzung verantwortlich. „Wir von der Hochschule Karlsruhe freuen uns sehr darüber, im Projekt Rückenwind ein innovatives Plattformgeschäftsmodell für die Windbranche zu entwickeln“, sagt Prof. Carsten Hahn von der Hochschule Karlsruhe (XLAB) und Partner des Forschungsprojektes. „Denn das Rückenwind-Projekt bietet uns nicht nur einen realen Anwendungsfall mit kompetenten Partnern, sondern ermöglicht es uns zudem, unseren Beitrag zu Energiewende zu leisten.“

Mit dem Projekt Rückenwind werde eine „wesentliche Lücke bei dem Re-Use von Windkraftanlagen“ geschlossen, ein Beitrag zur Energiewende geleistet und die Nachhaltigkeit gefördert, erklärt Karl-J. Wack, Geschäftsführer von let’s dev. „Die Energiewende ist ein zentraler Aspekt, um die Zukunft sicher, umweltverträglich und wirtschaftlich zu gestalten“, so Wack.

Aufruf an Betreiber von Altanlagen
Betreiber von gut erhaltenen Windenergieanlagen, die Interesse daran haben, ihre Altanlage zur Verfügung zu stellen, können sich gerne per Email bei wind-turbine.com unter infowind-turbine.com mit dem Betreff „Rückenwind“ bei Weidmann und Kollegen melden.

Post-EEG-Vermarktung im Kontext:

Im Blickpunkt: Post-EEG-Vermarktung von Strom aus Windenergieanlagen

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