Prognos-Studie: Mehr Energieeffizienz für eine „echte“ Wende notwendig

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In der Energiewende bleibt Deutschland hinter seinen Zielen zurück. Auch die Entwicklung der Energieeffizienz liegt deutlich unter den erwarteten Entwicklungsvorgaben des Energiekonzepts – und hat sich im Jahr 2016 im Vergleich zu 2015 merklich verschlechtert. Der Ausbau erneuerbarer Energien hingegen liegt deutlich über dem anvisierten Pfad, was zu infrastrukturellen Herausforderungen führt. Zu diesem Ergebnis kommt das 6. Monitoring der Energiewende, das Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellt hat.

Die Versorgungssicherheit Deutschlands bleibt gewährleistet. So wurden der Studie zufolge im Winterhalbjahr 2015/2016 doppelt so viel Reservekraftwerke kontrahiert wie im Jahr 2014/2015. Für das aktuelle Winterjahr steigt die kontrahierte Leistung weiter an. Im Vergleich zum Vorjahr war keine zusätzliche Verzögerung beim Netzausbau ersichtlich. Für die Projekte SuedLink und SuedOstLink wurden 2017 die Anträge zur Bundesfachplanung eingereicht. Die Thüringer Strombrücke ist am 14. September 2017 vollständig in Betrieb genommen worden. Allerdings verzögert sich der Netzausbau gegenüber dem ursprünglichen Plan weiterhin. Trotz dieser Verzögerung lag die Stromausfallzeit 2014 auf einem niedrigeren Niveau als in den meisten EU-28-Ländern. Das ist teilweise auf die kontrahierten Kraftwerke sowie die Redispatch- und Einspeisemanagement-Maßnahmen zurückzuführen. Die Häufigkeit dieser Maßnahmen nahm im Jahr 2016 zum ersten Mal seit 2012 ab, blieb aber auf hohem Niveau. Die Kosten der Maßnahmen zur Sicherung der Netzstabilität fielen entsprechend zu 25 Prozent niedriger aus als im Jahr 2015, lagen jedoch bei über 800 Mio. €.

Kohlendioxidemissionen immer noch über den Zielen

Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat sich im Jahr 2016 im Vergleich zu 2015 deutlich verlangsamt. Nichtsdestotrotz liegt der Anteil erneuerbarer Energien oberhalb des Ziel-Entwicklungspfades. Weniger gut haben sich die Kohlendioxidemissionen entwickelt. So stagnieren die energiebedingten CO2-Emissionen zwar seit 2014, wie die Prognos-Studie berichtet. Jedoch liegen sie im siebten Jahr hintereinander deutlich über den Zielen.

Die Strompreise für Haushalts-, Gewerbe- und vollständig EEG-pflichtige Industriekunden in Deutschland bleiben hoch. Bei der Industrie ist seit 2014 ein abnehmender Trend zu sehen, der zumindest zum Teil auf die Entwicklung des Beschaffungspreises des Stroms zurückzuführen ist, während der Strompreisindex für Haushalte seit 2014 stagniert. Auch die Börsenpreise für Strom sind im Jahr 2016 weiter gesunken.

Höhere Strompreise erwartet

Allerdings erwarten die Studienautoren das erste Mal seit 2011 wieder eine Steigerung für 2017. Die Steigerung wird laut Prognos durch die höhere EEG-Umlage sowie höhere Beschaffungs- und Vertriebskosten. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und  Wasserwirtschaft (BDEW) machen Steuern, Abgaben und Umlagen im Jahr 2017 rund 53 Prozent des von der Industrie bei jährlichen Abnahmemengen zwischen 160 und 20.000 MWh zu zahlenden Strompreises aus. Im Jahr 2008 lag der Anteil aller staatlich bedingten Abgaben noch bei 19 Prozent.

Die Indikatoren zur Entwicklung der Energieeffizienz (Stromeinsparung, Endenergieproduktivität und Primärenergieverbrauch) lagen unter dem Zielpfad. Sie bleiben der Studie zufolge im roten Bereich und haben sich im Vergleich zum Jahr 2014 sogar verschlechtert.

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