Preisberuhigung bei Solarmodulen – Solarworld setzt auf Hochleistungssegment

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Die Preise für Solarmodule sind nach einem zum Teil erheblichen Rückgang in den vergangenen Monaten zuletzt über alle Herkunftsregionen und Technologien etwas zur Ruhe gekommen. Darauf macht der PV-Handelsplatz pvXchange aufmerksam. Angesichts der Preistrends setzen Hersteller wie Solarworld auf Nischensegmente.

„Aufgrund der Anfang März sprunghaft gestiegenen Nachfrage führen vereinzelt auftretende Lieferengpässe sogar schon wieder zu einem Preisanstieg, zumindest für kurzfristig verfügbare Module von Tier-1-Herstellern“, schreibt pvXchange-Geschäftsführer Martin Schachinger in einem aktuellen Marktkommentar. Lieferzeiten von ein bis zwei Monaten für höhere Leistungsklassen über 265 Wp seien momentan keine Seltenheit.

Monokristalline Module 10 bis 20 Prozent teurer als multikristalline Angebote

Monokristalline Module der unteren Effizienzklassen seien kaum verfügbar, zudem betrage die Preisspanne zur multikristallinen Variante gleicher Leistung zwischen 4 und 8 Eurocent pro Watt peak, was bei den aktuellen Preisen 10 bis 20 Prozent ausmache. „Diesen Mehrpreis zu berappen, ist wohl kaum noch jemand bereit“, so Schachinger weiter. Besser sehe die Versorgungssituation momentan nur bei polykristallinen Modulen bis 265 Wp Leistung, insbesondere die Produkte der weniger bekannten Marken. Für die Modulklasse “High Efficiency” – hierzu zählen kristalline Moudle ab 280 Watt peak mit Cello-, PERC-, HIT-, N-Type- oder Rückseitenkontakt-Zellen oder Kombinationen daraus – weist pvXchange für den März 2017 einen Preis von 0,53 €/Wp aus – wobei die Preise den durchschnittlichen Angebotspreis für verzollte Ware auf dem europäischen Markt widerspiegeln. Das Segment “Mainstream” kommt zu durchschnittlich 0,42 €/Wp auf den Markt. Hierzu zählen Module mit üblicherweise 60-Zellen, Standard-Alurahmen, weißer Rückseitenfolie und 250 bis 275 Wp. Sie repräsentieren den Großteil der Module im Markt Noch vor ein bis zwei Jahren war die Nachfrage nach monokristallinen Modulen auch für größere, gewerbliche Photovoltaikanlagen durchaus bemerkenswert. Einige, vor allem chinesische Hersteller lieferten nur diesen Zelltyp aus, denn die Bereitschaft der Kunden, für die Monovariante einen Preis oberhalb des Mindestimportpreises von 53 bis 56 Eurocent pro Watt peak zu bezahlen, war vorhanden.

Allerdings lag der Preis für polykristalline Module der renommierteren Hersteller damals nur knapp darunter. Seit jedoch der Preisverfall Mitte letzten Jahres eingesetzt hat, klafft die Preisschere immer weiter auseinander, führt Schachinger weiter aus. Die Modulherstellungskosten, die immer noch von den Zellpreisen dominiert werden, seien nicht in gleichem Maße zu senken, so dass Monomodule im wiederaufkeimenden Volumenmarkt kaum noch konkurrenzfähig seien.

Monokristalline Module derzeit nur in Nischenmärkten interessant

Interessant bleibe die Modulvariante nur in Leistungsklassen, die von polykristallinen Produkten noch nicht erreicht werden. Dieser Bereich werde mittlerweile von der PERC-Technologie dominiert, mit der Modulleistungen von über 300 Wp in einem Standardmodul mit 60 Zellen kein Problem mehr darstellten. Auch durch die Erhöhung der Zahl der Zellverbinder von drei auf vier, fünf oder mehr Busbars, sowie mit anderer Halbleiterdotierung oder Heterojunction-Technologie ließen sich die Zell- und damit die Modulleistungen erhöhen. „Der Preiskampf mit den immer billiger werdenden polykristallinen Produkten lässt sich aber (noch) nicht gewinnen“, merkt der pvXchange-Geschäftsführer an. So bedienten Hochleistungsmodule zunehmend eine Marktnische, in der aufgrund von Platzmangel oder optischer Vorgaben speziell entsprechende Produkte gefragt seien. „Der Massenmarkt, insbesondere das Projektgeschäft, bleibt in zunehmendem Maße den preiswerten polykristallinen Modulen überlassen.“

Poly-PERC-Module: Wenige Hersteller wagen sich an Serienproduktion

Mit Poly-PERC beschäftigten sich zwar bereits zahlreiche Hersteller, doch an die Serienproduktion wage sich momentan kaum einer heran. Auf dem europäischen Markt seien derartige Produkte nur von wenigen Anbietern verfügbar, darunter Hanwha Q-Cells und REC Solar. Viele Hersteller arbeiten noch fieberhaft daran, die mechanische Haltbarkeit, aber auch die Leistungsstabilität zu verbessern, da es hier noch Probleme gebe. Es seien Fälle bekannt, bei denen die anfänglich überdurchschnittliche Leistung der polykristallinen Module nach Auslieferung innerhalb weniger Monate um bis zu 10 Prozent auf dann sehr durchschnittliche Werte gefallen sind. „Die daraus entstehenden Reklamationswelle möchte kein Hersteller über sich ergehen lassen, so dass der Markt für Hochleistungsmodule bis auf Weiteres wohl von monokristallinen Modulen dominiert wird.“

Schachinger: Solarworld bewegt sich mittelfristig in Nischenmärkte

Solarworld hat erst kürzlich angekündigt, sein Produktangebot für polykristalline Module schrittweise zu reduzieren, um sich gänzlich auf monokristalline Hochleistungsmodule zu spezialisieren. Schon jetzt bietet der Hersteller eine umfangreiche Palette an Standardmodulen, Glas-Glas- und bifacialen Modulen mit monokristalliner PERC-Zelle an. Damit werde sich dieser Hersteller, wie auch andere, die ihm auf diesem Wege folgen werden, wohl mittelfristig vom Massenmarkt weg in eine Nische bewegen. „Ob diese Nische groß genug ist, viele unterschiedliche, in erster Linie europäische, japanische und koreanische Hersteller zu beherbergen, ist zu bezweifeln“, meint Schachinger. „Neue ganzheitlichere Produktkonzepte sind hier gefragt, doch die sucht man aktuell noch mit der Lupe.“

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