Photovoltaikmarkt: „Preislawine kommt langsam aber sicher ins Rutschen“

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solar panels transforming sunlight into energy
Quelle: kalafoto / Fotolia

Der ganz große Preisrutsch nach dem Auslaufen der Mindestimportpreise auf PV-Produkte aus China Anfang September steht noch aus, ist aber wohl nur eine Frage der Zeit. Noch wartet man auf wesentliche Preissignale aus dem Markt, berichtet der Geschäftsführer des PV-Handelsplatzes pvXchange, Martin Schachinger. „Diese kommen momentan noch sehr spärlich, denn offenbar möchte keiner der großen Hersteller den ersten Schritt machen“, sagt Schachinger. Bei fast allen bekannten Marken würden Preiskorrekturen in Lieferverträgen nicht vor Ende September in Aussicht gestellt, wenn die aktuellen Turbulenzen sich gelegt haben.

Bei den kleineren (Tier-2-)Herstellern seien indes bereits Preise im unteren 20-Cent-Bereich pro Watt Leistung zu beobachten. Auch einige Tier-1-Produkte böten bereits zu Preisen deutlich unter geltendem Mindestimportpreis an. „So müssen die Indexpreise beinahe wöchentlich um ein bis zwei Cent pro Wattpeak nach unten korrigiert werden“, so der pvXchange-Geschäftsführer weiter.

Insbesondere monokristalline Module seien bisher noch deutlich über Weltmarktpreisen gehandelt worden und hätten „gehörigen Nachholbedarf“. So haben die Preise für High Efficiency und All Black Module in den vergangenen drei Wochen um bis zu drei Cent nachgegeben, während der Mainstream-Modulpreis nur zwei Cent unter dem Vormonatswert liegt.  Prozentual entspricht das einer Ermäßigung von 5,3 bis maximal 7,5 Prozent. Die „Preislawine kommt langsam aber sicher ins Rutschen“.

Hocheffizienzmodule: Preise seit Jahresbeginn im ein Viertel gesunken

Für High Efficiency-Produkte weist der pvXchange-Preisindex einen durchschnittlichen Angebotspreis am europäischen Spotmarkt für verzollte Ware in Höhe von 0,36 €/Wp aus. Damit sind die Preise in diesem Segment seit Jahresbeginn um ein Viertel gesunken. Mainstream-Ware wird zu 0,29 €/Wp gehandelt (-22 Prozent gegenüber Jahresbeginn), für Low-Cost-Produkte werden sogar nur noch 0,21 €/Wp aufgerufen (-19 Prozent).

Es sei zu erwarten, dass in den nächsten Tagen und Wochen einige Container mit chinesischer Ware in den Häfen von Rotterdam, Antwerpen und Hamburg gelöscht und dann ohne Aufschläge vom Zoll durchgewunken werden. Wie sich die Preise dann entwickeln, ist Gegenstand von Spekulationen. „Angeblich sind die Modulpreise schon jetzt nahe an den Produktionskosten. Andererseits gilt es, hohe Lagerbestände abzubauen, und da gilt dann bekanntlich das Gesetz von Angebot und Nachfrage“, sagt Schachinger. Da das Ende der Preisspirale noch nicht absehbar ist, werde jetzt intensiv Lagerbereinigung betrieben und die Ware „notfalls auch unterhalb der Produktionskosten abgestoßen, nur um eine noch größere Abwertung zu vermeiden“.

Für Investoren und Errichter zeichnet sich „sehr positive Entwicklung“ ab

Für Investoren und Errichter zeichne sich eine sehr positive Entwicklung ab, da sich durch die niedrigeren Preise viele Projekte – insbesondere aus den vergangenen Ausschreibungen – nun leichter realisieren und gleichzeitig auch höhere Renditen erzielen ließen. „Limitierender Faktor werden dann allenfalls noch die knappen Montagekapazitäten sein, die sich bereits jetzt schon abzeichnen“.

Im Blick zu behalten sei auch der Effekt des Preisdrucks auf die Qualität. „Vermutlich werden etliche Hersteller gezwungen sein, an allen Ecken und Enden Kosten einzusparen, was zwangsläufig zu Lasten der Güte und Langzeitstabilität ihrer Produkte gehen wird“, so der pvXchange-Geschäftsführer.

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