Phoenix Solar: Jaffé vorläufiger Insolvenzverwalter

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Quelle: Phoenix Solar

Das Amtsgericht München hat dem in der vergangenen Woche gestellten Antrag der Phoenix Solar AG auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stattgegeben und den Rechtsanwalt Michael Jaffé von der Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Wie die Kanzlei mitteilte, geht es jetzt darum, das vorhandene Vermögen im Interesse der Gläubiger zu sichern und die Möglichkeiten einer Fortführung bzw. einer übertragenden Sanierung zu prüfen. Gleichzeitig wurde auch ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt, dem Vertreter der wichtigsten Gläubigergruppen angehören.

Jaffé informierte am Montag im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung am Standort Sulzemoos über die ersten Schritte. Die Mitarbeiter sollen demnach schnellstmöglich das ihnen zustehende Insolvenzgeld erhalten. Eine Vorfinanzierung werde in Abstimmung mit der Agentur für Arbeit derzeit vorbereitet. Bis einschließlich November hatten sie noch ihre regulären Gehaltszahlungen erhalten.

Geschäftsbetrieb soll zunächst weitestgehend fortgeführt werden

Der Geschäftsbetrieb bei Phoenix Solar soll zunächst weitestgehend fortgeführt werden, so der vorläufige Insolvenzverwalter weiter. Mit eigenen Tochtergesellschaften in zehn Ländern auf drei Kontinenten und rund 120 festangestellten Mitarbeitern (Stand: 30. September 2017) hat das Unternehmen im vergangenen Jahr ein Umsatzvolumen von 139,3 Mio. € erzielt. Der Vorstand arbeitet den Angaben zufolge mit Jaffé zusammen, um die vorwiegend im asiatisch-pazifischen Raum angesiedelten laufenden Projekte wie geplant abzuarbeiten.

„Unsere international anerkannte Kompetenz und Erfahrung bei der Realisierung von Photovoltaik-Großkraftwerken machen uns interessant für potenzielle Investoren“, sagte Finanzvorstand Manfred Hochleitner vor den Mitarbeitern am Standort Sulzemoos. „Einige Interessenten haben sich bereits gemeldet, wir sind auch aktuell schon in ersten Gesprächen.“

Investoreninteresse an Phoenix Solar: “Aktuell in ersten Gesprächen”

Jaffé gab zu bedenken, dass man noch ganz am Anfang des Prozesses stehe. „Es ist deshalb noch zu früh, eine Aussage über die Erfolgsaussichten abzugeben.“ Man müsse dafür sorgen, dass das Unternehmen weiter funktionsfähig bleibt. Dazu benötige man die Unterstützung von Banken und Kunden.

Nach Ziehung von projektbezogenen Akkreditiven im Umfang von rund 8 Mio. USD durch einen großen Kunden der Phoenix Solar Inc. (der Tochtergesellschaft der Phoenix Solar AG in den USA) war die Muttergesellschaft Phoenix Solar AG mit Erstattungsansprüchen der ausstellenden Banken in gleicher Höhe konfrontiert.

Finanzmittelbestand von 2,2 Mio. € Ende September 2017

Dies überstieg die finanziellen Möglichkeiten der Phoenix Solar AG, führte daher zur Zahlungsunfähigkeit und zwang den Vorstand, am 13. Dezember 2017 Insolvenz anzumelden. Versuche der Unternehmensführung, mit dem erwähnten US-Kunden und dem Bankenkonsortium in Deutschland zu einer Lösung zu kommen, blieben erfolglos. Per Ende September 2017 verfügte Phoenix Solar noch über einen Finanzmittelbestand von 2,2 Mio. €.

Für 2017 hatte das im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notierte Unternehmen (ISIN DE000A0BVU93) nach einer Korrektur der Prognose aufgrund von Auftragsverschiebungen noch einen Umsatz von 90 bis 110 Mio. € mit einem operativen Verlust (EBIT) von 8 bis 10 Mio. € erwartet. In Spitzenzeiten (2010) erreichte Phoenix Solar einen Jahresumsatz von 635,7 Mio. €, wobei zu diesem Zeitpunkt noch der wesentliche Anteil aus dem deutschen Handelsgeschäft erwirtschaftet wurde, das 2012 aufgrund der deutschen und europäischen Solarkrise komplett eingestellt wurde.

Phoenix Solar meldet Insolvenz an

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