“Offshore-Übertragungskapazitäten laufen ungenutzt leer”: Tennet für Ausschreibung freier Ressourcen

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Offshore-Windpark
Bildquelle: Tennet

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet sieht ein deutliches Optimierungspotenzial bei der Ausschöpfung vorhandener Offshore-Netzanschlüsse. „Rund 660 MW an Netzanschlusskapazität laufen in absehbarer Zeit in der Nordsee ungenutzt leer, diese freien Ressourcen könnte der Gesetzgeber über eine zusätzliche Ausschreibung an Offshore-Windparks vergeben“, sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman. Gerade mit Blick auf das neue 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung, sollten solche Potenziale optimal genutzt werden.

Die von Tennet im ersten Halbjahr 2018 von der Nordsee an Land übertragene Windenergie stieg auf 8,17 TWh. Das sind 5,15 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (7,77 TWh). Das Wachstum der Offshore-Windenergie hat sich insgesamt allerdings deutlich verlangsamt. Im ersten Halbjahr 2017 hatte es bei 50 Prozent gelegen. Der Grund: Gegenwärtig gehen weniger neue Windparks ans Netz. Mit den aktuell erzielten 8,17 TWh bleibt die Nordsee-Windernte aber stabil. Der Offshore-Anteil an der Gesamt-Windstromerzeugung in Deutschland, die rund 54 TWh in der ersten Jahreshälfte erreichte, liegt bei 15,1 Prozent.

Deutsche Nordsee-Windparks künftig mit niederländischem Stromnetz verknüpfen

Zudem plädiert Tennet dafür, künftig auszuschreibende, westlich gelegene deutsche Nordsee-Windparks mit dem niederländischen Stromnetz zu verknüpfen. Eine kostengünstige Lösung könnte eine solche Verbindung nach Eemshaven sein. Weil dieser Netzverknüpfungspunkt direkt an der Küste liegt, könnten 100 Kilometer Erdkabel in Deutschland und somit rund 200 Mio. € eingespart und gleichzeitig Engpässe im deutschen Stromnetz an Land umgangen werden, heißt es.

In den Niederlanden plant Tennet bereits eine Verbindung nach Großbritannien, indem die künftigen Windparks „Ijmuiden Ver“ und „East Anglia“ mit einem kurzen Kabel verbunden werden sollen, sodass ein Interkonnektor zwischen den beiden Ländern entsteht.      

Übertragungskapazität soll bis 2027 auf 11.000 MW steigen

In der deutschen Nordsee hat Tennet gegenwärtig zehn Offshore-Netzanschlusssysteme mit zusammen 5.332 MW Kapazität zur Übertragung von Offshore-Energie an Land in Betrieb. Bis Ende 2023 will Tennet sukzessive drei weitere Anbindungssysteme fertig stellen, sodass dann 8.032 MW an Übertragungskapazität in der Nordsee zur Verfügung stehen sollen. Bis 2027 seien noch einmal drei Anbindungen bei Tennet in Vorbereitung, so dass die Übertragungskapazität bis dahin somit auf fast 11.000 MW steigen werde.

Der bisherige Maximalwert der Einspeisungsleistung der Offshore-Windparks in der Nordsee wurde am 31. März 2018 mit 4.431 MW erreicht. Der Kapazitätsausbau der Offshore-Windparks in der Nordsee blieb am Stichtag 30.06.2018 mit 4.716 MW unverändert gegenüber Ende 2017.    

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